Aachen: Theater: Gehirnwäsche als legales Mittel gegen Gewalt?

Aachen: Theater: Gehirnwäsche als legales Mittel gegen Gewalt?

Die Theatergruppe „Poetischer Anfall“ zeigt in ihrer 30. Inszenierung den Klassiker „ A Clockwork Orange“ (Uhrwerk Organe) von Stanley Kubrick. Der damalige Zukunftsroman aus den 70er Jahren beschreibt eine Welt, die unserer um einige Jahre voraus ist.

Ein genaues Datum existiert nicht, und genau das macht es für die Regisseure Lea Gensler und Sven Fritzsche so interessant. „Wir feiern dieses Jahr unser 25-jähriges Theaterjubiläum und unsere 30. Inszenierung. Da wollen wir ein besonderes Stück auf die Bühne bringen“, erzählt Gensler.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Jugendliche Alex, der ein normales Leben führt. Normal insofern, als alle Jugendlichen einen ähnlichen Lebensstil haben. Dieser ist geprägt von Gewalt. Die Gesellschaft wird von Jugendgangs beherrscht, die in ihrem eigenen Slang kommunizieren und für die Rücksicht ein Fremdwort ist. Alex, ein Kind aus einer Arbeiterfamilie, schlägt, vergewaltigt und mordet. Doch bei seinem größten Coup wird er erwischt und landet im überfüllten Gefängnis.

Fritzsche beschreibt den gruseligen Plot: „Da man in den vollen Gefängnissen Platz schaffen will, erhalten die Insassen eine Gehirnwäsche, die sie zu besseren und friedvolleren Menschen machen. Wieder in Freiheit ist Alex alleine und wird vom Gangster zum Opfer.“

Die Frage, die sich dem Ensemble während der Proben immer wieder gestellt hat, ist die, in wie weit es vertretbar ist, in die Psyche der Menschen einzugreifen. Hat die Regierung das Recht, angesichts einer Welle von Gewalt zu solchen Mitteln zu greifen? Und ist es legitim, Menschen dahingehend zu manipulieren, dass ihr eigentlicher Wille und ihr eigentliches Verhalten unterdrückt werden?

Dass diese ethischen Fragen nicht ganz einfach zu beantworten sind, wird im Verlauf des Stückes deutlich. „Das Erschreckende ist, dass die Geschichte in unseren Augen gar nicht so weit in der Zukunft lag. Schon heute gibt es bestimmte Viertel, die von Straßengangs beherrscht werden, wenn auch nicht in so einer heftigen Art wie im Roman“, ergänzt Gensler.

Ob Alex am Ende wirklich zu einem „besseren Menschen“ umerzogen worden ist, wird nicht verraten. Was allerdings fest steht: „A Clockwork Orange“ setzt sich mit einer Zukunftsvision auseinander, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt und die herrschenden Normen und ethischen Verhaltensregeln hinterfragt.