Aachen: Theater: Drama ums Geld geht wieder los

Aachen : Theater: Drama ums Geld geht wieder los

Eigentlich sind es im Vergleich zum gesamten städtischen Haushaltsvolumen von knapp einer Milliarde Euro nur Minisummen. Es geht um 400.000 Euro im kommenden Jahr bis hin zu 900.000 Euro in den darauf folgenden zwei Jahren. Doch um dieses Geld wird es in den kommenden Wochen harte Verhandlungen und Diskussionen geben. Auch politisch dürfte das für einen „heißen Herbst“ sorgen.

Schließlich ist die Finanzierung des Stadttheaters seit langen Jahren schon ein ewiger Streitpunkt. Und genau um diese Finanzierung geht es hier.

zonemja1 20.01.2015 PK Umweltzone. Foto: Jaspers

Anlass für die neuerlichen Debatten ist der neue Haushaltsplanentwurf, den Kämmerin Annekathrin Grehling am Mittwoch im Stadtrat vorgelegt hat (siehe auch Artikel unten). Die besagten Summen will die Kämmerin dem Theater, das organisatorisch gesehen ein sogenannter Eigenbetrieb ist, zusätzlich zum bisherigen Zuschuss gewähren. Der Finanzbedarf des Theaters liegt derzeit bei rund 21 Millionen Euro.

Doch das hatte zuletzt nicht gereicht. Der im Frühjahr vorgelegte Wirtschaftsplan 2017/18 wies ein Minus von rund 470.000 Euro aus. Als Hauptursache dafür wurden Personalkostensteigerungen durch Tariferhöhungen angegeben. Gedeckt werden kann das Defizit gerade noch so durch eine Rücklage, die sich Ende 2016 noch auf knapp 660.000 Euro belief. Doch diese Rücklage ist nunmehr fast aufgebraucht. Was die Frage aufwirft: Wo soll das Geld für in den kommenden Jahren weiterhin zu erwartende Defizite nun herkommen?

Da greift jetzt die Kämmerin mit ihrem Vorstoß ein, der so bislang insbesondere im Betriebsausschuss für das Theater überhaupt noch nicht zur Sprache kam. So hört sich die neuerliche Finanzspritze für das Theater zunächst gut an. „Der Eigenbetrieb Stadttheater soll in den kommenden Jahren Planungssicherheit haben“, sagt Grehling denn auch dazu. Das große Aber folgt jedoch auf dem Fuße: „Einen Blankoscheck wird es für das Theater nicht geben“, sagt die Kämmerin klipp und klar.

Will heißen: Grehling will mit dem Eigenbetrieb eine „Zielvereinbarung“ abschließen. In der soll stehen, dass das Theater im Gegenzug einen „Kostendeckungsbeitrag“ hinsichtlich des Gesamtzuschusses liefert. Der soll — in den kommenden Jahren steigend — bei letztlich 18 Prozent liegen. Das wären knapp 3,8 Millionen Euro. Der aktuelle Wirtschaftsplan weist jedoch lediglich geplante Einnahmen in Höhe von 3,1 Millionen Euro aus. Das würde mithin bei weitem nicht reichen. Grehling bemängelt, dass die Einnahmen mit Blick auf andere Theater vergleichsweise gering seien.

Preiserhöhungen und Musicals?

Das Theater selbst hat schon vor einiger Zeit Maßnahmen eingebracht, deren Umsetzung sich allerdings verzögerte. Die Ideen besagen, die Umsatzerlöse durch „Preiskorrekturen im Bereich der Konzertkarten sowie Straffung hausinterner Regelungen zur Ausgabe von Freikarten und Mitarbeiter-Abos zu erhöhen“. Gerechnet wird mit Mehreinnahmen von 100.000 Euro. Was also ebenfalls vorne und hinten nicht reichen würde. Und woher soll das Geld sonst kommen?

Kämmerin Grehling geht davon aus, dass sich der „Kostendeckungsbeitrag“ insbesondere in besagtem Einnahmebereich steigern lässt. Was übersetzt vor allem bedeuten würde: Ticketpreise rauf. So einfach ist das allerdings auch nicht: Die Preise in Aachen sind im Vergleich schon ziemlich hoch. Und es besteht die Gefahr, dass man durch solch eine Maßnahme Teile des Publikums vergrault, was dann im Gegenteil zu weniger Einnahmen führen würde. Denkbar wären natürlich auch zugkräftige „Sonderveranstaltungen“ wie etwa Musicals, die Geld in die Theaterkassen spülen könnten. Aber auch das ist ein umstrittenes Feld.

Fakt ist auch, dass die Kulturpolitiker der Fraktionen sich bislang eher Gedanken über einen an einem Index orientierten, kontinuierlich ansteigenden Zuschuss Gedanken gemacht haben. Dem Vernehmen nach kommt der Vorschlag von Grehling hingegen bei den Finanzpolitikern gut an. Auch da sind Konflikte programmiert. Die Kämmerin erwartet jedenfalls keine einfachen Verhandlungen: „Ich denke schon, dass es da durchaus Zank geben kann.“ Das könnte also einmal mehr ein Drama der anderen Art werden.