Aachen: Taxifahrer werfen Stadt „unverschämte Frechheit“ vor

Aachen: Taxifahrer werfen Stadt „unverschämte Frechheit“ vor

Von einer „unverschämten Frechheit“ spricht Christoph Radermacher. Der Vorsitzende der Aachener Autodroschkenvereinigung (AAV) ist stinksauer. Monatelang warten er und hunderte Taxifahrer in der Städteregion Aachen auf die in anderen Städten längst umgesetzte Fahrtariferhöhung.

„Was sich die Verwaltung hier erlaubt, ist mehr als ärgerlich — es ist existenzgefährdend“, klagt Radermacher. Seit Januar gilt nämlich auch für Droschkenchauffeure der — für sie höhere — Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

„Ohne Tariferhöhung ist das überhaupt nicht zu finanzieren“, sagt Radermacher. Statt bislang 3 Euro Grundgebühr in Aachen wären künftig nach dem Vorschlag der Aachener Funkzentralen AAV und Alfa 3,80 Euro fällig. Pro Kilometer sollen nicht mehr 1,60 Euro, sondern 1,90 bis 2 Euro berechnet werden — rund 25 Prozent mehr als derzeit.

Bloß: Städteregionstag und Aachener Stadtrat müssen die Tariferhöhung — einheitlich für alle — absegnen. Dies könnte nach derzeitiger Planung frühestens Ende April auf den Tagesordnungen stehen. Bis der Tarifaufschlag dann tatsächlich mehr Geld in die Geldbörsen der Taxifahrer spült, würde weitere Zeit verstreichen.

„Ich rechne mittlerweile frühestens im Sommer mit der Tariferhöhung in Aachen“, sagt Radermacher. „Bis dahin wird es sicher etliche Entlassungen geben, weil Taxiunternehmer ihre Mitarbeiter nicht mehr gemäß der gesetzlichen Vorgaben bezahlen können“, fürchtet der AAV-Chef. Und fügt enttäuscht hinzu: „Wenn die Aseag ihre Fahrpreise erhöhen will, geht in Verwaltung und Politik alles ruckzuck über die Bühne. Aber wir Taxifahrer werden in die Warteschleife geschickt.“

Die Stadt Aachen weist die Vorwürfe zurück. Sie begründet die lange Bearbeitungsdauer damit, dass sich die drei größten Funkzentralen aus dem Stadt- und ehemaligen Kreisgebiet nicht auf eine für alle einheitlich gültige Tarifstruktur einigen konnten. „Die Antragsteller wurden kontaktiert und um Einigung auf einen einheitlichen Preis gebeten“, teilt das Aachener Presseamt mit. Und weiter: „Bis heute stehen Antworten aus.“

Dem Vernehmen nach bevorzugen ländliche Taxiunternehmer günstigere Kilometerpreise als die Kollegen aus der Stadt — was außerhalb der Ballungsgebiete offenbar vor allem mit den im Durchschnitt längeren Fahrstrecken zusammenhängt. Diese würden für „Land-Kunden“ unverhältnismäßig verteuert. Das Problem: Zwei unterschiedliche Tarife für ein gemeinsames sogenanntes „Pflichtfahrgebiet“ der Städteregion Aachen seien rechtlich unzulässig, erklärt das Presseamt in seiner Stellungnahme.

Darin heißt es zudem: „Da eine Einigung der drei Verbände beziehungsweise Unternehmen auf einen einheitlichen Preis bis heute nicht erfolgte, haben wir einen Kompromissvorschlag entwickelt, der ungefähr in der Mitte liegt. Das Anhörungsverfahren wird nächste Woche durchgeführt.“ Und dieses kann ebenfalls dauern: Pflichtgemäß angehört werden müssen die „Träger öffentlicher Belange“ — also zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Bezirksregierung.

Radermacher widerspricht der Darstellung der Stadtverwaltung: Die Aachener Funkzentralen AAV und Alfa hätten längst ein gemeinsames Angebot vorgelegt, betont er. Seitdem herrsche Stillstand. Der AAV-Chef vermutet, dass die aus seiner Sicht überfällige Tariferhöhung gerade zwischen den Zuständigkeitsbereichen von Stadt Aachen und Städteregion Aachen „zerrieben“ wird. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass wir Taxifahrer dafür bezahlen müssen“, kritisiert er. Zumal die Branche seit Jahren unter Umsatzeinbußen leide.