Aachen: Tausende geprüft, acht Drogensünder erwischt

Aachen: Tausende geprüft, acht Drogensünder erwischt

Nicht jeder staugeplagte Autofahrer hatte Verständnis dafür, dass die Polizei am Donnerstagnachmittag eine interne Schulungsmaßnahme auf die Krefelder Straße verlegt hat. Dort sollten 30 Beamte lernen, wie man am besten Alkohol- und Drogenkonsumenten am Steuer erkennt — und per Schnelltest überführt. Beschwerden über die daraus resultierenden Staus hat der Leiter der Verkehrsdirektion, Bernd Kleefisch, am Freitag zurückgewiesen.

„Es handelte sich nur um einige Minuten Verzögerung für die Verkehrsteilnehmer“, sagte er. „Sobald der Rückstau zu lang wurde, haben wir die Spuren wieder frei gemacht, so dass der Verkehr abfließen konnte.“

Das Ergebnis der Kontrollaktion wertet Kleefisch als Erfolg. Tausende Autofahrer habe man in zweieinhalb Stunden unter die Lupe genommen und dabei immerhin acht Personen erwischt, die offenbar unter Drogeneinfluss am Lenkrad saßen. „Damit wir vor Ort einen Urintest durchführen konnten, haben wir auf dem Parkplatz der Eissporthalle eine mobile Toilette aufstellen lassen“, schilderte Kleefisch. Nachdem der Test bei den acht auffälligen Fahrern — meist wegen Cannabis und dem Wirkstoff THC — positiv war, wurden diese zur Blutprobe ins Polizeipräsidium transportiert. Da die Schnelltests eine Treffsicherheit von über 90 Prozent haben, müssen die Drogensünder demnächst mit unangenehmer Post rechnen. Denn neben dem Ordnungswidrigkeitsverfahren — Fahren unter Drogeneinwirkung — droht auch der Verlust des Führerscheins.

„Meist wird die Fahrerlaubnis dann direkt eingezogen und eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung, im Volksmund Idiotentest, angeordnet“, erklärte der Leiter der Verkehrsdirektion. Das Verfahren kostet in der Regel rund 2000 Euro. „Dabei muss der Betroffene nachweisen, dass er wirklich zum Führen eines Fahrzeuges geeignet ist.“ Und dies falle Drogensündern in der Regel nicht leicht, hieß es.

Die Kontrollaktion, bei der die Autofahrer von der mehrspurigen Fahrbahn in einen „Trichter“ geführt wurden und in Schrittgeschwindigkeit an den Beamten vorbeirollten, sei der praktische Teil einer Schulungsmaßnahme gewesen. „Am Vormittag hatte uns ein Experte vom Landesamt für Aus- und Fortbildung über die neuesten Erkenntnisse bei der Bekämpfung von Alkohol- und Drogenmissbrauch aufgeklärt“, sagte Kleefisch.

Nachmittags sollte das Erlernte dann in der Praxis umgesetzt werden — vor allem im Hinblick auf das „Herausfischen“ verdächtiger Fahrer. „Nach diesem Raster fällt etwa der Familienvater, der mit seinen Kindern unterwegs ist, eher heraus.“ Welche Fahrertypen hingegen als grundsätzlich verdächtig gelten, will die Polizei freilich nicht preisgeben. Grundsätzlich gelte aber, dass die Aachener Polizei künftig noch intensiver nach Drogen- und Alkoholsündern Ausschau halte. „Das ist unsere erklärte Strategie“, betonte Kleefisch.

Er schätzt, dass ein Fünftel der tödlichen Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss geschehen. „Manch einer bringt sich morgens mit Speed auf Touren, überschätzt sich im Verkehr, kann Gefahren nicht mehr richtig einschätzen — und muss sich abends wieder mit Haschisch runterbringen, um zur Ruhe zu kommen, was genauso gefährlich ist“, erklärte der Polizist. „Unter Drogen werden die Leute unberechenbar.“ Die Folge seien oft besonders schwere Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit.

Aktuelle Studien schreiben Alkoholsündern europaweit bereits 25 Prozent der tödlichen Unfälle zu. Wobei das generelle Unfallrisiko bei 0,5 Promille Alkohol im Blut verdoppelt, bei 1,1 Promille bereits verzehnfacht sei. Die Statistiker gehen davon aus, dass etwa 3,5 Prozent aller Verkehrsteilnehmer alkoholisiert und etwa zwei Prozent unter Drogen wie Haschisch oder Kokain am Steuer sitzen. Damit diese „Gefährder“ herausgefiltert werden können, müssen alle Autofahrer auch in Zukunft auf Aachens Straßen mit Verzögerungen rechnen — nicht durch Schulungsaktionen, sondern reguläre Kontrollen.