Tour Becquerel: Tausende beteiligen sich am Protest gegen Tihange

Tour Becquerel : „Tihange abschalten!“, fordern Tausende

„Tihange abschalten!“ Das ist nach wie vor die Forderung, für die sich Tausende von Demonstranten auch am Sonntag wieder bei der Tour Becquerel einsetzten, einer Protestaktion, die nun zum dritten Mal von den Grünen organisiert wurde.

Rund 4000 Teilnehmer haben sich laut Veranstaltern am Sonntag aufs Rad geschwungen, um sternförmig erst zum Aachener Grabenring und danach zum Katschhof zu fahren. Die Polizei sprach allerdings nur von 1800 Teilnehmern. Der Katschhof jedenfalls füllte sich nach und nach mit Radlern und deren Rädern. „Danke, dass ihr den Katschhof voll gemacht habt“, erklärte wenig später Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter der Grünen.

„Wir werden so lange protestieren, bis die Reaktoren Tihange und Doel endgültig abgeschaltet sind“, fuhr er im Rahmen der Kundgebung fort. Dass die belgische Regierung über eine Laufzeitverlängerung von Tihange I nachdenke, sei so etwas wie Russisches Roulette, kritisierte er. Und auch wenn es nicht Sache der Deutschen sei, über belgische Energiepolitik zu entscheiden, so dürfe man doch Kritik üben. „Und wir dürfen nicht mehr hinnehmen, dass Deutschland weiterhin die Brennelemente für die belgischen Reaktoren liefert“, forderte er weiter. Ebenso skandalös sei es, dass sich die Bundesregierung durch den Kauf von Anteilen des belgischen Energiekonzerns Engie auch noch an den Kraftwerken bereichere.

„Tihange abschalten“ forderten die Demonstranten immer wieder. Zuvor hatten Dr. Odette Klepper von den Internationale Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzte in sozialer Verantwortung (ippnw) und der emeritierte RWTH-Professor Dietrich Meyer-Ebrecht auf die Folgen eines atomaren Unglücks hingewiesen.

Klepper nannte Schilddrüsenkrebs und Leukämie als Langzeitfolgen und forderte die Zuhörer auf, sich schon jetzt mit einem Unfallszenario auseinanderzusetzen. Und Dietrich Meyer-Ebrecht kritisierte, dass Infos zu Atomunfällen immer nur spärlich und zu spät kämen. Er wies auf Messstationen hin, die den atmosphärischen Gamma-Strahlungspegel in der Region beobachten und registrieren. Unter dem Namen Tihange-Doel Radiation Montoring (TDRM) können die Ergebnisse im Netz auf der Seite www.tdrm.eu eingesehen werden.

Schwarz-gelb waren die Farben, die an diesem sonnigen Nachmittag den Katschhof dominierten: Mit entsprechenden Radscheiben und Aufklebern wollten die Demonstranten auf die Gefahren von Tihange und Doel hinweisen. Und sie alle sind sich einig: Der Protest soll so lange fortgesetzt werden, bis die Pannenreaktoren endlich abgeschaltet sind.

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