1. Lokales
  2. Aachen

Aachen: Traditionsfirma Heusch kämpft auf des Messers Schneide

Aachen : Traditionsfirma Heusch kämpft auf des Messers Schneide

Das Unternehmen ist ein Stück Aachener Industriegeschichte. Seit 159 Jahren produziert die Heusch GmbH&Co. KG am Krugenofen und in jüngerer Zeit auch im Industriegebiet Eilendorf Präzisionsmesser für die Textil- und Lederindustrie. Der Betrieb ist auf diesem Feld der älteste in Europa. Doch nicht die Historie beschäftigt die 94 Mitarbeiter derzeit, sondern der bange Blick in die Zukunft.

Da kämpft ihr Unternehmen, in dem viele schon seit 20, 30 oder gar 40 Jahren arbeiten, auf des Messers Schneide. Die Auftragszahlen sind eingebrochen, die weltweite Krise trifft die Traditionsfirma hart.

Seit September fährt man zum Teil Kurzarbeit, im Dezember wurde die Maßnahme ausgeweitet. Vergangene Woche ereilte die Belegschaft dann auf einer Betriebsversammlung die schockierende Nachricht, dass bis zu 40 der 94 Arbeitsplätze gefährdet sind.

„Ich habe hier zwar schon einige Höhen und Tiefen erlebt, aber so etwas noch nicht”, sagt Wolfgang Vorhagen-Tscherpel. Der Mann ist Betriebsratsvorsitzender und seit fast 30 Jahren im Unternehmen. Und er denkt an die „vielen Einzelschicksale”, sollte es Entlassungen geben. Schließlich habe die Belegschaft ein Durchschnittsalter von Ende 40, womit die Chancen vieler auf dem Arbeitsmarkt gering seien. Der Betriebsrat wie auch Leo Gehlen von der IG Metall bekräftigen deshalb: „Wir werden um jede einzelne Stelle kämpfen.”

Der neue Geschäftsführer Alexander Reichel, seit Februar im Amt, mag keine Zahlen bestätigen: „Wir stehen am Anfang eines Prozesses, diskutieren mehrere Szenarien, wie Heusch künftig dauerhaft gut dastehen kann.” Dabei setze er auf den engen Kontakt zur „Heusch-Mannschaft”, die die Firma „zu dem gemacht hat, was sie heute ist”. Schließlich sei man ein Familienbetrieb und kein seelenloses Kapitalunternehmen, das nur auf hohe Rendite aus sei. Oberste Priorität sei es, alle Potenziale der Mitarbeiter zu nutzen, „um für Heusch eine klare Kostenstruktur und Marktaufstellung zu entwickeln”, so Reichel. Ende Mai wolle man Klarheit haben.