Aachen: Tausche 12.000 Schätze gegen Nudeln und Reis

Aachen: Tausche 12.000 Schätze gegen Nudeln und Reis

Ein Geschenk? Etwas für den nächsten Urlaub? Oder doch eher ein Nachschlagewerk für die Karriere? Nun, Julia Leuchter entscheidet sich gleich für alle drei Möglichkeiten, für die Hörspiel-CD, den Marokko-Reiseführer und den Dekorationsratgeber.

Und weil sie einmal dabei ist, packt die Bühnenbildnerin den Ernährungsberater und das Taschenbuch gleich noch dazu. Kein Wunder, schließlich - wenn man überhaupt von „kosten” sprechen kann - werden für jedes Werk gerade einmal drei Euro fällig. „Da hab ich gleich mal richtig zugelangt”, sagt Julia Leuchter und lacht.

Und das aus gutem Grund: Beim vierten Bücherflohmarkt des Rotary Clubs zugunsten der Aachener Tafel warten etwa 12.000 Bücher auf neue Besitzer. Ob Roman, Biographie, Chronik, Bildband oder Schulbuch: (Fast) alles findet sich auf den langen Wühltischen entlang des Holzgrabens. Und, wie gesagt, jedes einzelne Werk zum „Preis” von gerade einmal drei Euro pro Stück. „Da kann ich mich so schlecht zurückhalten”, blickt Julia Leuchter fast entschuldigend auf ihre neuen Schätze.

Der Erlös geht, wie in den Vorjahren auch, an die Tafel und damit an bis zu 2400 bedürftige Familien, denen es häufig an Grundnahrungsmitteln, an Nudeln, Reis, Kohlenhydraten jeder Art, fehle, sagt Lutz Dechamps vom Rotary-Club Aachen-Frankenburg. Er ist zufrieden: „Nach dem völlig verregneten Flohmarkt im vergangenen Jahr sind wir schon froh, dass das Wetter mitspielt und deutlich mehr Besucher angelockt hat.” Und damit auch den Erlös steigert: Am Ende des Tages sind es genau 9910 Euro, die für den guten Zweck gesammelt werden.

Sechs Aachener Rotary Clubs und die Jugendorganisation Rotaract beteiligen sich an dem logistisch gar nicht so einfachen Unterfangen, die vielen kleinen und großen, darunter viele neue Schätze zu präsentieren. „Ziel ist die möglichst langfristige Bereitstellung von Nahrungsmitteln”, sagt Ullrich Falter vom Rotary Club Aachen-Frankenburg über die fast schon traditionelle Veranstaltung. Der Bedarf steige deutlich an. „Vor drei Jahren waren es noch 800 Familien, die auf Hilfe angewiesen sind und nun bereits das Dreifache.”

Die Idee, gespendete Literatur für drei Euro das Stück anzubieten, habe sich längst bewährt. „Viele Leute geben von sich aus mehr Geld”, sagt Falter. Selbst brandaktuelle, noch in Folie eingeschweißte Bücher, finden sich in den Kisten. Manchem erscheinen die drei Euro einfach zu wenig. Die Rotarier freut das.


Auch Julia Leuchter findet es gut, dass sie mit ihrer erfolgreichen Schatzsuche helfen kann. „Das ist nicht nur ein guter, sondern genau der richtige Zweck, für den gesammelt wird. Schön, dass es eine solche Veranstaltung gibt.” Im nächsten Jahr will sie wieder kommen. „Ich weiß ja jetzt, was es hier alles Tolles gibt.” Jetzt kann auch der Trip nach Marokko kommen, Julia Leuchter hat ihren kleinen Begleiter für die Handtasche am Holzgraben gefunden.

Mehr von Aachener Zeitung