Aachen: Tragisch, komisch und oft absurd

Aachen: Tragisch, komisch und oft absurd

Sieben eigenständige Miniaturszenen ohne jegliche Verbindung formen das Stück „Gegen den Fortschritt”. Halt: Ein Bindeglied gibt es doch. Denn alle Szenen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, demonstrieren die fatalen Konsequenzen unseres Glaubens an die unbedingte Fortschrittlichkeit.

Diese - der Zuschauer mag es zunächst kaum glauben - Komödie hat der Spanier Esteve Soler 2007 verfasst. Zur schon fast ausverkauften Premiere seines Stücks in der Kammer des Theater Aachen am heutigen Freitag, 20 Uhr, wird er im Publikum sitzen. „Manchmal entsteht Witz, wenn zwei Dinge einfach nicht zusammenpassen”, erklärt Dramaturg Ralph Blase. Und Regisseurin Teresa Rotemberg fügt hinzu: „Das Stück ist tragisch-komisch.”

Zur Spielzeit 2009/10 wechselte der Dramaturg von den Städtischen Bühnen Münster an das Theater Aachen. Für die in Buenos Aires geborene Regisseurin und Choreographin ist es hingegen die erste Inszenierung in der Kaiserstadt. „Es ist toll, wenn man jemanden hat, der über zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten verfügt”, lobt Blase die argentinische Tänzerin.

Jede Szene dauert etwa zehn bis zwölf Minuten. Lediglich die vier Schauspieler Nadine Kiesewalter, Katja Zinsmeister, Robert Seiler und Benedikt Voellmy agieren auf der Bühne. „Das heißt, dass sie nach jedem Geschichtswechsel ganz andere Personen spielen”, erklärt Rotemberg. Allerdings sind alle Szenen in derselben fiktiven europäischen Stadt lokalisiert. Das Bühnenbild, bestehend aus vielen kleinen Häusern, hat Sabina Moncys entworfen und gebaut.

Schon der Einstieg in das Stück ist schockierend: Per Satellitenfernsehen kommt ein Kind aus einem Entwicklungsland in das heimische Wohnzimmer geklettert. Hilflos steht die Familie dar. Damit stellt der katalanische Autor die provokante Frage: Warum zappen sie das Kind nicht einfach weg? Dank der fortschrittlichen Technik gibt es doch ausreichend andere Programme. Blase ordnet das Stück unter anderem dem absurden Theater zu: „Meiner Meinung nach knüpft Soler an Beckett an. Er arbeitet ebenfalls viel mit Groteskem. Es ist sehr direktes, burleskes Theater mit einer philosophischen Direktion.”

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