Stück feiert Premiere: Theater Aachen bringt Georg Büchners „Lenz“ auf die Bühne

Stück feiert Premiere: Theater Aachen bringt Georg Büchners „Lenz“ auf die Bühne

Wenn ein großer Schriftsteller 50 Jahre nach dem Tod eines andern Schriftstellers dessen Leben niederschreibt, dann ist dies eine besondere Würdigung. Die Lebensgeschichte von Jakob Michael Reinhold Lenz hat Georg Büchner berührt.

Durch seinen Roman erweist er Lenz einen gebührenden Abschied, indem er 1836 die einzigartige Lebensgeschichte eines seelisch kranken Künstlers für die Nachwelt hinterlässt.

Der Regisseur Jakob Arnold hat es sich in den vergangenen Monaten zur Aufgabe gemacht, Büchners Erzählung realitätsnah und packend auf die Bühne des Aachener Theaters zu bringen. Am Donnerstag, 20. September, wird das Stück um 20 Uhr im Mörgenstheater seine Premiere feiern.

Ein kurzer Blick in das Stück: Lenz ist Schriftsteller und ein Mensch der Extreme. Das Talent eines Genies wird ihm heute nachgesagt, doch zeitlebens war er nicht erfolgreich und wurde sogar von Goethe verschmäht. Getrieben von inneren Stimmen irrt er durchs Gebirge und stürzt sich ins eisige Wasser. Wollte er sich töten oder wollte er einfach nur baden, wie er es später dem Pfarrer Oberlin berichtet?

Manie und Depression

Dieser hofft gemeinsam mit dem Philosophen Christoph Kaufmann, Lenz Angstzuständen etwas entgegensetzen zu können. Der Verfall des Sturm- und Drang-Dichters geht mit Manie und Depression im schnellen Wechsel, Wahnvorstellungen und Suizidgefahr einher. Georg Büchner, Schriftsteller und Arzt, diagnostiziert Lenz auf modernste Weise: Es ist das, was wir heute als bipolare Störung bezeichnen. Beklemmend intensiv beschreibt er die Verlorenheit und Einsamkeit eines entwurzelten Menschen und stützt sich dabei auf Quellen von Zeitgenossen des kranken Schriftstellers.

Beklemmend intensiv ist auch Arnolds Inszenierung: „Das zentrale Thema Büchners Erzählung ist die Frage, was es bedeutet, kein inneres Zuhause zu haben“, erklärt Arnold. Es sei eine wahre Herausforderung, Lenz’ Zerrissenheit für den Zuschauer erfahrbar zu machen. Doch er denkt, dass dieses Gefühl in jedem von uns schlummere, so dass wir alle Lenz bis zu einem gewissen Punkt verstehen könnten.

Nur zwei Schauspieler

Er möchte sowohl Lenz und Büchner ehren als auch die Zuschauer für das Verständnis von psychischen Krankheiten sensibilisieren. Den Fokus des Stücks legen Arnold und die Dramaturgin Gesa Lolling auf die tatsächliche Erzählsituation, wie es Büchner selbst tat. Es stehen lediglich zwei Schauspieler auf der Bühne, die sowohl als Erzähler fungieren als auch in die Rollen der verschiedenen Figuren schlüpfen.

Kreativität war besonders beim Kostüm- und Bühnenbildner Christian Blechschmidt gefragt: „Die Schauspieler sollen einerseits zutraulich wirken, andererseits muss man ihnen die plötzlichen Angstzustände anmerken. Einmal müssen sie vertraut, einmal fremd wirken. Das gilt auch für das Bühnenbild.“ Gesa Lolling erklärt, dass Thomas Melles autobiografischer Roman über Bipolarität auf die Entstehung des Stücks einen großen Einfluss hatte.

Die nächsten Termine des Stücks sind am Sonntag, 30. September, sowie am Sonntag, 7. Oktober, jeweils im Mörgens.

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