Theater Aachen: Externer Berater soll ins Boot

Kulturpolitik in Aachen : Externer Berater soll bei Konsolidierung des Theaters soufflieren

Im Ringen um die langfristige wirtschaftliche Konsolidierung des Theaters Aachen will die Verwaltungsspitze der Politik jetzt vorschlagen, einen externen Berater ins Boot zu holen. Allerdings werde der Vorstoß derzeit noch geprüft, erklärte Kulturdezernentin Susanne Schwier.

Denkbar sei, ein Unternehmen zu beauftragen, das maßgeschneiderte Konzepte für neue Abo- und Ticketing-Systeme erarbeite.

Seine jüngste Premiere – diesmal auf dem politischen Parkett – hatte sich Christopher Ward womöglich ein wenig anders vorgestellt. Ganz unabhängig vom denkbar warmen Empfang, den die Vertreter der Ratsfraktionen dem Generalmusikdirektor beim neuerlichen ersten „Gastspiel“ bereiteten.

Zuweilen schaute der frischgebackene Orchesterchef sichtlich irritiert in die illustre Runde namens Betriebsausschuss für Theater und Volkshochschule. Denn im kommunalpolitischen Konzert dominierten einmal mehr vor allem die disharmonischen Töne. Wenn es darum geht, das Haus hinterm fröhlichen Hengst sturmfest zu machen für kommende finanzielle und organisatorische Herausforderungen, bläst so manchem Beteiligten weiter ein ziemlich kalter Wind ins Gesicht. Fast schon ebenso traditionsreich wie der größte Bühnenbetrieb der Region kommen die heftigen Debatten um die wirtschaftliche Zukunft des Theaters daher.

Statisten statt Entscheider?

Vor allem der Verdacht, dass ihnen im vertrackten Drama um die längst beschlossene Zielvereinbarung zur Konsolidierung des Eigenbetriebs Theater kaum mehr als eine Statistenrolle zukomme, sorgte dabei für reichlich Unmut bei den Mandatsträgern im Ausschuss. Quer durch die Parteien wurde kritisiert, dass der Informationsfluss seitens der Verwaltung allerhand zu wünschen übrig lasse. Kulturdezernentin Susanne Schwier leistete Abbitte; allerdings seien die Fraktionsgeschäftsführer bereits vor einigen Tagen ins Bild gesetzt worden.

In der Frage, wie die organisatorischen Prozesse im Abo- und Ticketsystem optimiert werden könnten, könne unter Umständen eine externe Beraterfirma ins Boot geholt werden, erklärte Schwier. Andere Häuser hätten inzwischen von der speziellen Expertise unabhängiger Helfer profitiert, betonte die Dezernentin auf Nachfrage unserer Zeitung. Deren Arbeit könne im Zweifelsfall über eine Beteiligung an somit erwirtschafteten Gewinnen finanziert werden. „Allerdings sind wir mit diesen Überlegungen noch ganz am Anfang“, betonte Schwier. Gegebenenfalls obliege die Entscheidung selbstverständlich dem Rat – und die Politik werde nach wie vor intensiv beteiligt, wenn es um die Realisierung konkreter Maßnahmen gehe.

55.000 Euro fehlen im nächsten Etat

Handlungsbedarf besteht so oder so: Denn im vorläufigen Wirtschaftsplan für die Spielzeit 2019/20 klafft bis dato eine Lücke von rund 55.000 Euro – trotz jüngst erhöhter Landeszuschüsse und trotz der Erhöhung der Ticketpreise um zehn Prozent für die soeben gestartete Saison. Zwar wurde seitens des Theaters unterstrichen, dass man das Defizit mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ausgleichen könne. Dennoch musste der Ausschuss beim entsprechenden Empfehlungsbeschluss für den Rat auf eine Stimme verzichten: Nach wie vor sei die Kontrollfunktion der Politik aus seiner Sicht nicht ausreichend gewährleistet, kritisierte Gunter von Hayn von den Piraten. Und votierte dagegen.

Zumal das nächste finanztechnische Damoklesschwert längst über dem Portal des Kunsthorts schwebt. „Wir werden nicht umhinkommen, auf kurz oder lang erheblich mehr in die Ausstattung zu investieren“, unterstrich Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck. Allein für die – längst überfällige – neue Bestuhlung müsse mittelfristig mindestens eine Million Euro aufgebracht werden. In der nächsten Ausschusssitzung soll das Theater einen detaillierten Bericht über diese und weitere Kosten liefern, die früher oder später fällig werden.

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