Aachen: Theaterstraße: Nur noch Stückwerk und Flickschusterei

Aachen: Theaterstraße: Nur noch Stückwerk und Flickschusterei

Eine Flaniermeile? Wohl kaum. Schließlich bleiben den Passanten auf der Theaterstraße an manchen Stellen zwischen parkenden Pkw und Häuserwänden gerade einmal anderthalb Meter Platz. Ein Ort mit Aufenthaltsqualität? Eher nicht.

Wo ständig der Verkehr rauscht, bleibt wenig Raum zum Innehalten. Außengastronomie ist nur marginal vertreten. Der optische Eindruck? Stückwerk und Flickschusterei. Die Straßenanlagen sind in die Jahre gekommen, die denkmalgeschützten Pflasterbereiche auf den Bürgersteigen teils marode und ausgebessert, größtenteils aber ohnehin zugeparkt. Von der Prachtstraße, die die Theaterstraße in früheren Zeiten war, ist sie heute meilenweit entfernt. Und das schon lange.

CDU und SPD wollen das nun ändern. Ihr gemeinsamer Ratsantrag, die Theaterstraße und den Theaterplatz gemäß ihrer „stadträumlichen Bedeutung“ aufzuwerten, steht Donnerstag im städtischen Planungsausschuss auf der Tagesordnung. Die Politik soll beschließen, dass dieser wichtige Bereich der Innenstadt bei der Fortschreibung des Innenstadtkonzepts 2022 berücksichtigt wird. Dann könnten Fördermittel in den Umbau zu einem urbanen „Theaterboulevard“ fließen, der sicherlich einige Millionen Euro kosten wird.

Doch so schnell wird es dazu nicht kommen. Denn wie die Verwaltung in der Vorlage für den Ausschuss erläutert, genießt das Projekt in besagtem Konzept nicht unbedingt die höchste Priorität und wird aus städtebaufördertechnischen und finanziellen Gründen wohl erst „für den Zeitraum nach 2018“ berücksichtigt werden können.

Den planungspolitischen Sprecher der SPD, Norbert Plum, der einer der Unterzeichner des Ratsantrags ist, ficht das nicht an. „Natürlich müssen wir uns mit unseren Wünschen an den wirtschaftlichen Gegebenheiten orientieren“, sagt er, „aber wir wollen das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit und vor allem der Kämmerin bringen.“

Da war es allerdings schon des Öfteren. Seit rund 20 Jahren, seit der Umgestaltung des Friedrich-Wilhelm-Platzes, wird die Idee verfolgt, die dann auch Eingang fand in das Innenstadtkonzept 2002. Im Jahr 2006 hieß es dann, man wolle 2007 konkrete Pläne vorlegen. Die gab es dann sogar einmal, wobei unter anderem überlegt wurde, die Umfahrung des Theaters auf einer Seite für den Verkehr zu sperren und für Fußgänger zu reservieren — von wegen Flaniermeile. Doch passiert ist nichts. Irgendwie kam wohl immer etwas dazwischen. Das war auch später so. Im Jahr 2010 tauchte die Theaterstraße wieder in einer langen Liste von Städtebauförderprojekten auf, sogar eine Investitionssumme wurde genannt: Auf 4,4 Millionen Euro taxierte die Stadt seinerzeit die Kosten. Kleine Einschränkung: Erst 2014 habe man dafür Geld.

Nun also ein neuer Vorstoß. „Wir wollen das durchziehen“, versichert Plum. Konkret geplant ist noch nichts, aber die Verwaltung skizziert schon einmal grob, was geschehen soll. Mehr Platz für Passanten und Radfahrer soll es dort geben, wo heute der motorisierte Verkehr dominiere und „über mehr Platz als funktional notwendig verfügt“, wie es in der Vorlage heißt. Mehr Aufenthaltsqualität will man schaffen, auch indem man mehr Raum für Außengastronomie bieten möchte. Und mehr Bäume sollen gepflanzt werden, wo ein Grünkonzept seit langem „nur noch rudimentär zu erkennen“ sei. Klar ist, dass dafür der motorisierte Verkehr „neu zu ordnen“ sei. Und klar ist auch, dass das alles nicht billig wird. „Wenn man das richtig macht, und das wollen wir, wird das einiges kosten“, weiß Plum. Frühestens 2019 könnten die ersten Millionen in den „Theaterboulevard“ fließen. Wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt.