Aachen: Theater Brand präsentiert mit „Callboys“ eine turbulente Komödie

Aachen: Theater Brand präsentiert mit „Callboys“ eine turbulente Komödie

„Sex sells“ ist in Hollywood bereits eine Lebensphilosophie; seit Sonntag steht allerdings auch das Ensemble im Theater Brand zu diesem Motto auf der Bühne. In „Callboys — Männer für gewisse Stunden“, geschrieben von Katja Bernhard, erkundet Regisseurin Olga Romanovskaya wie nah Liebe, Sex und Erfolg beieinander liegen.

Wer kennt es nicht: Es ist Monatsende, Rechnung sind offen, und das Geld zum Bezahlen fehlt. In seiner Geldnot trifft Drehbuchautor Rainer, gespielt von Reinhold Meinecke, auf Handwerker Alex, gespielt von Patrick Gier, und Muttersöhnchen Christian, gespielt von Harald Radermacher. Die gemeinsamen Geldsorgen bringen die drei sehr unterschiedlichen Männer auf die Idee, ihre Künste als Liebhaber in bare Münze zu verwandeln. Aus einer Mischung aus Verzweiflung und Neugier entsteht so ihre Agentur „XXL“, in der sie sich für einen gesalzenen Stundenlohn für Frauen zum Vergnügen anbieten.

Das Theater Brand ist dafür eine gute Bühne. Die 99 Plätze schaffen eine Atmosphäre der Intimität, die zum Thema des Stücks passt. Vor allem aber ermöglicht es der kleine Raum auch die skurille Mimik der Männer, die oft für Lacher sorgt, einzufangen. An jedem verbleibenden Wochenende im September öffnet das Theater Brand dafür seine Tore.

Die unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten sind dabei die größte Freude. Rainer versucht trotz der anzüglichen Thematik seinen Anstand zu wahren, während Christian trotz fehlender Erfahrung zum Frauenversteher wird. Macho Alex hingegen, der mit seiner Figur jegliche Klischees eines guten Liebhabers erfüllt, hat zwar „Fingerspitzengefühl“, aber wenig im Kopf. Mit viel Einsatz zeigen die Männer, wie die Anzahl von Sexpartnern und Freizügigkeit einen Charakter definieren.

„Es war uns wichtig, die Zerissenheit, warum Frauen einen Callboy rufen, darzustellen“, erzählt Wilma Gier, Leiterin des Theaters Brand. Um genau dieses Stück inszenieren zu können, fehlten jedoch bis Juni 2016 die männlichen Hauptrollen. Nach langer Suche war es endlich gelungen, drei Männer an Bord zu holen, die „Callboys“ Leben einhauchten. Und das Warten hat sich gelohnt: Das gesamte Ensemble erfreute sich bei der Premiere eines wohlverdienten, tosenden Applauses.

Auf unterhaltsame Art und Weise beobachtet man Rainer, Christian und Alex dabei, wie sie sich fragen, was Frauen wirklich wollen: Guten Sex oder eine Schulter zum Anlehnen? „Fingerspitzengefühl“ oder Manieren? Bei dem gemeinsamen Beantworten stellt sich jedoch heraus, dass das eine das andere nicht ausschließt. Aber das wäre schon fast zu viel verraten.