Aachen: Tausende Fische ziehen in neue Heimat

Aachen: Tausende Fische ziehen in neue Heimat

Einkaufswagen, Fahrrad, Stopp-Schild, Grill, Tresor, Absperrband und eine Geldbörse. Die Rede ist hier nicht von einem Baumarkt, sondern vom Weiher im Westpark. „Es ist enorm, was sich in diesem Weiher alles findet“, sagt Uwe Lorenz von der Stawag und lacht.

Neben „Unmengen von Laub“, so Lorenz, ist auch ein Rucksack gefüllt mit einer Geldkassette dabei — leider leer.

Der Westpark-Weiher wurde in der vergangenen Woche abgepumpt, eine Wartungsmaßnahme. Der Teich müsse entschlammt, die Uferbefestigung erneuert werden. Zudem solle der Abfluss mit einem „räumlichen Rechen“ ausgestattet werden — eine Art Filter, der Laub, Absperrband, Geldbörse und Co. davon abhalten soll, bis in die Kanalisation zu gelangen.

„Seit Mittwoch sind wir dabei, den Spiegel zu senken“, so Lorenz. Die eigentliche Entschlammung sowie die Sanierung der Uferbefestigung könne jedoch erst später stattfinden. Zunächst soll es eine Bestandsaufnahme geben, die eigentliche Sanierung folge 2016 oder 2017.

Schlamm zwei Meter tief

Eine großzügige Entschlammung sei aber definitiv notwendig, sagt Lorenz, an den tiefsten Stellen des Weihers betrage die Schlammtiefe bis zu zwei Meter. Daher gelte auch aktuell ein absolutes Betretungsverbot für den Weiher: „Wenn man den Schlamm betritt, droht man einzusinken wie in einem Moor.“ Es müsse dringend mehr Wasservolumen geschaffen werden.

Schon alleine für die Fische: 4000 bis 5000 von ihnen leben in dem Weiher, „hauptsächlich heimische Fische, das heißt karpfenartige Fische und Weißfische“, sagt Rainer Jansen, stellvertretender Vorsitzender des Aachener Angelsportvereins „Forelle“. Hinzu kämen rund 2500 Teichmuscheln: „Die haben wir alle einzeln mit den Händen entnommen“, so Jansen, sie könnten schließlich nicht mehr im Weiher bleiben, wenn das ganze Wasser weg ist.

Die Fische werden mit einem großen Netz gefangen und dann in einen großen, mit Wasser gefüllten Tank verfrachtet — der sie aber nicht, wie ein Zuschauer sagt, „in die nächste Nordsee-Filiale“ bringt. Stattdessen werden sie in den Hangeweiher umgesiedelt — „zum Glück haben wir ja mehrere schöne Weiher in Aachen“, sagt Jansen. Die Enten, Schwäne und sonstigen Teichbewohner allerdings müssten den Weg zu Hangeweiher, Kupferbach oder Diepenbenden selbst finden, „das schaffen die schon, das sind ja Flugvögel“, so Uwe Lorenz.

Bald ein Aufzuchtgewässer

In ein paar Wochen wird der Weiher im Westpark wieder mit Wasser gefüllt sein — wann genau könne er nicht sagen, so Lorenz, da das Wasser alleine aus der Pau komme — dem Bach, der den Weiher durchfließt. Der Zufluss der Pau sei aber eher gering, sodass eine Schätzung schwierig sei. Außerdem hätten auch äußere Faktoren wie beispielsweise Regen Einfluss auf den Wasserstand des Teichs.

Wenn wieder ausreichend Wasser da ist, werden vom Angelsportverein junge Fische eingesetzt. „Dann entsteht hier ein Aufzuchtgewässer mit einer komplett neuen Population“, erklärt der Angler Jansen. Wie schnell sich wieder „ungebetene Gäste“ wie Fahrräder und Einkaufswagen ansiedeln, wissen weder er noch Lorenz. Aber bedauerlicherweise dauere das nie lange.