Aachen: Theater Aachen und die Finanzen: Licht am Ende des Tunnels

Aachen : Theater Aachen und die Finanzen: Licht am Ende des Tunnels

Das große Aufatmen dürfte vorerst ausbleiben — zu eng ist das Kostenkorsett für das Theater Aachen spätestens zum Jahresbeginn geknüpft worden. Aber: Das finanzpolitische Feuer unterm Bühnendach scheint zumindest zum großen Teil gebändigt. Es flackert — um im Bilde zu bleiben — mittlerweile quasi wieder auf dem (üblichen) Niveau namens Sparflamme.

Hinter den Kulissen sind in den vergangenen Wochen etliche dicke Bretter gebohrt worden. Und zwar nicht nur in der hauseigenen Schreinerei, sondern vor allem in den Verwaltungsbüros. Will sagen: Am Donnerstag, 28. Juni, dürfte der Wirtschaftsplan für den größten Bühnenbetrieb der Region nunmehr auch den Segen der Ratsfraktionen im zuständigen Betriebsausschuss erhalten. Jubelarien sind zwar auch dort nicht zu erwarten. Aber: Wenn die Rechnung im Haus hinterm fröhlichen Hengst aufgeht, könnte nach Ablauf der anstehenden Spielzeit wieder ein Plus von immerhin knapp 103.000 Euro in den Büchern der neuen Verwaltungsdirektorin Judith Wollstädter stehen.

Gewichtiges Finanzpaket: Das Theater muss bald mehr Geld zur Konsolidierung stemmen. Dabei helfen auch neue Landesmittel. Brutale Auseinandersetzungen sind allenfalls noch auf der Bühne zu erwarten (unsere Bilder zeigen Szenen aus „Der Reservist“ und „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“). Foto: Manthei

Was auch damit zusammenhängt, dass die jüngst nach heftigen Debatten beschlossene Erhöhung des Eigenbeitrags zur Konsolidierung des Kulturhorts erst in der übernächsten Saison, also ab Mitte 2019, fällig wird. Bereits zum 1. August dieses Jahres werden, wie berichtet, zudem die Ticketpreise um zehn Prozent erhöht, was einer Steigerung der Einnahmen um rund 200.000 Euro entspräche — sofern das Publikum dem Ensemble im bisherigen Maße die Treue hält.

Finanzpaket geschnürt: Das Theater Aachen will in der kommenden Spielzeit sogar wieder eine Rücklage erwirtschaften. Allerdings muss das Haus auch die Erhöhung seines Eigenanteils im Budget schrittweise erhöhen. Unser Bild zeigt eine Szene aus dem aktuellen Stück „Der Reservist“. Foto: Will van Iersel

So gut wie sicher scheint derweil, dass ein weiterer warmer Geldregen aus der Schatulle der NRW-Ministerin und ehemaligen Aachener Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen die brennende Geldnot lindert. Und zwar nicht nur, weil der Landeszuschuss um insgesamt 12.000 auf 738.000 Euro geschraubt wurde. Darüber hinaus wurden weitere vom Ministerium avisierte Zuweisungserhöhungen — im Ganzen 708.000 Euro — eingeplant, berichtet das Theater in seiner Vorlage für den Betriebsausschuss. Damit würden unter der Position „sonstige Erträge“ letztlich knapp 1,3 Millionen in die Kassen fließen — im Ansatz zur laufenden Spielzeit beläuft sich diese Summe auf lediglich etwas über 800.000 Euro. Insgesamt ist bei den Erträgen eine Einnahmensteigerung um gut 421 000 auf gut 3,49 Millionen Euro kalkuliert.

Auf der Soll-Seite schlagen unterdessen natürlich vor allem die Kosten fürs feste Personal ins Kontor. 17,6 Millionen sind allein für Lohn und Gehälter reserviert, eine runde Million mehr als in der laufenden Saison, was zum einen mit der Neubesetzung von zwei Toppositionen — Generalmusikdirektor und Verwaltungsdirektorin — zu erklären ist, zum anderen mit strammen Steigerungsraten bei den jüngsten Tarifabschlüssen. Im Ganzen belaufen sich die voraussichtlichen Ausgaben für Gagen und Gehälter damit auf einen neuen Spitzenwert von rund 19,8 Millionen, während in der Rubrik „Sachaufwand“ insgesamt 5,3 Millionen unterm Strich stehen (plus 13.000 Euro gegenüber der Saison 2017/18).

Fast 22 Millionen von der Stadt

So zeichnet sich trotz steigender Ausgaben — und eben angesichts jüngster Beschlüsse zur Steigerung der Ticketerlöse — immerhin Licht am Ende des Tunnels namens Theaterfinanzierung ab, wie die Vorlage den Politikern jetzt souffliert. Inklusive Berücksichtigung von 2,5 Prozent für zusätzliche Aufwendungen im Zuge der Tarifsteigerungen (die allerdings zuletzt real mit knapp über 3 Prozent zu Buche geschlagen sind) subventioniert die Stadt das Haus in der kommenden Spielzeit mit stolzen 21,967 Millionen Euro — fast 1,14 Millionen mehr als in der Spielzeit zuvor.

Dennoch steht mittelfristig bereits die nächste große Herausforderung an. Vor allem in puncto „technische Instandsetzungen“ zeichnen sich laut Vorlage zusätzliche Belastungen von über 2,5 Millionen Euro ab. Wie diese Kosten gestemmt werden, soll allerdings in Gestalt „gesonderter Gespräche“ geklärt werden.