Aachen: Thomas Müller wird Aachens nächster Narrenherrscher

Aachen : Thomas Müller wird Aachens nächster Narrenherrscher

Als sich der dichte Nebel pünktlich um 11.11 Uhr am Dreiländerpunkt bei Vaals lichtet, strahlt Thomas Müller in ein Dutzend Kameras. Nicht als Thomas IV., sondern als Tom I. wird der (noch) 54-jährige Familienvater — mit vier Jahren von Neuss nach Aachen gezogen, jetzt wohnhaft in Alsdorf-Ofden — in die Geschichte des Aachener Karnevalsvereins (AKV) und der Kaiserstadt eingehen.

Apropos Kaiser Karl: Auch der künftige Narrenherrscher setzt voll auf Europa; sein Prinzenmotto zur Session 2019: „Als Öcher Europäer fier ich jeär övverall, mär nüüß es för mich schönner, wie Öcher Karneval!“

Das habe den AKV vollends überzeugt, bekräftigt AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil. Erst im März hatte Müller sich beworben, vor drei Wochen fiel die Entscheidung. „Ich machte gerade Urlaub in New York, als mich der Anruf des AKV erreichte“, erinnert sich der designierte Prinz am Donnerstag vor den eilig versammelten Journalisten. Dieses Jahr musste alles ganz schnell gehen, erst die letzte von mehreren Prinzenbewerbungen fand vollends Anklang beim AKV.

„Dass Tom zudem über reichlich karnevalistische Erfahrung, vor allem aus dem Jahr 2009 als Rittmeister von Prinz Thomas I. Ebert, verfügt, ist natürlich auch ein großer Vorteil“, lobt Pfeil. Und verhehlt nicht, dass nach den jüngsten herausragenden Prinzen Thomas III. Jäschke (2017) und Prinz Mike I. Foellmer reichlich Druck auf dem Nachfolger lastet. Tom nimmt das aber sympathisch gelassen: „Jeder Jeck und jeder Prinz ist anders. Es geht doch nicht darum, einander zu übertrumpfen.“

Aufgewachsen ist Thomas, inzwischen Vater zweier Jungen (zehn und zwölf Jahre alt) und mit Constanze Beil liiert, im Aachener Ostviertel. „Da habe ich schon als Junge fasziniert die Aufstellung des Rosenmontagszuges in der Oppenhoffallee verfolgt“, erinnert er sich. Der Wunsch, einmal Prinz zu sein, wuchs aber erst zu seiner Hofstaatszeit vor zehn Jahren. „Aber der Zeitpunkt muss eben auch passen: persönlich, familiär und auch wirtschaftlich“, räumt der Mann ein, der in seiner Session fünf mal elf Jahre alt wird und beruflich selbstständig im Bereich Massivhausverkauf ist.

Die Zeit, die nun bis zur Proklamation vor ihnen liegt, wollen Tom Müller und sein Hofstaat intensiv nutzen, denn die Gruppe hat viel vor — inspiriert nicht zuletzt durch Tom Müllers Lebenspartnerin Constanze. Die ist Schulleiterin in Alsdorf und engagiert sich mit ihren Kolleginnen vor allem bei der Inklusion von Kindern mit Behinderungen: „Wir möchten finanzschwachen Grundschulen und Fördervereinen, die erheblich in die Inklusion involviert sind, durch die Spenden unterstützen, die wir mit unseren Pins, Benefizorden und anteilig der Prinzen-CD einnehmen“, erläutert der künftige Narrenherrscher.

Und dann ist da ja noch das Sessionsmotto Europa. Belgien und die Niederlande, so verkündet Tom am Dreiländerpunkt, wolle man möglichst intensiv in den Aachener Karneval einbeziehen. „In Aachen schlägt das Herz des Fastelovvends“, sagt Müller, der übrigens seit 44 Jahren Alemannia-Mitglied ist. Und genau so alt wird zur Session Lebenspartnerin Constanze. So jeck wie pünktlich.