Aachen: Techno-Festival lässt Häuser in Vaalserquartier zittern

Aachen: Techno-Festival lässt Häuser in Vaalserquartier zittern

„Ich konnte nur wenig schlafen, es war anstrengend“, sagt Nico Baggen am Montag. Er ist nicht der einzige. Am vergangenen Wochenende hat der Veranstalter des Techno-Festivals „321“ an zwei Tagen insgesamt knapp 6000 Partygäste auf dem Dreiländerpunkt bespaßt — zum Leidwesen vieler Nachbarn.

„Unser Haus ist erzittert, so laut waren die Bässe der Musik“, ärgert sich Dieter Krause. Er wohnt in Vaalserquartier, mehrere Kilometer vom Festivalgelände entfernt. „Am Samstag bis Mitternacht Krach, Sonntag bis 23 Uhr: Das ist nicht zumutbar!“, sagt er. Reihenweise gingen in Aachen Beschwerdeanrufe bei Polizei und Ordnungsamt ein. Allerdings: Die deutschen Behörden erklärten sich „nicht zuständig“.

Katerstimmung: Nach dem „321-Festival“ müssen riesige Schlamm- und Rasenflächen von Müll befreit werden. Foto: Ralf Roeger

Denn das Partygelände auf dem 323 Meter hohen Dreiländerpunkt liegt auf niederländischem Staatsgebiet. Es fällt in den Verantwortungsbereich der Gemeinde Vaals. „Wir haben strenge Auflagen gemacht und diese vor Ort überwacht“, erklärt Bürgermeister Reg van Loo auf AZ-Anfrage. Alle Lautstärkewerte seien innerhalb des Toleranzbereiches geblieben. Im Vorfeld habe man sogar Fachleute konsultiert, um Folgen für das umliegende Waldgebiet und die dort lebenden Tiere abschätzen zu können.

„Man hat uns gesagt, dass die Lautstärkebelastungen für die Tierwelt nicht höher sind als bei einem heftigen Regenschauer“, sagt van Loo. Am Wochenende gab‘s beides: wummernde Techno-Bässe und prasselnden Regen. Die Beschwerden von deutschen Anwohnern nimmt der Vaalser Bürgermeister gleichwohl ernst. Er weist aber auch darauf hin, dass es sich nur um zwei Tage im Jahr handele, an denen man jungen Leuten dieses spezielle Spektakel an der Grenze ermögliche — und bittet deswegen um Toleranz und Nachsicht.

Veranstalter Baggen zeigt sich selbstkritisch: „Es tut uns wirklich total Leid, wenn Nachbarn auf deutscher Seite durch uns in ihrer Nachtruhe gestört wurden“, sagt er. „Wir haben dieses Jahr erstmals eine dritte Bühne auf dem Gelände bespielt. Möglicherweise hat der Wind den Schall Richtung Deutschland transportiert“, erklärt Baggen. Ab 21 Uhr habe man die Lautstärke ohnehin drosseln müssen.

Dies sei eine der Auflagen der Gemeinde Vaals zur Genehmigung der Open-Air-Techno-Party gewesen. Wenn das „321“-Festival („drei Länder, zwei Tage, eine Liebe...“) im kommenden Jahr erneut über die Bühne gehe, werde man die Abstrahlwinkel der Lautsprechertürme so korrigieren, dass Nachbarn nicht mehr belästigt würden, kündigt der Veranstalter an. Van Loo betont, dass es für 2014 noch keine Genehmigung für eine dritte Auflage des „321“-Festivals gebe.

Die Partymacher haben derzeit noch ganz andere Sorgen. Einige Bereiche am Dreiländerpunkt gleichen einer verschlammten Müllkippe. „Ja, es ist Chaos. Das schlechte Wetter, der viele Regen — die Aufräumarbeiten werden noch Tage dauern“, räumt Baggen ein. Er hofft, dass die Spuren bis Mittwoch beseitigt werden können. „So ist das mit der Stadt abgesprochen.“

Am Montag transportierten schwere Lkw, die nur über eigens verlegte Stahlplatten über den schlammigen Boden rollen konnten, kilometerlange Zäune, hunderte Toiletten und die tonnenschweren Bühnenkonstruktionen ab. Auf diesen — und neben bis zu zwölf Meter hohen Projektionsflächen — hatten über 40 Discjockeys 23 Stunden lang einen Techno-Song nach dem anderen gespielt.

Das Festival selbst wertet der Organisator als Erfolg. „Ich hätte mir nur noch mehr deutsche Gäste gewünscht, damit der trinationale Charakter in den Vordergrund tritt“, sagt Baggen. Er will im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder antreten — auf einem Gelände am Dreiländerpunkt, das mehrere Fußballfelder groß ist. Und von wo Schallwellen, aufgrund der erhöhten Lage, über übliche Grenzen hinaus durch die Luft jagen. Bürgermeister van Loo: „Ob dies der richtige Ort für dieses Festival ist, kann man sicherlich diskutieren.“

Nicht nur die Niederländer können über diese Entscheidung jetzt erstmal eine Nacht schlafen.

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