Aachen: Theater K zeigt Stück mit politischer Dimension

Aachen: Theater K zeigt Stück mit politischer Dimension

„Die Sonne verzog sich angeekelt hinter den Horizont und ich wusste, wie sie sich fühlte“ — Wanze Maldoon klingt, wenn er spricht, wie einer dieser Detektive aus den 70er Jahren, die man sich — auch wenn Wanze im Stück nicht raucht — mit Zigarette in einem ranzigen, düsteren Büro mit heruntergelassenen Jalousie vorstellt.

Ein Detektiv aus den Krimis der 70er, im Stil der 50er Jahre, nur das Wanze nicht in einer Großstadt ermittelt sondern im Garten. Denn wie der Name schon sagt: Er ist ein Krabbeltier. „Ich bin zwar eigentlich ein Käfer“, erläutert er, den Namen Wanze trägt er trotzdem, im Deutschen eine schöne Doppeldeutigkeit.

Das Theaterstück „Die Wanze“, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Paul Shipton, ist ein Renner im Theater K und soll es auch bleiben. In 30 Jahren hat das Theater kein Stück so häufig gespielt. Man könnte von einem zehnjährigen Jubiläum sprechen, denn 2006 wurde das Stück von Annette Schmidt und Anush Manukian erstmals aufgeführt. Die Adaption stammt von den beiden Schauspielerinnen selbst.

In der aktuellen Aufführung gibt es einige Änderungen im Vergleich zu älteren Produktionen. Durch neue Requisiten sind neue Textpassagen entstanden und es gibt eine breite musikalische Untermalung, mit Musik aus der West Side Story oder Thom Paces „Maybe“.

„Die Wanze“ ist Erzähltheater. Barbesitzer und Mistkäfer Dixie (Anush Manukian) und „Schnüffler“ Wanze (Annette Schmidt) erzählen in einer Form von Dialog die Ereignisse im Garten aus den letzten drei Tagen nach.

Dabei geht es um verschwundene Ohrwürmer, um individualistische Ameisen, Wespen und jede Menge anderes Krabbeltier. Das Stück ist für unterschiedliche Altersstufen geeignet, was unter anderem den Reiz ausmacht: „Kinder finden die Kriminalgeschichte sehr spannend“, erläutert Manukian, „Erwachsene erkennen auch die politische Dimension.“

Es geht um totalitären Staaten, Putschisten, Revolutionären und Freiheitskämpfern. Auch eine Liebesgeschichte findet sich in der Bar unter dem Rhababerblatt, wie Dixie seine Bar nennt. Jede der rund 15 Rollen wird von Manukian und Schmidt interpretiert. Von der vielköpfigen Kakerlakengang, über die Ameisenkönigin bis hin zur zuckerabhängigen Stubenfliege Jake, die dauerhaft summt.

Je nach Rolle wechseln die Schauspielerinnen die Stimmlage und den Slang. Laut Schmidt das Stück sei völlig anders als die heutigen Thriller, die in manchen Bereich dem klassischen Kriminalroman den Rang abgelaufen haben. Neu ist auch die Bühne selbst: Das letzte Mal wurde das Stück in der Bastei gespielt, jetzt an der Bar der „Sommerresidenz“ des Theaters K, im Tuchwerk.

Eigentlich erinnert in den alten Industriehallen wenig an einer Garten. Das benötigt das Stück allerdings auch nicht. Wie auch Manukian betont, schafft es „Die Wanze“, in einem Raum, der völlig frei von natürlichem Grün ist, das Gefühl eines Gartens mit lauter krabbelnden Insekten zu erzeugen.

„Die Wanze“ wird am Sonntag, 10. Juli, um 18 Uhr sowie Freitag, 15. Juli und Samstag, 16. Juli um jeweils 20 Uhr im Tuchwerk, Strüverweg 116, aufgeführt. Das Stück ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet.

Tickets gibt es im Kundenservice Medienhaus im Elisenbrunnen am Friedrich-Wilhelm-Platz (montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 14 Uhr) sowie im Verlagsgebäude an der Dresdener Straße (montags bis donnerstags 8 bis 18 Uhr, freitags 8 bis 17 Uhr, samstags 9 bis 14 Uhr).