Aachen: Theater K: Eine Träne bleibt im Knopfloch

Aachen: Theater K: Eine Träne bleibt im Knopfloch

„Zu einem glamourösen Abschiedsfest“ soll sie werden — die letzte Produktion des Theater K in der Bastei. Mit Georges Feydeau’s „Galgenvögel“ feiert das Ensemble seinen Auszug aus dem langjährigen Quartier.

Die turbulente Komödie handelt von einer Chansonette und ihrem Liebhaber, dem eifersüchtigen Ehemann, einem unbekannten Gast unter Mordverdacht — und letztlich der Skandalsucht dieser ganzen Mischpoke. Das Stück „mit leicht wehmütigen Akzenten“, wie Schauspielerin Mona Creutzer beschreibt, passt perfekt zur alten Spielstätte in der Bastei.Zur Geschichte des Hauses als mondäne Nachtbar in der Wirtschaftswunderzeit oder als Striptease-Club.

„Ein Gag jagt den anderen und entlarvt letztlich die Doppelmoral der Bürgerlichkeit“, so Regisseurin Annette Schmidt. Da Feydeau’s Kapriolen ihr aber noch nicht genug waren, hat die Regie noch eins draufgelegt — und zum Beispiel die Rolle des Zimmermädchens mit gleich drei jungen Damen besetzt, die als „melancholische Clowns“, so Creutzer, im ganzen Stück ihr Unwesen treiben.

Wer das Theater K kennt, weiß, dass man sich bei einer solchen Ankündigung auf ein turbulentes Bühnenabenteuer freuen kann. Aber diesmal eben mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn der Mietvertrag des Theaters für die Bastei ist abgelaufen, das Haus wird verkauft, und jetzt heißt es Abschied nehmen.

Es gibt also keinen Skandal, keinen Aufsehen erregenden Grund für den Auszug, sondern einen sehr profanen. Traurig ist es trotzdem. Denn eine öffentliche Nutzung der Bastei wird es aufgrund momentaner Baumängel nicht mehr geben. „Ich finde es für Aachen sehr schade, dass es keine Renovierung gibt, durch die das Haus der Öffentlichkeit erhalten bleibt“, so Creutzer. Denn die Kombination von frei bespielbarem Theaterraum in der oberen Etage und kuschelig-verwinkeltem Foyer Rouge im Erdgeschoss ist in dieser Form einzigartig.

Als das Theater K 1995 an der Kreuzung Krefelder Straße/Monheimsallee einzog, erhielt das Ensemble zunächst einen befristeten Mietvertrag auf drei Jahre. „Wir haben nie das Gefühl von festem Betonboden unter den Füßen gehabt“, so Schmidt. Und auch Schauspieler Jochen Deuticke betont: „Wir sind ja nie das Bastei-Theater gewesen, sondern das Theater K in der Bastei.“

Und so wird’s halt demnächst das Theater K an einem anderen Ort in Aachen geben. Drei Optionen bestehen, eine ist schon ausgeguckt — aber bevor die letzten Verträge nicht unterschrieben sind, bleiben die sonst so eloquenten Lippen des Theater-Teams verschlossen. Bis zur neuen Theatereröffnung im Herbst gibt’s jede Menge andere Gelegenheiten, das Theater K zu sehen — mit den „Spaziergängern“ am Lousberg, als Performance zum Karlsjahr in der Galerie S — oder eben mit dem großen Abschiedsfest in der Bastei. Wobei auch jede Aufführung nahtlos in ein wirkliches Fest im Foyer Rouge übergehen soll. Termine gibt’s übrigens diesmal nur recht wenige — und garantiert keine Wiederaufnahme.

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