Aachen: Templergraben: „Shared Space“ beerdigt

Aachen: Templergraben: „Shared Space“ beerdigt

Am Templergraben wird es keinen „Shared Space“ mit einem gleichberechtigten Verkehrsraum für Autos, Radler und Autofahrer mit verordneter Schrittgeschwindigkeit geben. Dies hat Planungsdezernentin Gisela Nacken am Donnerstag bei einem Ortstermin auf der Straßenbaustelle vor Mitgliedern des Mobilitätsausschusses bestätigt. Der Begriff „Shared Space“ falle komplett weg, erklärte sie.

Dafür nannte Nacken zwei Gründe, die Kritiker des Verkehrsexperimentes allerdings schon vor Jahren angeführt haben: Erstens bestehen erhebliche verkehrsrechtliche Bedenken, da der „Shared Space“ — im Unterschied zu verkehrsberuhigten Bereichen und Spielstraßen — in der deutschen Straßenverkehrsordnung gar nicht existiert. Demnach liegen auch keine verbindlichen Regeln vor, die bei einem Unfall die Schuldfrage beantworten könnten. So wurde ein „Shared Space“ in der Stadt Duisburg sogar vor Gericht einkassiert. „Die Bezirksregierung hat uns deswegen geraten, auf den Namen Shared Space zu verzichten“, sagte Nacken. Daran will sich die Stadt nun halten, weil — zweitens — sonst auch der Verlust von Fördermitteln in Millionenhöhe droht. 3,5 Millionen Euro kostet der Komplettumbau inklusive Kanalsanierung. Auch diese Warnung der Aufsichtsbehörde hat die Aachener Planer zum Umdenken veranlasst.

Planungsdezernentin Nacken betonte dennoch, dass die politischen Beschlüsse zum Umbau des Templergrabens vor RWTH-Hauptgebäude und Super C genauso präzise umgesetzt würden. Sie räumte allerdings ein, dass man wohl nur außerhalb der Fahrbahn von Schrittgeschwindigkeit sprechen kann — nämlich für die dort laufenden Fußgänger. Für Autofahrer auf der etwas schmaleren Fahrbahn, die durch helle Granitbordsteine abgegrenzt wird, gilt: 50 Stundenkilometer sind erlaubt. „Wenn viele Studierende die Straße queren, werden die Autos automatisch langsamer fahren“, sagte Regina Poth, die Leiterin der Abteilung Straßenbau der Stadt Aachen.

Fakt ist: Der Templergraben bleibt verkehrsrechtlich eine normale Straße, auch wenn der Boden statt aus Asphalt aus Granitpflaster besteht. Verkehrsrechtlich ändert sich nach dem Umbau des Templergrabens, der bis Ende September fertiggestellt sein soll, erstmal gar nichts. Weil allerdings auch Bürgersteige und anliegende Areale auf gleichem Niveau gepflastert werden, entsteht insgesamt der Eindruck eines riesigen, durchaus hochwertigen Platzes. „Genau dies war ja der Kerngedanke“, erklärte Nacken. Und Poth erläuterte, die Politik könne künftig ja trotzdem noch Tempolimits beschließen — oder sogar eine Fußgängerzone. Weitere Umbauten wären dann nicht mehr nötig.

Nur vom „Shared Space“ haben sich Stadt und Politik am Donnerstag endgültig verabschiedet. Der Ausschuss nahm‘s hin.

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