Aachen: Texte zum Lachen und Jazz zum Genießen

Aachen: Texte zum Lachen und Jazz zum Genießen

Bevor sie „den Ball in die Zukunft rollen lassen“, präsentierten sich die Musiker von „Art‘n Schutz“ noch einmal von ihrer unverwechselbaren Seite. Die neun Musiker des Aachener Labels „Luxaries Records“ gründeten 2004 dieses Ensemble und präsentierten seitdem in ihren traditionellen Neujahrskonzerten Jazz von einer ganz besonderen Sorte.

Direkt zu Beginn wurde ihre Botschaft „Wir gehen in Rente, kommt ihr mit? Solange es überhaupt noch Rente gibt“, in gewohnt humorvoller Art dem Publikum herübergebracht.

Nonsense? Wohl kaum . . .

Gewohnt familiär war wohl auch der Eindruck von der Truppe, als sie die Bühne der Klangbrücke enterte: Vertraute Menschen, die schon beim ersten Ton begeistert klatschten und lachten. Schließlich sind ihre Kompositionen einfach, mit viel (Wort-)Witz und jeder Menge Irrungen. Nonsense? Wohl kaum. Eher ein Zusammenspiel von chaotischen und verworrenen Liedtexten, die dennoch in sich harmonisch sind. „Schnipp Schnapp Schnupfen“ oder der „Tango im Knopfloch“ sind Stücke mit Tradition.

Heribert Leuchter, der einige der Stücke komponiert hat, räumt der als schützenswert geltenden Rede oberste Priorität ein. Entgegen dem Zeitgeist sorgen die „zwischen den Jahren“ kollektiv arrangierten Jazzstücke immer noch für gute Laune. Wer allerdings versucht, in jedem Lied eine präzise Geschichte im klassischen Sinn wiederzuerkennen, der kann dann doch in ein Geflecht aus schrägen Inhalten und schnell wechselnden Klangwellen geraten.

Aber das neue Jahr muss ja auch nicht direkt in vollem Tempo weitergehen, ruhigere Töne sorgen zudem für eine gewisse Gemütlichkeit. „Hermann ist schließlich auch müde“ und muss erst langsam wach werden. Anirahtak, Uli Jend, Heribert Leuchter, Jürgen Sturm, Ludger Singer, Lothar Galle und Hans Günther Eisele wussten genau, wie sie die Zuschauer mitreißen konnten. Da wurden kurzerhand die Noten untereinander getauscht, der verheißungsvolle Froschkönig wird einfach gegen die Wand geschmissen und die Frage, warum Gott das „Schnappeln“ erfunden hat, wurde ausführlich in feinen Jazzklängen „diskutiert“.

Wer sich nun fragt, was „Schnappeln“ überhaupt ist, der wird wohl auf ewig im Dunkeln tappen. Aber bei „Art‘n Schutz“ geht es ja auch nicht um Definitionen und Konventionen, sondern um den Spaß an der Musik. Darum, Jazz in seiner Vielschichtigkeit zu zeigen, die Absurditäten des Alltags in chaotisch, humorvollen und ironischen Kompositionen auf die Schippe zu nehmen und deutlich zu machen: Die freie Rede lebt! Das achte und letzte Neujahrskonzert — ein rundum gelungenes Spiel mit dem Publikum, der Sprache und der Musik.

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