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Theaterprojekt „Unter meiner Haut“ in Aachen

Theaterprojekt „Unter meiner Haut“ : Ganz persönliche Geschichten werden sichtbar und hörbar

Ein ungewöhnliches Theaterprojekt feiert Ende November in Aachen Premiere. Menschen mit und ohne Behinderung haben das Stück gemeinsam entwickelt.

Allmählich werden sie alle etwas nervös. Kein Wunder: In gut drei Wochen schon werden sie mit ihrem Theaterabend Weltpremiere feiern. Dabei haben die allermeisten von ihnen noch nie auf der Bühne gestanden. „Unter meiner Haut“ heißt es am Mittwoch und Donnerstag, 28. und 29. November, jeweils um 18 Uhr im Space des Ludwig-Forums, Jülicher Straße.

Gemeinsam entwickelt wurde das Stück mit Sprache, Bewegung und Musik von einer Gruppe, die es in dieser Zusammensetzung erst ein knappes Jahr gibt. Beteiligt sind elf Frauen und Männer, die Jüngste ist 17, die Älteste 79. Einige gehen mit einer Behinderung durchs Leben, andere nicht. Aus ihren ganz persönlichen Wünschen, Träumen und Ängsten, aus Improvisationen und Interviews ist das Stück entstanden.

Der freischaffende Musiker, Schauspieler und Theatermacher Mikel Ulfik (SoSH Theater) und seine Frau, die Theaterpädagogin Tina Kukovic-Ulfik, haben das Projekt ins Leben gerufen und arbeiten seit vielen Monaten mit der Gruppe. Unterstützt wird die ambitionierte Initiative von der Lebenshilfe Aachen und dem Quartiersbüro Panneschopp der Freien Alten- und Nachbarschaftshilfe Aachen (Fauna).

„Wir haben viel improvisiert und uns mit Körper- und Stimmtraining beschäftigt“, erzählt Ulfik. „Und bei allen in der Gruppe ist der Wunsch groß, das, was sie erarbeitet haben, auch auf die Bühne zu bringen. Die Leute wollen von sich erzählen.“ Mutig ist das durchaus. Denn die Inhalte des Stücks sind eng verbunden mit den Lebensgeschichten der Laienschauspieler. Man sehe sich in der Tradition des autobiografischen Theaters, erklärt Mikel Ulfik. Er hat früher in Berlin am Prenzlauer Berg mit dem Theater „RambaZamba“ gearbeitet. Menschen mit und ohne Behinderung stehen dort seit vielen Jahren gemeinsam auf der Bühne. Ulfik ist überzeugt: Jeder hat eine Geschichte zu erzählen. Diese Geschichten sollen sichtbar und hörbar gemacht werden.

Karla Engelhardt, mit 79 Jahren die Seniorin im Ensemble, wird auf der Bühne darüber reden, wie es sich anfühlt, die meiste Lebenszeit, die ihr gegeben ist, bereits hinter sich zu haben. „Ich habe nur noch eine kurze Wegstrecke vor mir, und der Gedanke macht mir Angst“, sagt sie. Christiane Fuhs will über ihre Kindheit und die Beziehungen in der Familie sprechen. Und über ihre Träume.

Eher schwere Kost also? „Das Stück ist nicht traurig“, versichert Andreas Larue, „es ist besinnlich.“ Und lustige Szenen gebe es auch. „Wir haben Einschränkungen“, sagt der Schaupieler, „aber wir können damit leben. Wir müssen nicht besonders behandelt werden.“ Das ist ihm wichtig.

Anja Legewie freut sich darauf, zusammen mit ihrem Freund Michael auf der Bühne zu stehen. Sie als Vogel, er als Regenwurm. Man darf gespannt sein, wie das ausgeht. Maria Barbardad hat jetzt schon ordentlich Lampenfieber. Aber die anderen beruhigen sie. Man sei als Gruppe derart zusammengewachsen, da sei so ein Premierenauftritt doch ein Klacks.

Auf der Bühne zu erleben sind am 28. und 29. November Maria Barbardad, Oliver Dörre, Karla Engelhardt, Christiane Fuhs, Anita John, Tina Kukovic-Ulfik, Andreas Larue, Anja Legewie, Nikola Queins, Michael Schombel und Johanna Steinmetz.

Gerne möchte das kleine Ensemble nach den beiden Aufführungen mit den Zuschauern ins Gespräch kommen. Denn mit Wünschen, Freuden und Ängsten, mit Lachen, Traurigkeit und Ärger kennen sich auch die Gäste im Publikum aus.

Die Gruppe um Mikel und Tina Kukovic-Ulfik kann sich auch gut vorstellen, ihr Stück nach den beiden Terminen im Ludwig-Forum anderswo aufzuführen. „Und wir werden uns für Festivals bewerben“, kündigt Ulfik an. Die Gruppe ist außerdem offen für neue Leute, die Lust auf Begegnung, Improvisation und Theaterarbeit haben.

Kontakt: www.sosh-international.com