Aachen: Tatort Trierer Straße: Zwei Männern wird heimtückischer Mord vorgeworfen

Aachen : Tatort Trierer Straße: Zwei Männern wird heimtückischer Mord vorgeworfen

Es klingt wie der Klassiker: eine Frau, zwei Männer, Wut, Eifersucht, Kampf — und am Ende ist einer tot. In Kurzform ist es diese schon so oft fatale Mischung, um die es in einem Fall geht, der seit Dienstag vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts um ihren Vorsitzenden Richter Roland Klösgen verhandelt wird.

Auf der Anklagebank sitzen zwei Männer: Kahled B. und Mohammad A., 34 und 21 Jahre alt, beide vor einigen Jahren aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Gemeinsamen heimtückischen Mord wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Am 30. Januar kurz nach Mitternacht sollen sie in einem Haus an der Trierer Straße einen 23 Jahre alten Landsmann umgebracht haben.

Die tragische Geschichte geht so: Noch einige Monate vor der Tat hatte Khaled B. eine Freundin. Doch ist diese nun mit dem 23-Jährigen zusammen. Der sie aber schlecht behandele, wie B. meint, der die Frau außerdem zurückgewinnen möchte. Am 29. Januar will er sie davon überzeugen. Er trifft jedoch auf den Nebenbuhler. Es kommt zum — ersten — Kampf. Der 23-Jährige setzt ein Messer ein, Khaled B. erleidet Stichverletzungen an Kopf und Arm, muss im Krankenhaus behandelt werden.

Schläge bekommt zudem eine junge Frau — die Ex-Freundin des zweiten Angeklagten Muhammad A. —, die in einer Art Vermittlerrolle in den Fall verwickelt wird. Zurück aus dem Krankenhaus, ist Khaled B. in seiner Wohnung in der Elsassstraße in Rage. Er trinkt Wodka — viel mehr, als er es sonst tut. Nach und nach treffen weitere Personen in der Wohnung ein, die Khaled B. teils angerufen hat. Darunter Mohammad A., den B. von der Arbeit in einem Restaurant kennt, obwohl die beiden zu diesem Zeitpunkt wegen eines Streits eigentlich nicht mehr miteinander reden. Eine Zeugin wird später im Prozess berichten, dass Khaled B. „total aggressiv“ gewesen sei, wilde Flüche gegen den Kontrahenten ausgestoßen habe und „unter allen Umständen dahin wollte“.

An diesem Punkt nun gehen die Darstellungen auseinander. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten den Plan fassen, den 23-Jährigen in dessen Wohnung aus Rache zu töten. Sie machen sich tatsächlich auf den Weg zur Trierer Straße, ebenso zwei weitere Männer, die jedoch nicht angeklagt sind. Das Opfer ist nicht zu Hause, es wird bei Nachbarn geklingelt, die aufmachen.

Das Herz getroffen

Wenig später kommt der 23-Jährige zurück. Umgehend soll B. auf ihn losgegangen sein, habe mehrfach auf das Opfer eingestochen. Mit voller Wucht — so heftig, dass die Klinge bricht — trifft den 23-Jährigen ein Stich in die Brust, der eine Rippe durchtrennt und das Herz trifft. An dieser Verletzung stirbt der junge Mann schließlich vor dem Haus. Mohammad A. soll zudem mit der Faust auf das Opfer eingeschlagen haben.

In den Darstellungen, die die Angeklagten von ihren Anwälten verlesen lassen, klingt das völlig anders. Khaled B. bekundet, den Tod des Kontrahenten zutiefst zu bedauern. Er habe nie vorgehabt ihn zu töten. Er sei in Sorge um die Ex-Freundin zu dem Haus gegangen, habe gewusst, dass der 23-Jährige nicht da war. Doch dann sei der doch aufgetaucht, habe erneut angefangen, auf ihn einzuprügeln und ihn zu Boden geschlagen, so Khaled B. Das Küchenmesser, dass er dabei hatte, habe er zur Abwehr eingesetzt, sei zurückgewichen und von seinem Gegenüber verfolgt worden. Seine Wunden von der vorherigen Auseinandersetzung seien wieder aufgeplatzt, das Blut habe ihm die Sicht genommen, er habe Angst gehabt und mit dem Messer nach dem anderen gestochen und ihn wohl auch getroffen. Doch dieser sei weiter hinter ihm her gewesen, bis er vor dem Haus zusammenbrach. Eine Darstellung, die nach Notwehr klingt.

Mohammad A. indes bekundet, mit der Tat gar nichts zu tun gehabt zu haben — außer, dass er auch — weiter unten — in dem Hausflur war. Den Faustschlag gegen den 23-Jährigen habe er später nur erfunden, um vor einer Freundin zu prahlen. Im Gegenteil habe er bereits, wie andere auch, beschwichtigend auf B. eingeredet, habe ihn davon abbringen wollen, dass dieser in seiner Rage zu der Wohnung geht. Das bestätigt später eine Zeugin. Schließlich seien er und zwei weitere Männer mitgegangen, quasi beruhigend auf den 34-Jährigen einzuwirken, so Mohammad A. Das Opfer habe er nicht einmal gekannt.

Für die Richter wird es nicht einfach, die Wahrheit herauszufiltern. Das zeigt schon die Vernehmung der ersten Zeugin, der noch etliche folgen. Da wird in Details die Darstellung schon mal kurzerhand etwas verbogen, um den guten Freund Mohammad A. zu schützen. In einem Punkt sagt die junge Frau etwas, das Khaled B. widerspricht. In seiner Wut habe er nämlich sehr wohl von sich gegeben, den Kontrahenten töten zu wollen. Erst als die anderen auf ihn einwirkten, habe er das auf den Status „nur reden“ zurückgedreht. Ob es sich also um einen heimtückischen Mord oder Notwehr handelte, müssen die nächsten Prozesstage zeigen. Eines bleibt jedoch Fakt: eine Frau, zwei Männer, Wut, Eifersucht, Kampf — und am Ende ist einer tot. Der Klassiker.

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