Aachen: Tiefe Trauer um OT-Leiter Richard Okon

Aachen: Tiefe Trauer um OT-Leiter Richard Okon

Für ungezählte Mitglieder des Gemeindeverbunds Aachen-Ost/Eilendorf, für zahllose Jugendliche nicht nur aus dem Ostviertel stand das Weihnachtsfest buchstäblich über Nacht im Zeichen der Trauer: Im Alter von 64 Jahren ist Richard Okon, langjähriger Leiter der Offenen Tür Josefshaus, an Heiligabend überraschend gestorben.

Über Jahrzehnte hinweg hat Okon der Einrichtung am Kirberichshofer Weg als einem der wichtigsten offenen Kultur- und Begegnungszentren der Stadt seinen Stempel aufgedrückt. Er war bekannt und beliebt als kreativer Förderer und Vermittler, der stets ein offenes Ohr und ein großes Herz hatte für Bedürfnisse und Probleme der jüngeren Generationen im nicht immer einfachen Umfeld seines Wirkungskreises. Auch als Mitglied im Vorstand des SPD-Ortsvereins Aachen-Ost und Abgeordneter im Städteregionstag hat Okon sich mit großer Leidenschaft engagiert.

„Richard Okon hat mit viel Herzblut für die offene Jugendarbeit gekämpft; er war einer, der zuweilen sozusagen auch in den Ring gestiegen ist, um für seine Überzeugungen und Positionen einzutreten“, sagte Markus Frohn, Pfarrer im Gemeindeverbund, der AZ gestern. „Als ich von seinem plötzlichen Tod erfuhr, konnte ich es im ersten Augenblick einfach nicht glauben. Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Frau Elisabeth und seinen drei Kindern.“

Die wichtigsten Botschaften

Integration durch Bildung und Annäherung im Zeichen der Toleranz — das waren die wichtigsten Botschaften, die Richard Okon ohne große Gesten, aber stets mit besonderem Feingefühl und schöpferischem Engagement zu vermitteln wusste. Nachdem er eine Ausbildung zum Kaufmann absolviert hatte, entschied er sich, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und absolvierte ein Studium als Diplom-Sozialarbeiter. Zunächst übernahm er die Leitung der Kleinen Offenen Tür im Bürgerzentrum an der Schleswigstraße, wo er bereits zahlreiche Impulse im Sinne der Förderung einer niedrigschwelligen, kreativen Kommunikation zwischen den Kulturen setzte. So gründete er die Puppentheater-Reihe „Stars ohne Allüren“, die nicht nur Kinder beglückte.

Mit dem Regisseur Reza Jafari begeisterte er als Ideengeber und wichtiger Förderer des erfolgreichen Chaostheaters. Das Ensemble zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass es vielen Jugendlichen die Möglichkeit gab, ihre Bühnentalente zu entdecken und zu entwickeln und so zugleich ganz konkrete Geschichten aus ihrem Alltag zu erzählen. In den Inszenierungen setzten sie sich auf vielfältige Weise mit Themen wie Religion, Gewalt, Arbeitslosigkeit, kurz: der Suche nach Identität und Orientierung auseinander.

„Sein plötzlicher Tod reißt eine riesige Lücke“, sagte auch Mathias Dopatka, SPD-Vorsitzender in Aachen-Ost, gestern. „Er war ein enormer Aktivposten in der Partei, hat unendlich viele Projekte angestoßen und vorangebracht. Richard Okon hatte eine besondere Gabe, Menschen zusammenzubringen. Wir werden ihn sehr vermissen.“

(mh)
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