Aachen: Träger des Luisenhospitals: 150 Jahre Krankenhausverein

Aachen : Träger des Luisenhospitals: 150 Jahre Krankenhausverein

1867 verkaufte das russische Reich die Provinz Alaska an die USA, der Industrielle Alfred Nobel meldete das Dynamit zum Patent an, Johann Strauß führte seinen Donau-Walzer erstemals auf — und in Aachen trafen sich 34 evangelische Einwohner von Aachen und Burtscheid, um den Evangelischen Krankenhausverein zu gründen.

Sie legten damit den Grundstein für das Luisenhospital, das 1874 mit 144 Betten am Boxgraben eingeweiht wurde. Das 150-jährige Jubiläum feierte der Verein mit einem Festakt im Krönungssaal des Rathauses mit rund 400 Gästen, moderiert von AZ-Redakteur Robert Esser und musikalisch umrahmt vom Luisenchor, allesamt Mitarbeiter des Luisenhospitals.

Susanne Schwier, Beigeordnete der Stadt für Schule, Jugend und Kultur, überbrachte die Glückwünsche von Stadt und Bürgerschaft und erinnerte daran, dass die Gründung des Luisenhospitals nicht nur ein wichtiges Stück Aachener Medizingeschichte gewesen ist, sondern dass das Krankenhaus bis heute einen über die Region hinaus ausgezeichneten Ruf genießt und zu den größten Arbeitgebern in der Städteregion gehört.

15.000 Patienten pro Jahr

Elf Fachbereiche und zwölf Zentren gehören zum Krankenhaus, darüber hinaus zählen die medizinisch-geriatrische Rehabilitationsklinik „Haus Cadenbach“, das Seniorenheim „Haus Cadenbach“ und die christliche Bildungsakademie in Gesundheitsberufen zur medizinischen Versorgung am Boxgraben. 15.000 Patienten zählt das Luisenhospital pro Jahr, verzeichnete in den vergangenen zwölf Jahren einen Belegungszuwachs von 85 Prozent.

„Das Besinnen auf die Tradition und die Bereitschaft zum stetigen Wandel“ stünden hinter dieser Erfolgsgeschichte, führte Werner Reiche, Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Krankenhausvereins. Dass ein Krankenhaus trotz aller Wandlungen im Gesundheitssektor noch immer ein besonderer Dienstleister sei, hob Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, hervor. Für viele sei dies schwer zu verstehen, weil gerade auch im Gesundheitssektor Wettbewerb und Markt eine wichtige Rolle spielten.

Doch in einem Krankenhaus müsse es darum gehen, Leben zu retten und die Würde des Menschen zu achten. Henke betonte darüber hinaus, wie wichtig die Pflegedienste in einem Krankenhaus seien. Wie wohl die damaligen Gründerväter heute auf das Krankenhaus blicken? „Sie wären sehr zufrieden und sie würden erkennen, dass nach 150 Jahren noch immer die Sorge und die Empathie um kranke und bedürftige Menschen im Mittelpunkt unserer Arbeit steht“, versicherte Klaus Peters, Aufsichtsratsvorsitzender des Evangelischen Krankenhausvereins.

Er dankte ausdrücklich auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich für den evangelischen Kirchenverein einsetzen. Auf die besondere Bedeutung eines christlich geführten Hauses ging Rüdiger Schaller, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, ein. Die ökonomische Logik eines Gesundheitsunternehmens werde durch die Werte des Christentums ergänzt. Die Belegschaft verstehe sich als Dienstgemeinschaft. Daraus entstehe der Impuls zu helfen und zu handeln. In Zeiten zunehmender sozialer Kälte sei dies der Grund, warum Menschen zunehmend Häuser aufsuchten, in denen ethische Werte gelebt würden.

Festredner Wilhelm Berges, ehemaliger Chefarzt der Medizinischen Klinik des Luisenhospitals wünschte für die weitere Zukunft, „dass das Feuer und der Geist der Vorgänger bewahrt und das Luisenhospital weiterhin ein eigenständiges und christliche geprägtes Krankenhaus bleiben werde. Als Krankenhausseelsorgerin am Luisenhospital überbrachte Pfarrerin Dorothee Peglau zum Abschluss einen Segensgruß. Sie sagte, das Luisenhospital gehöre mit zum Besten, was die Stadt zu bieten habe. Dafür sorgten seit sechs Generationen die Mitarbeiter des Hauses, denen das Allgemeinwohl am Herzen liege.

Vom aktuellen Zustand konnten sich am Samstag auch die Bürger selbst bei einem Tag der offenen Tür überzeugen. Sie konnten Einblick in wichtige Abteilungen nehmen, die sonst nicht der Öffentlichkeit offen stehen .

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