Aachen: Tennis Blau-Weiss Aachen: Training mit Chance auf Panoramablick

Aachen: Tennis Blau-Weiss Aachen: Training mit Chance auf Panoramablick

Man mag drüber lächeln, aber die Frage war bezeichnend. Ob man denn die Etage mieten könne, wurde Michael Nobis gefragt, als der Neubau am Luxemburger Ring 62 fast fertig war. Konnte man natürlich nicht, und kann man auch künftig nicht.

Der TK Blau-Weiss Aachen braucht die nachgefragte Immobilie — ein echtes Schmuckstück — natürlich für seine Vereinszwecke. Welche das hier genau sind, folgt später. In jedem Fall kann man das Interesse am neuen Klubhaus verstehen, denn auch der 1. Vorsitzende Michael Nobis macht erst gar keinen Versuch, seine Begeisterung über das neue Klubhaus verbergen.

Der Umbau, der einem Neubau sehr nahe kommt, war ein gewaltiger Kraftakt für den Klub, ist aber zugleich ein Symbol für den Erfolgskurs des Tennisvereins. Es gibt gleich mehrere Indizien für ein gesundes Wachstum der Blau-Weißen.

Dass an dem Verein, einem der jüngsten in Aachen, der allgemeine Knick nach dem Karriereende von Boris Becker und Steffi Graf vorübergegangen ist, wertet der 1. Vorsitzende als ein solches Indiz. Rund 700 Mitglieder stehen in den Mitgliederlisten, 400 zählen sich zu den Erwachsenen, 200 zum Kinder- und Jugendbereich, 100 sind einfach nur so Mitglied, aber nicht weniger gerne gesehen. Die Fluktuation liegt stabil bei rund zehn Prozent, Ab- und Zugänge halten sich die Waage.

Auf ein ausgeglichenes Verhältnis müssen vor allem die Sportvorstände Marc Zander und Michael Kusen achten. „Wer Leistung zeigt, der soll bei uns auch eine Perspektive haben. Andererseits sollen unsere Mitglieder aber auch im Breitensegment mit Freude Tennis spielen“, beschreibt der Geschäftsführer, Prof. Dr. Herbert Robens, die doppelte Herausforderung, der man gerecht werden will. Er hat in diesem Jahr den Vorsitz an Michael Nobis weitergegeben.

Gerade der enorme sportliche Erfolg der Damen- und Herrenteams — sportlich haben die Herren 1 den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft — erfordert das ständige Austarieren der Eigenansprüche zwischen Leistungs- und Breitensport. „Alle Altersklassen und Spielstärken sollen eine Heimat in einer Mannschaft finden“, unterstreicht Sabine Hagelskamp, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Natürlich werde auf allen Ebenen um Punkte gekämpft, doch dürfe dies in keinem Fall zu Lasten des Zusammengehörigkeitsgefühls gehen. Denn Teamgeist und Spaß am Sport stehen ganz oben im Selbstverständnis des Klubs.

Und das fängt bei den Kleinen an, für die es neben dem Klubheim einen Event-Court mit einer Slack-line für sportliche Balanceübungen gibt. Auf Mannschaftsdenken legt vor allem Marc Zander, trotz seiner jungen Jahre so etwas wie ein Vater des sportlichen Erfolgs, ganz viel Wert: „Auch wenn Tennis eine Einzelsportart ist, sollen die Kinder bei uns den Teamgedanken lernen. Auch dies trainieren wir bewusst in den U11-Teams.“

Hier kooperiert Zander mit dem neuen Cheftrainer Alexander Jakubec, der auch Cheftrainerausbilder im Verband Mittelrhein und Mitglied im Lehrteam des Deutschen Tennisbundes ist. „Er hat das Gesamttraining im Klub systematisiert und so etwas wie eine durchgängige Philosophie fürs Training geschaffen“, ist Michael Nobis von dem Coach überzeugt.

Trotz des intensiven Trainingsangebotes, der Möglichkeit verschiedener Trainingscamps auf der eigenen Anlage oder auch in der Türkei versteht sich Blau-Weiss als echter Öcher Familienverein.

Das zeigte sich beim Umbau des Klubhauses, als viele mit angepackt haben, genauso wie bei den vielen gesellschaftlichen Treffen übers ganze Jahr hinweg, bei den Open-Air-Kinoabenden, dem Kochen für Kinder, dem Familien-Cup, der Kinder-Disko oder auch bei den spontanen Treffen im neuen klubeigenen Gastronomiebereich. Einen Hauptamtlichen sucht man im Klub vergebens, die Arbeiten ruhen auf den Schultern der Ehrenamtler.

Eine ganz neue Facette bietet der Multifunktionsraum. Dessen Programm gestaltet Vorstandsmitglied Juliane Pitow. Auf 130 Quadratmetern werden qualifizierte Fitnesskurse angeboten, zum Beispiel Yoga, HipHop für Kinder, Ganzkörpertraining oder auch TRX, ein Balance-Krafttraining. Und das alles bei einem tollen Blick über die Tennisplätze ins satte Grün des Südviertels.

Den erlauben die riesigen Panoramafenster des Raumes, der eher eine kleine Halle ist. Genau dies muss wohl im Gespräch mit Michael Nobis jener Interessent entdeckt haben, der sich Hoffnung auf eine Wohnung mit Panoramablick gemacht hatte. Ihm zum Trost: Exklusiv ist der Blick mitnichten, allerdings in erster Linie den Mitgliedern und Interessenten des TK Blau-Weiss Aachen vorbehalten.