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Aachen: Tivoli: Für „Onkel Otto” gibt es keinen Parkplatz

Aachen : Tivoli: Für „Onkel Otto” gibt es keinen Parkplatz

Einen „Abwehrriegel” wird es definitiv in der neuen Saison geben. Die Stadt wird mit einem Anwohnerschutzkonzept ­die Wohnquartiere rund um den neuen Tivoli mit Pollern und Schranken absperren. Anwohner klagen seit Jahren über parkende Fußballfans.

In der Alkuinstraße ist von „Chaos” die Rede, teilweise werde dreispurig geparkt. „Wir müssen etwas tun”, sagt Dezernentin Gisela Nacken. In diesem Punkt sind sich Stadtverwaltung, Alemannia und Politik einig.

Über zwei Fragen gab es im Vorfeld des Verkehrsausschusses aber unterschiedliche Ansichten: Wie lange sollen die Wohnquartiere abgeriegelt werden? Und wer kommt rein und wer nicht? Während die Stadt die Sperrung drei Stunden vor Anpfiff beginnen und bis nach Beginn der zweiten Halbzeit halten will, hat sich die CDU für eine frühzeitige Öffnung der Straßen 15 Minuten nach Anpfiff der ersten Halbzeit ausgesprochen. Darauf konnten sich auch SPD und Grüne als Kompromiss im Verkehrsausschuss einlassen. Die Anwohner der Alkuinstraße halten das gleichwohl für unzureichend.

Abgesperrt werden nun ab der neuen Saison an Heimspieltagen Emmastraße, Am Tivoli, Am Weberhof, Soerser Tal, Soerser Au, Karolingerstraße, Am Wolf, Lotharstraße, Alkuinstraße, Normannenstraße und Eginhardstraße. Zufahrtsschleusen wird es an Emmastraße, Karolingerstraße und Alkuinstraße geben. Nur hier geht es in die Wohnquartiere und rein kommen nur Personen, die in den betroffenen Straßen gemeldet sind, oder Fahrzeuge, die in den betroffenen Straßen zugelassen sind.

Und da gingen dann auch im Ausschuss die Meinungen weit auseinander. Die CDU hatte sich für zusätzliche Anliegerkarten für Besucher ausgesprochen. SPD und Grüne lehnten ab. Die soll es in Aachen nicht geben, nur in Ausnahmefällen ­ etwa für Pflegedienste. „Die Anwohner müssen für ihren Schutz an anderer Stelle Einschränkungen hinnehmen”, sagt auch Wolfgang Sanders vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. Anwohner bezeichneten das in der Ausschussitzung gar als „Enteignung”.

Wegen der kurzfristigen Festlegung der Spieltermine habe man schon einmal eine private Feier verlegt, so ein Betroffener „Es ist die Kehrseite des Schutzes, dass die Sperrung auch für Freunde und Verwandte der Anwohner gilt”, erläutert Sanders. Und Nacken fügt hinzu, dass die Anwohner Besucher aufgrund der Fußballparker auch jetzt nicht empfangen könnten. Für ein Anliegerkartensystem sei aber der bürokratische Aufwand zu groß. SPD und Grüne meinten, die Sonderausweise könne man flott auf den Kopierer legen, dann wäre alles so chaotisch wie vorher.

In anderen Städten hat sich das Anlieger-System dagegen bewährt. Auch rund um das Stadion von Borussia Mönchengladbach werden Wohnstraßen gesperrt (ab 3,5 Stunden vor Anpfiff bis kurz nach Spielbeginn). Die Anwohner bekommen Parkausweise, die Anzahl orientiert sich an der Zahl der Stellplätze, die die Anwohner vorweisen können. „Ohne Kontingentierung würde jeder 20 beantragen. Das wäre nicht zu regeln”, sagt Reinhold Gerhards, Leiter des Mönchengladbacher Ordnungsamts. 2500 Ausweise wurden bislang ausgegeben.

Allerdings sind ­ siehe rot-grüner Einwand ­ auch schon Fälschungen aufgetaucht. „Wir mussten schon Strafverfahren wegen Missbrauchs amtlicher Ausweise einleiten”, so der Ordnungsamtsleiter. Diese Probleme wird es in Aachen nicht geben. Denn durch den neuen Abwehrriegel am Tivoli kommen nach dem gestrigen Beschluss eben nur Anwohner und ihre Fahrzeuge. Damit wird auch das „Onkel-Otto-Prinzip” nicht mehr möglich sein. Anwohner parken dabei selbst auf der Straße und überlassen befreundeten Tivoli-Gängern -­ „Onkel Otto” ­- ihre Einfahrt. Das alles gilt unter Vorbehalt. Nach einem halben Jahr soll die Verwaltung berichten. Dann wird geschaut, ob man das System locker kann. Oder gar ausdehnen.