Aachen: Theaterschule in die Barockfabrik?

Aachen: Theaterschule in die Barockfabrik?

Es tut sich was in der Barockfabrik: Während das Öcher Schängche mit Beginn der neuen Spielzeit nun wieder die Menschen an den Löhergraben lockt, laufen hinter den Kulissen intensiv Gespräche über mögliche Co-Mieter der Theaterpuppenbühne.

„Das Interesse an den Räumen ist groß“, teilte Irit Tirtey von der städtischen Verwaltung am Dienstag dem Kulturausschuss mit. Seit das Kinder- und Jugendangebot in der Barockfabrik Ende Juni komplett eingestellt worden war, herrschte Rätselraten über die zukünftige Nutzung der ehemaligen Tuchfabrik.

Nun steht fest: Das historische Gebäude soll wieder zum Kulturhaus werden, nachdem es viele Jahre lang überwiegend für den Kinder- und Jugendbereich genutzt worden war — wenn auch aufgrund der knappen Personalsituation in einem zunehmend eingeschränkten Ausmaß.

Weit gefächert ist hingegen die Bandbreite der Vereine, die ihre Angebote zukünftig in die Barockfabrik verlegen möchten. Neben dem Ausschuss Aachener Karneval (AAK) und dem Tanzverein „Art Bewegt“ reihen sich laut Verwaltung auch die Volkshochschule und die Theaterschule Aachen in die Liste der Interessenten ein. Insbesondere der Tanzraum sei gefragt. Bewirtschaften soll das Gebäude nach wie vor der städtische Kulturbetrieb. In den kommenden Wochen will die Verwaltung weitere Gespräche führen und ein Nutzungskonzept entwickeln, das dem Kulturausschuss im November zum Beschluss vorgelegt werden soll.

Für die Tanzschule Aachen, die als potenzieller Ankermieter gehandelt wird, dürfte dieser Zeitpunkt für die weiteren Planungen äußerst knapp werden. Denn die private Theaterschule, die gerade mal vor zwei Jahren die Räume an der Schleswigstraße bezog, muss diese bis Ende des Jahres bereits wieder verlassen. „Die Bedingungen sind hier alles andere als optimal“, erklärte Ingeborg Meyer, Leiterin der Theaterschule, am Mittwoch auf AZ-Anfrage.

Zudem müsse der Unterricht vormittags wegen des hellhörigen Gebäudes in einem anderen Gebäude an der Oranienstraße stattfinden. „Deshalb haben wir den Mietvertrag für das Gebäude an der Schleswigstraße gekündigt.“ Das Interesse an der Barockfabrik sei entsprechend groß. „Die Räume wären für uns perfekt“, sagte Meyer.

Mehr Präsenz in der Öffentlichkeit

Sollte der Zuschlag an die Theaterschule gehen, würden auf die Mitarbeiter dann als Ankermieter auch „koordinierende Aufgaben“ zukommen. Zudem sei ein Ankermieter wichtig, „um Präsenz zu zeigen“, wie Margrethe Schmeer als Vorsitzende des Ausschusses betonte.

Mehr Präsenz soll die Barockfabrik nach Ansicht der Mitglieder des Kulturausschusses auch im öffentlichen Raum zeigen, und zwar durch eine „offene Struktur“. „Wir wollen ein Haus, das eine offene Tür hat und auch öffentliche Veranstaltungen für die Bürger anbietet“, betonte etwa Ursula Epstein für die Fraktion der Linken. Ein Konzept, für das sich auch die Große Koalition in einem Ratsantrag stark machte.

Kulturdezernentin Susanne Schwier indes warnt mit Blick auf das begrenzte Raumangebot vor zu hohen Erwartungen: „Ich würde mir auch ein offenes Haus in der Barockfabrik wünschen, doch das zieht auch Personal nach sich.“ Das Nutzungskonzept müsse eben auch den Rahmenbedingungen des Hauses entsprechen.