Aachen: Teuflisch gut: Höllenkostüme für 50 Euro

Aachen: Teuflisch gut: Höllenkostüme für 50 Euro

Beinahe bis zum Löhergraben stehen sie und warten, Jung und Alt, Frauen, Männer, Kinder. Samstagnachmittag, kurz vor 14 Uhr: In ein paar Minuten öffnet das Mörgens-Theater seine Türen, der Kostümfundus wurde ausgemistet, Prinzessin, Hase, Hexe und viele weitere Kostüme stehen zum Verkauf.

Mitten in der Schlange steht Gloria Jansen aus Belgien, sie arbeitet als Fotografin mit dem Schwerpunkt inszenierte Fotografie. „Da brauche ich viele Kostüme und die müssen so original wie möglich sein — daher sind Kostüme aus dem Theater super.“ Seit anderthalb Stunden steht sie bei bestem Wetter in der Mörgensstraße und wartet auf den Einlass. Ein bisschen weiter vorne steht Jutta Schaale aus Hückelhoven — sie war noch zwei Stunden früher da. „Ich suche etwas kreatives, ausgefallenes, was man selber nicht so leicht machen kann“, sagt sie.

Ein Motiv fürs Album oder Facebook? Veronika Staudacher hat eine blaue außergewöhnliche Kopfbedeckung anprobiert — und gekauft? Foto: Andreas Schmitter

Bereits zum dritten Mal

Schöne Grüße Richtung Karneval in Venedig: Der nächste Maskenball kann kommen. Foto: Andreas Schmitter

Bereits zum dritten Mal findet der Kostümverkauf im Mörgens-Theater statt, dieses Mal stehen rund 2000 Kostüme zum Verkauf. „Es sind ganz viele tolle Sachen dabei“, sagt Pressesprecherin Ursula Scheelhaas, zum Beispiel ständen alle Ballettkostüme zum Verkauf, die komplette Ballettabteilung des Theaters wurde aufgelöst. Daneben sind es Kleidungsstücke aller Art und von den unterschiedlichsten Bühnenstücken: Ein Paillettenkleid, das 30 Kilo wiegt, ist beispielsweise dabei, ebenso Dirndl, Tierkostüme, Anzüge, Perücken, Masken und auch ein brauner Maulwurfshügel, der verdächtig nach etwas anderem aussieht. Eine gute Möglichkeit also, sich für Mottopartys, Halloween oder die nächste Karnevalssession auszustatten.

Verkauft werden alle Kostüme, von denen Renate Schwietert, Leiterin der Kostümabteilung, und ihr Team meinen, dass sie nicht mehr gebraucht werden. „Es sind Kostüme von der letzten Spielzeit dabei, zum Beispiel von der Schneekönigin, aber auch manche Kostüme, die garantiert älter sind als 35 Jahre“, sagt Schwietert. Im Laufe der Jahre habe sich die Ästhetik stark verändert — manche Kostüme müssten nun ohnehin neu gemacht werden, weil die alten nicht mehr zeitgemäß seien.

Die Preise für die Kleider, Hosen, Röcke, Jacken, Masken und Hüte liegen zwischen einem und 50 Euro, nur ganz exquisite Kostüme übersteigen diesen Preis. Ein Lieblingskostüm hat die Kostümchefin nicht, dafür gibt es zu viele und vor allem zu viele Erinnerungen. An den Ballettkostümen aber hängt sie schon ein bisschen — „von denen fällt es mir schwer mich zu trennen“, gibt sie zu, aber der Platz werde nun einmal gebraucht für neue Kostüme.

„Im Idealfall hängt um 18 Uhr kein Kostüm mehr an den Ständern“, so Pressesprecherin Scheelhaas. Das scheint nicht ganz unmöglich: Aufgestellt sind die rund 30 Garderobenständer mit jeweils etwa 70 Kostümen im Innenhof und im Theater selbst. Die Menschen, die es mittlerweile in das Theater geschafft haben, stehen nun vor den Ständern an. Vor der Tür wurde der Einlass gestoppt, geschätzt 1000 Menschen sind im Theater, rund 400 Leute stehen um 14.30 Uhr immer noch auf der Straße. „Hier geht es zu wie beim Sommerschlussverkauf“, sagt die Kostümverantwortliche Schwietert, die alle Hände voll zu tun hat. „Hoffentlich entspannt sich das gleich etwas, denn es ist so viel da, eigentlich ist für Jeden etwas dabei.“

Jutta Schaale aus Hückelhoven hat es geschafft, sie ist mittendrin in der Menschenmasse — und war schon erfolgreich. Mit einem Teufelskostüm in der Hand strahlt sie über das ganze Gesicht: „Dieses Kostüm ist einfach toll, das Material ist etwas ganz besonderes, so etwas könnte man selber gar nicht machen.“ 50 Euro kostet sie der Teufel, aber „dafür hätte ich nicht mal Stoff kaufen können und erst recht nicht die tollen Materialien die hier verwendet wurden.“ Außerdem müsse man die Arbeitszeit bedenken, die darin steckt und die Qualität — auf der Bühne muss so ein Kostüm schließlich viel aushalten, von Schweiß bis „Rumgezerre am Stoff.“ Sie gebe die 50 Euro wirklich gerne aus, weil „das hier ist alles andere als ‚Made in China’“. Mit dem Kostüm in der Hand geht sie weiter zum nächsten Ständer — „man kann gar nicht aufhören, so toll sind die Sachen“.

„Die Leute müssen Zeit mitbringen“, sagt Scheelhaas, das sei auch die letzten Male schon so gewesen. Aber dafür würden sie auch mit wirklich tollen Kostümen „belohnt“, und „zum Glück spielt ja auch das Wetter mit“. Für Jutta Schaale haben sich die dreieinhalb Stunden Wartezeit und die Anfahrt aus Hückelhoven auf jeden Fall gelohnt: Sie ist glücklich mit ihrem Kostüm und wird in der kommenden Karnevals-Saison als Teufel unterwegs sein.