Aachen: Theaterpädagogisches Zentrum: „Theater hört nicht auf, wenn der Vorhang fällt“

Aachen: Theaterpädagogisches Zentrum: „Theater hört nicht auf, wenn der Vorhang fällt“

Spielerisch lernen wie Busfahren am besten klappt, auf kreative Weise Selbstbewusstsein trainieren und erste schauspielerische Schritte tun: Dies und noch viel mehr bietet das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) Aachen am Das Da Theater, das 2014 eröffnet wurde.

Und das kommt an. Rekordverdächtige Teilnehmerzahlen und ein stetig wachsendes Kursangebot sind der Beweis dafür: In der Saison 2016/2017 wurden in insgesamt 539 theaterpädagogischen Einzelveranstaltungen rund 7500 Teilnehmer erreichen.

Die Geschichte des Theaterpädagogischen Zentrums ist eine wahre Erfolgsgeschichte. „Wir sind wirklich sehr glücklich und zufrieden“, sagt Tom Hirtz, Leiter des Theaters. Am Anfang habe viel investiert werden müssen, ein unternehmerischen Risiko sei dagewesen. „Wir haben uns schon manchmal gefragt, ob wir das schaffen.“ Während zu Beginn noch ein Untermieter die Räume in der Liebigstraße mitnutzte, besteht heute bei 200 Quadratmetern fast Raumnot: Das TPZ nicht mehr aus der Städteregion wegzudenken.

Unterschiedliche Kurse

Als eines von rund 30 Theaterpädagogischen Zentren in Deutschland werden in der Aachener Einrichtung unterschiedlichste Kurse und Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Künstlerische Potenziale können entwickelt werden, auf verschiedene Art und Weise wird sich mit der eigenen Lebenswirklichkeit auseinandergesetzt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Theater nicht dann aufhört, wenn der Vorhang fällt“, so Hirtz. Zuschauer seien nicht nur passive Empfänger eines Stücks, stattdessen hätten viele ein Interesse daran, auch mal selber auf der Bühne zu stehen. Genau dies bietet das TPZ in Schauspiel- und Improvisationskursen für alle Altersklassen an, außerdem spezielle Kompetenztrainings für Selbstbewusstsein und Selbstbeherrschung.

Für Schüler der dritten und vierten Klasse bietet das TPZ in Kooperation mit der Aseag den Bus-Einsteiger-Workshop an, ein theaterpädagogisches Format zu Einstimmung auf das Busfahren: „Eine Schulstunde lang lernen wir spielerisch, wie es sich am besten in den Bus einsteigen lässt, wenn alle anderen herauswollen oder zum Beispiel, wie man einen guten Stand findet“, erklärt Theaterpädagogin Miriam Peifer. Insgesamt 60 Schulklassen der Städteregion haben im letzten Jahr an dem Workshop teilgenommen.

Ebenso nachgefragt war das soziale Kompetenzzentrum „Fels&Wasser“, mit dem die Theaterpädagogen in 24 Schulen und Kindertagesstätten waren. „Dieses Programm ist sehr stark nachgefragt“, erzählt Hirtz, „weil in der Schule eben nicht mehr nur Lesen und Rechnen gelehrt werden müssen, sondern zunehmend auch soziale Kompetenzen.“

Gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Situation müssten sich viele neue Schüler aus anderen Kulturkreisen zurechtfinden. „Wir fühlen uns da in der Verantwortung, etwas anzubieten“, so Hirtz. Und: „Wir können die Welt nicht retten, aber in dieser Arbeit liegt unsere Kernkompetenz, und wenn wir damit zu einem stärkeren Selbstbewusstsein aller Schüler beitragen, ist das toll.“

Einen Impuls setzen

Generell liege die Aufgabe der Theaterpädagogik darin, den Mut zu haben, mal einen Impuls zu setzen. „Der Bedarf ist da, auch wenn viele ihn nicht auf den ersten Blick sehen“, so der Leiter des Das Da Theaters. Und genau mit diesem Ansatz blickt er auch in die Zukunft: „Unsere Gesellschaft entwickelt sich in rasendem Tempo.

Ich hoffe, dass wir auch in ein paar Jahren noch Ansätze finden und die Menschen mit unserer Arbeit erreichen.“ Sein größter Wunsch sei, in zehn Jahren noch ein umfassendes Angebot und volle Kurse zu habe, sagt Hirtz. Für die nächste Zeit zumindest scheint dieser Wunsch in Erfüllung zu gehen: Fast die Hälfte der Kurse der neuen Saison sind schon ausgebucht. Die Erfolgsgeschichte geht weiter.

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