Aachen: Toilette auf dem Kita-Flur stinkt den Prüfern

Aachen: Toilette auf dem Kita-Flur stinkt den Prüfern

Wenn Servierwagen mit Kinderessen auf dem Flur eine Toilette passieren, dann stinkt das dem Gesetzgeber. Jedenfalls dann, wenn diese Toiletten in den Kindertagesstätten keinen Vorraum haben. Und das ist die Regel. Und so müssen Träger wie die Stadt Aachen oder Pro Futura Kindertagesstätten — soweit nicht vorhanden — mit entsprechenden Lüftern nachrüsten, weil sich Vorräume nicht einfach so bauen lassen.

„Die Einhaltung der Hygiene ist sehr wichtig. Das müssen wir ernst nehmen, und wir nehmen es ernst. Aber wir müssen auch immer die Relationen im Blick behalten. Dieses Geld würde ich lieber für Personal oder wenigstens Lärmschutzmaßnahmen einsetzen“, erklärt Heinz Zohren für Pro Futura, das als Träger für zehn Einrichtungen des Bistums in Aachen und der Städteregion verantwortlich zeichnet.

Die zuständige Lebensmittelüberwachung im Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Städteregion hatte zuletzt Kindertagesstätten inspiziert. Insbesondere wenn es um Küchen und Sanitärbereiche geht, gibt es hier strenge Richtlinien. „Es ist gut, dass bestimmte Regeln eingehalten werden müssen“, betont Zohren. Vorgeschrieben ist beispielsweise, dass Küchen in Kitas abgeschlossene Räume sein müssen. Es muss Handwaschbecken für das Personal geben. Ebenso ein Spülbecken oder eine Spülmaschine.

Wörtlich heißt es im Anforderungskatalog unter anderem: „Eine Belüftung der Küche muss gewährleistet sein. Zur Belüftung kann ein zu öffnendes Fenster dienen, welches mit einem Insektengitter auszustatten ist. Die Insektengitter müssen zu Reinigungszwecken leicht entfernt werden können.“ An anderer Stelle: „Die Küche muss ausreichend Arbeitsflächen aufweisen, die hygienisch einwandfreie Arbeitsgänge ermöglichen. Diese Arbeitsflächen sind in einem einwandfreien Zustand zu halten und müssen leicht zu reinigen und erforderlichenfalls zu desinfizieren sein. Sie müssen aus glattem, abriebfestem, korrosionsfestem und nichttoxischem Material bestehen.“

Nicht überall hat die Lebensmittelüberwachung diese Vorgaben makellos umgesetzt gesehen. Es sollen in Küchen sogar Grünpflanzen gestanden haben. Was natürlich verboten ist. „Bei Kinder ist die Ansteckungsgefahr entsprechend hoch. Da müssen hohe Ansprüche erhoben werden. Dieses Problem beschäftigt sehr viele Kindertagesstätten“, erklärt der Pressesprecher der Städteregion, Detlef Funken. Letztlich werden Kita-Küchen wie Mensa-Küchen betrachtet. Und nicht wie die heimische Wohnküche.

Doch je nach Baujahr einer Einrichtung waren die Maßstäbe nicht immer derart hoch. Und so muss nun nachgerüstet werden. „Wir werden ein paar Kleinigkeiten nachrüsten müssen“, berichtet Björn Gürtler vom Presseamt der Stadt Aachen. Unter anderem werden Handwaschbecken für das Personal nachgerüstet. Und auch ein paar Fliegengitter fehlen noch. Umgebaut werden muss im Sommer die Montessori-Kita in der Reumontstraße. Denn hier gibt es tatsächlich noch eine offene Küche, die von Amtswegen nicht vertretbar ist. „Das werden wir bei laufendem Betrieb angehen“, sagt Gürtler. Andere Träger müssen mit ähnlichen Fällen umgehen.

Noch vor Jahren war das alles kein Problem: Das Thema wird erst so heiß gekocht, seit in Kindertagesstätten überhaupt warmes Essen serviert wird und die Kinder nicht mittags wieder abgeholt werden. Auch die Abläufe sind klar formuliert. Wenn in einer Pro-Futura-Einrichtung das Essen geliefert wird, wird beispielsweise immer die Temperatur der Speisen gemessen, sie werden umgepackt in die Kita-eigenen Warmhaltegeräte und dann serviert. „Das nehmen wir alles sehr ernst“, stellt Zohren klar.

Mit dem Servierwagen werden sie dann in die Gruppenräume oder einen zentralen Essensraum gefahren. Und auf dem Weg stehen die Einrichtungen nun eben vor dem Problem mit den Toiletten. „Toilettenräume dürfen auf keinen Fall unmittelbar in Räume öffnen, in denen mit Lebensmitteln umgegangen wird“, heißt es in den Anforderungen. Und dranvorbeifahren — auch wenn die Speisen abgedeckt sind — zählt als umgehen. „Dabei ist es pädagogisch sinnvoll, wenn die Toiletten sogar direkt vom Gruppenraum abgehen. Kinder werden so früher sauber“, sagt Zohren.

Vorräume wird er in den Pro-Futura-Kitas kaum schaffen können. Die „leistungsfähigen Lüfter“ sind letztlich ein Kompromiss. Pro Toilette rechnet Zohren mit mindestens 1000 Euro Kosten. Pro Futura verantwortet 40 Gruppen. „Und die Hälfte ist bestimmt betroffen. Ich rechne mit Kosten von 20.000 bis 40.000 Euro“, erklärt er. „Wir sind in Gesprächen, um für die Zukunft eine vernünftige Lösung zu finden.“ Übrigens: Früher brachten die Kinder ihre eingepackten Butterbrote mit. Und das stank dem Gesetzgeber nicht.

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