Taufkapelle am Aachener Dom ist undicht

Taufkapelle am Aachener Dom : Statt Weihwasser fließt jetzt eher das Regenwasser

Aachens Dombaumeister kann gewiss viel, aber eines kann er sicher nicht: einfach mal umhergehen, ohne den Blick auf Analyse- oder Überprüfungsmodus geschaltet zu haben. Und so sagt er am Ende einer Dachbegehung bezeichnenderweise: „Oh, hier schiebt der Dachstuhl die Mauerkrone vor.“ Das nächste Problem. Dabei hatte Helmut Maintz eigentlich nur die Schäden an der Schiefereindeckung auf der Taufkapelle in Augenschein nehmen wollen.

Wobei „nur“ relativ ist, denn man darf getrost von der nächsten großen Aufgabe des Aachener Dombaumeisters sprechen. Nicht ganz so groß wie die sonstigen Baustellen am Dom, aber es gilt immerhin, die Taufkapelle in ihrer Substanz zu erhalten. Und dafür braucht er gut eine halbe Million Euro.

Aber das kann Maintz die Laune nicht verderben: „Es ist wie es ist.“ Und das heißt: die Aufgabe angehen und stets dabei mit Überraschungen rechnen. Der Handlungsbedarf an der Taufkapelle, die lange die Aufgabe eines klassischen Baptisteriums erfüllte, ist unübersehbar. Wo lange die kleinen Öcher mit Weihwasser in die Kirchengemeinschaft aufgenommen wurden, versucht man jetzt, das Regenwasser zu verbannen.

Das Schieferdach, in typischer Doppelrechteckdeckung verlegt, ist an vielen Stellen marode. „Und hier hilft nur eine Kompletterneuerung“, lässt der Dombaumeister keinen Zweifel aufkommen. Dazu musste die Kapelle komplett mit einem sehr komplizierten Gerüst umgeben werden, das nicht nur den Zugang für die Sanierer in großer Höhe ermöglicht, sondern seit Freitag auch das Wetterschutzdach trägt. Zusammen mit einer Rundumplane ist so zunächst einmal sichergestellt, dass kein weiteres Wasser in den Dachstuhl dringen kann.

Dombaumeister Helmut Maintz überprüft die Schieferschindeln auf dem Dach der Kapelle. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Das ist vor allem wichtig, damit der hölzerne Dachstuhl nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Oder weiter in Mitleidenschaft gezogen wird, denn ob dies der Fall oder auch nicht ist, zeigt sich erst, wenn der Schiefer runter ist. Und hier ist Helmut Maintz nur vorsichtig optimistisch. Grundsätzlich ist die Kapelle in gutem Zustand, denn bei der letzten Sanierung in den Jahren 1984 bis 1986 wurden zwar der Innenraum mit barockem Stuck und Boden samt Fußbodenheizung instandgebracht, aufs Dach stieg der Kapelle damals niemand. Und das rächt sich jetzt.

Stadt, Land und Karlsverein/Dombauverein haben die Finanzierung zugesagt. Wobei hinter den Kosten noch ein Fragezeichen steht, denn die Schieferfirma, die bislang die Domhütte belieferte, hat zugemacht. Und jetzt muss Maintz erst mal einen Nachfolger finden. Ansonsten kann er auf die bewährten Firmen setzen, die das Dach neu eindecken sowie Dachrinnen und Grate nach allen Regeln des Denkmalschutzes erneuern. Rund ein halbes Jahr ist konzipiert, sobald alle Vorbereitungen abgeschlossen sind.

Blick Richtung Domhof: Die Kapelle ist für mindestens ein halbes Jahr komplett eingerüstet. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Die Taufkapelle war lange historischer Taufort der Aachener Bevölkerung – in Umkehr dieser Tradition hofft Helmut Maintz nun auf die Unterstützung und Spendenfreudigkeit der Kaiserstädter (siehe Spendenkonto). Denn bei aller Vorsicht: Es ist nicht sicher, dass die vorgeschobene Mauerkrone unter dem Dach die einzige Überraschung bleibt.

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