Aachen: Tierpark: Kind findet geklauten Tresor

Aachen: Tierpark: Kind findet geklauten Tresor

Eine solche Räuberpistole hat Aachen schon lange nicht mehr erlebt. Fassen wir zunächst kurz zusammen: Nachts rücken Profi-Einbrecher am Tierpark an, knacken ein Vogelgehege, stemmen mit Maschinengewalt eine Wand zum Kassenhaus auf, klauen einen 300-Kilo-Tresor und schleifen ihn zum Parkplatz.

Am Abend dann schließlich spaziert ein Kind durch den Wald nahe dem Kornelimünsterweg wenige hundert Meter vom Tierpark entfernt und findet - den Tresor. Aufgebrochen, ausgeraubt.

Rückblende: Selbst der drollige australische Kookaburra, besser bekannt als Lachender Hans, macht seinem Namen an diesem Donnerstagmorgen wenig Ehre. Seine Käfiggenossin schiebt gar schweren Frust. Ihr „Gatte”, der Himalaja-Glanzfasan, ist über alle Berge. Ebenso ein asiatischer Beo. Und mindestens zwei dreiste „Panzerknacker”, die den Drimborner Tierpark in der Nacht besagten Safe - und eine erhebliche Menge an Barem - „erleichtert” haben.

Nein, ein solches Schurkenstück hat Tierpark-Chef Wolfram Graf-Rudolf noch nicht erlebt. Fassungslos steht er auch am späteren Donnerstagmorgen noch vor dem 78 Mal 120 Zentimeter großen Loch, das die Einbrecher zwischen 19 Uhr abends und 7 Uhr morgens ins Metallgitter des Vogelkäfigs hinter dem Kassenhäuschen gezwackt haben.

Dann haben die Übeltäter schwereres Gerät aufgefahren. „Wahrscheinlich haben sie die Örtlichkeit genau gekannt”, mutmaßt Graf-Rudolf. Mit strombetriebenen Werkzeugen haben sie die dicke Ziegelmauer an der Rückwand der Voliere gezielt aufgestemmt - exakt an der Stelle, wo sich der fast nagelneue Tresor befand. „Dafür haben sie eine Kabeltrommel benutzt, die in einer Ecke des Foyers stand”, berichtet Kripo-Experte Franz-Josef Arentz, der mit seinem Kollegen Thomas Schwarz noch mit der Spurensicherung zugange ist.

Der restliche Ablauf des bizarren Coups erschließt sich selbst dem Laien auf Anhieb. Rund 30 Meter lang zieht sich eine Schleifspur vom Käfig bis zum Parkplatz vorm Eingangsportal, das die Täter offenbar mit einem Dietrich geöffnet hatten.

Dann allerdings entdeckt der Tierparkleiter, dass der Tatort an anderer Stelle auf rabiatere Weise erkundet worden sein muss: Auch in die steinerne Front des Kassenhäuschens direkt neben dem Eingang haben die Einbrecher ein kleines Loch gemeißelt, schließlich das Holzdach angehoben - und konnten so das Objekt der Begierde direkt ins Visier nehmen. Dabei wird ihnen aufgefallen sein, dass der Tresor durch Bewegungsmelder gesichert war. Also rückten sie ihm mit Brachialgewalt von hinten auf die stählerne Pelle.

Schade nur, dass der Lachende Hans und Madame Himalaja-Fasanin nicht wirklich „singen” können. Die Experten dokumentieren dennoch jeden Quadratzentimeter des Käfigs. Wohl wissend, dass sie es ihrerseits mit Profis zu tun haben dürften. Auch wenn sie jede Menge Schuhabdrücke auffinden - und DNA-Spuren sichern können. „Wenn die Täter einschlägig vorbelastet sind, schnappen wir sie flott”, sagt Arentz.

Nachtwachen aufgestellt

Zumindest ein Trost für Graf-Rudolf und sein Team zu diesem Zeitpunkt. „Aber die beiden entwichenen Vögel werden nicht lange überleben, wenn wir sie nicht bald finden”, sagt er traurig.

Schließlich dämmert es. Es ist 18.30 Uhr, als ein Kind im Bereich des Waldes am Forsthaus Schönthal eine Entdeckung macht. Ein Tresor im Öcher Bösch, da kann was nicht stimmen. Die Polizei rückt an. Und stellt fest: Die Täter haben sich gleich nach dem Einbruch daran gemacht, auch noch dieses Hindernis zu überwinden - und haben den Safe aufgebrochen. Das Geld ist weg. „Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es der Tresor aus dem Tierpark ist”, sagt Leitstellen-Chef Harald Brammertz. Graf-Rudolf macht der Fund auch aus anderem Grund wenig Freude: „Ich bin erst froh, wenn die Tiere wiedergefunden worden sind.”

Die Polizei hat derweil im Wortsinn ungleich schwerere Probleme mit dem Safe als die Einbrecher. Möglicherweise wird es noch etwas dauern mit der Bergung.

Mehr von Aachener Zeitung