Aachen: Theater K: Die große Furcht vor den Maschinen

Aachen: Theater K: Die große Furcht vor den Maschinen

Als die Bürger das Haus von James Cockerill stürmten, hingen die Wolken so tief und finster über der Soers, dass man hätte meinen können, gleich bräche ein gewaltiges Unwetter los. Zerstörerisch wie der Arbeiteraufstand, der das Haus in seine Einzelteile zerlegt.

Doch die Zuschauer fröstelten nicht wegen des Wetters, sondern vielmehr wegen dem, was sich gerade vor ihren Augen abspielte. Zwar blieb es bei den finsteren Wolken, aber besser hätte das Wetter nicht zur Premiere von „Rebellion 1830“ passen können.

2014 hatte das Theater K das Stück, das Regisseurin Mona Creutzer als „Dokumentationstheater“ bezeichnet, erstmals aufgeführt. Es geht um einen Teil der Aachener Geschichte, der zwar dramatisch und tragisch ist, aber in Vergessenheit geriet: den Aufstand der Aachener Arbeiter am 30. August 1830.

Damals versuchte eine große Gruppe Arbeiter zunächst die Tuchfabrik Nellessen zu stürmen — die Reste der Anlage sind das heutige Mörgens — um sich dann dem Haus von James Cockerill zuzuwenden. Sie zerstörten das gesamte Mobiliar und plünderten im Anschluss das Haus.

Dies war nur eine Szene, die das Theater darstellte. Das Stück ist eine Zusammenstellung verschiedener Originaltexte, das meiste stammt aus dem Gerichtsprozess gegen die Aufrührer im Jahr 1931. Creutzer überlegte sich, welche Stellen man darstellen könnte, welche sich zum Lesen und Spielen eigneten und hat ein überaus gutes Händchen gezeigt: „Rebellion 1830“ ist lebendig, mitreißend und informativ.

Der Hof des Tuchwerks in der Soers bietet sich für ein solches Stück geradezu an, verbindet nicht nur historisch betrachtet das Tuchhandwerk in Aachen mit dem Theater, sondern auch in räumlicher Hinsicht. Die alte Industrieanlage, die heute teils zerfallen ist, teils als Industriemuseum dient, untermalt das Stück.

Wenn das zehnköpfige Ensemble zwischen den riesigen Tuchmaschinen in der Maschinenhalle steht, dann wirkt es winzig. Der Zuschauer umgeben von dem Geruch von Schmieröl und Metall kann nachempfinden, wie sich die einfachen Arbeiter zu Zeiten der industriellen Revolution gefühlt haben müssen. Klein, unbedeutend und voller Angst vor diesen gigantischen Metallungeheuern.

Eindrücklich wird dem Publikum geschildert, weshalb die Arbeiter Cockerill als Ziel ihrer Aggression aussuchten. William Cockerill hatte die Erfindung der Textilmaschinen aus Großbritannien nach Kontinentaleuropa gebracht, auch nach Aachen, wo sich sein Sohn, James Cockerill, niederließ.

Auch wenn er nichts mit dem Anlass der Proteste, den gestrichenen Löhnen und den schlechten Arbeits- und Lohnbedingungen in den Textilfabriken zu tun hatte, so waren seine Maschinen Symbolbild für die Probleme der Arbeiter. Denn die dampfgetriebenen Maschinen waren ihre direkte Konkurrenten und ihnen in Schnelligkeit sowie Wirtschaftlichkeit überlegen.

Mit Waffen niedergeschlagen

Schlussendlich wurde der Aufstand durch Aachener Bürger beendet, die zu den Waffen griffen, um die Stadt gegen den wütenden Mob zu verteidigen. Nur einen Tag dauerte der Protest, ist aber Teil einer langen Reihe von Aufständen, die in Frankreich mit der Julirevolution 1830 ihren Anfang nahmen und über Belgien nach Deutschland kamen. Damit dieser Teil der Aachener Geschichte lebendig und erzählt bleibt, möchte das Theater K das Stück ab sofort jedes Jahr am 30. August im Tuchwerk aufführen.

Wer jedoch nicht bis zum nächsten Jahr warten möchte, hat am Freitag um 20 Uhr und am Sonntag um 19 Uhr die Gelegenheit, das Stück zu sehen. Die Karten kosten 18 Euro (13 Euro ermäßigt/6,50 Euro mit dem Aachen Pass). Gespielt wird im Tuchwerk, Strüverweg 116. Reservierungen sind unter Telefon 0241/151155 oder per E-Mail an theater-k@arcor.de möglich.