Aachen: Tauziehen um Schulstandorte geht weiter

Aachen : Tauziehen um Schulstandorte geht weiter

Quo vadis, David-Hansemann-Schule, quo vadis, vierte Gesamtschule? Wer durchschlägt den Knoten im heftig brodelnden Konflikt rund um Standorte und Standortwechsel an der Sandkaulstraße?

Dienstagnachmittag sind im Bürgerforum zumindest gedanklich noch einmal die Rechenschieber ausgepackt worden; da wurden Schnitt- und Teilmengen ermittelt, Raumkapazitäten addiert und substrahiert — mit vier verschiedenen Ergebnissen.

Und es wurde diskutiert: sehr sachlich diesmal, ohne platte Polemik, aber höchst engagiert tauschten Elternvertreter und Pädagogen beider Seiten ihre Argumente noch einmal eine gute Stunde lang aus. Allein: Eine wirkliche Lösung zeichnete sich abseits aller Arithmetik auch wenige Tage vor der entscheidenden Ratssitzung nicht ab.

Brandbrief an den OB

Dennoch hatte zumindest die Fachverwaltung ihre Hausaufgaben durchaus gemacht. Schuldezernentin Susanne Schwier stellte drei neue Varianten vor, die auf eine mehr oder weniger intensive gemeinsame Nutzung der bestehenden Räumlichkeiten Sandkaulstraße Nummer 12 (David-Hansemann-Schule) und Nummer 75 (Gesamtschule) abzielten.

Gesamtschulleiter Hanno Bennemann trat am Dienstag im AZ-Gespräch allerdings quasi die Flucht nach vorn an. Er ließ keinen Zweifel daran, dass es aus seiner Sicht keine Alternative zur vierten Alternative gibt, die nach wie vor ebenso heiß diskutiert wird: „Der Umzug der Hansemann-Schule in das Gebäude an der Eintracht-straße ist die einzig vertretbare Lösung. Alle anderen Optionen ergeben einfach keinen Sinn, wenn wir an unserem pädagogischen Inklusionskonzept festhalten wollen.“ Und: „Individuelles Lernen ist bei uns ein ganz wichtiger Aspekt, deswegen müssen viele Schüler ständig viele Wege gehen.“

Die aber dürften nicht zu weit und vor allem nicht gefährlich sein: „Solange ich die Verantwortung für diese Schule habe, lasse ich unter keinen Umständen zu, dass dieses Konzept einfach über den Haufen geworfen wird!“ Auch in einem ausführlichen Brandbrief an Oberbürgermeister Marcel Philipp, der sich jüngst gegen einen Umzug Richtung Ostviertel ausgesprochen hatte, hat die Schulgemeinde dies am Dienstag noch einmal bekräftigt, nachdem die besagten Varianten bereits am Montag bei einer Versammlung im Verwaltungsgebäude Mozartstraße präsentiert worden waren.

Die lassen sich in Kürze wie folgt skizzieren: Variante A sieht eine gemeinsame Nutzung beider Standorte vor; die Gesamtschüler würden den noch bestehenden Pavillon im Haus Nummer 75 weiter in Beschlag nehmen. In Variante B würde die Gesamtschule komplett im heutigen Objekt der Realschule untergebracht, die würde in den Pavillon einziehen; Fachräume wie Physik- oder Chemiesäle würden gemeinsam genutzt. Eine komplette gemeinsame Unterbringung wird in Variante C vorgeschlagen; entsprechend flexible Konzepte müssten her.

Einmal mehr freilich legten die Befürworter des Umzugs zur Eintrachtstraße ihre Befürchtungen dar, dass insbesondere den rund 40 gehandicapten Pennälern der Gesamtschule ein permanentes Pendeln schon aus Gründen der Sicherheit nicht zumutbar sei — während die Gegner betonten, dass sie stets Kompromissbereitschaft gezeigt hätten und ein Verbleib der letzten Jahrgänge im Herzen der Stadt stets in Aussicht gestellt worden sei.

Fazit: Die Politiker müssen in jedem Fall nachsitzen, um eine Lösung herbeizuführen — wie auch immer. Am 5. Mai tagt deshalb der Schulausschuss in einer Sondersitzung (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße). Am 7. Mai müssen die Würfel im Stadtrat fallen.

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