Aachen: Tanzsportclub Schwarz-Gelb Aachen wird 50 Jahre alt

Aachen : Tanzsportclub Schwarz-Gelb Aachen wird 50 Jahre alt

Ob Walzer, Tango oder Slowfox, Cha-Cha-Cha, Rumba oder Jive — seit 50 Jahren wird beim Tanzsportclub (TSC) Schwarz-Gelb Aachen getanzt was das Zeug hält. Rund 500 Tanzbegeisterte aus allen Altersgruppen zählt der Traditionsverein im Jubiläumsjahr. Am Mittwoch wird er 50 Jahre alt.

Alexandra Schieferdecker, 2. stellvertretende Vorsitzende, sowie Sportwart Georg Mertens berichten im Samstagsinterview mit unserer Mitarbeiterin Carolin Cremer-Kruff wie alles begann, was die Faszination des Tanzes ausmacht und wie die Zukunft des Vereins aussieht.

WE-Interview "50 Jahre TSC schwarz gelb Aachen", im Clubheim Prof. Wieler Straße 12, mit Alexandra Schieferdecker (2. stellv. Vorsitzende) und Sportwart Georg Mertens., (alp), im. Foto: Andreas Steindl

Mal ganz ehrlich: Kann eigentlich jeder tanzen?

Eintauchen in eine Parallelwelt voller Musik und Bewegung: Alexandra Schieferdecker und Georg Mertens (rechtes Bild) engagieren sich seit Jahren für den Tanzsportclub Schwarz-Gelb Aachen. In den 1990er-Jahren gelang dem Verein der Durchbruch mit seiner A-Formation. Doch auch reine Freizeittänzer kommen auf ihre Kosten. Foto: Andreas Steindl

Schieferdecker und Mertens: Ja klar!

Schieferdecker: Wenn einer tanzen will, dann lernt er das auch.

Und wie hat Sie die Tanzleidenschaft gepackt?

Mertens: 1979 habe ich ganz klassisch in einer Tanzschule mit meiner Schwester angefangen. Seit 1992 bin ich beim TSC Schwarz-Gelb Aachen, wo ich zu Bestzeiten auch höchste deutsche Klasse getanzt bin und an Welt- und Deutschen Meisterschaften teilgenommen habe. Seit dieser Zeit bin ich auch immer in verschiedenen Funktionen im Vorstand tätig gewesen, mittlerweile als Sportwart.

Schieferdecker: Seit 1989 bin ich Mitglied beim TSC Schwarz-Gelb Aachen, seit 1991 tanze ich Turniere. Ich habe damals in der Kindergruppe angefangen. Mein jüngerer Bruder war auch schon hier, meine Eltern haben an einem Tanzkurs und an einem Gesellschaftskreis teilgenommen. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass ich als letztes Familienmitglied auch irgendwann mitkomme. Vom Formationstraining bis zum Standard- und Lateintraining habe ich alles durchlaufen. Schließlich habe ich es auch in die höchste deutsche Klasse und die Erste Bundesliga geschafft. Seit acht Jahre engagiere ich mich zudem im Vorstand.

Was macht für Sie die Faszination des Tanzens aus?

Mertens: Ganz klar die Bewegung auf Musik. Wenn die Musik das tut, was ich tanze, dann bin ich gut (lacht). Im Ernst: Ich kann unheimlich gut beim Tanzen abschalten, egal wie stressig der Tag vorher war. Wenn ich hierhin komme, fällt alles von einem ab. Das Schöne: Dieses Gefühl bleibt erhalten, wenn man das Clubheim nachher wieder verlässt.

Schieferdecker: Für mich ist Tanzen eine Art Parallelwelt. Wenn ich hierhin komme, dann hänge ich in der Umkleidekabine mein Ich auf und schlüpfe in eine andere Rolle. Das ist eine eigene Welt, in die man mit dem Partner, der Musik und der Bewegung eintaucht. Es ist auch ein bisschen Wohnzimmeratmosphäre, man zieht sich nett an, macht sich zurecht. Obwohl Tanzen wie jeder Sport eine schwitzige Angelegenheit ist, bleibt alles in einem adretten Rahmen. Und Tanzen ist eine Sprache, die man weltweit spricht!

Mein Schwiegervater hat einmal gesagt: Ich glaube, es ist schwieriger, einen Tanzpartner zu finden, als einen Lebenspartner. Und ja, es stimmt: Man lernt beim Tanzen viel über Partnerschaft. Denn zum Tanzen gehören zwei Menschen, die zueinander passen sollten. Man muss nicht gleich verheiratet sein, aber die Chemie muss stimmen. Wenn man Leistungssport betreibt, müssen die einzelnen Komponenten noch feiner aufeinander abgestimmt sein.

Was schätzen Sie an Ihrem Verein?

Mertens: Die Geselligkeit und in sportlicher Hinsicht die Bewegung auf Musik.

Schieferdecker: Unser Slogan lautet ja „Wir lieben tanzen“ — und das ist hier über alle Altersklassen hinweg spürbar. Wir alle teilen das Tanzen als Leidenschaft. Hier findet auch jeder das Niveau, das ihm vorschwebt. Man muss ja nicht unbedingt Turniere tanzen. Bei uns sind sowohl diejenigen willkommen, die sieben Mal die Woche Leistungssport betreiben, als auch diejenigen, die mit Rentenbeginn das Tanzen als neues Hobby entdecken. Wir bieten auch Anfängerkurse an. Zwar ist der TSC Schwarz-Gelb Aachen keine Tanzschule, wir versuchen die Leute aber dennoch ein bisschen zu leiten, bis sie tanzen können und einen Überblick haben. Danach können sie sich selber orientieren. Übrigens steht bei uns auch ein Laufstall, sodass selbst junge Eltern wieder entspannt tanzen können. Und die Kleinen sind von Beginn an dabei.

Ist denn mit dem Tanzen irgendwann Schluss?

Schieferdecker: Nein, Tanzen kann man, so lange man sich fit fühlt und Spaß daran hat. Ich sage immer: von vier bis 99.

Mertens: Wir haben sogar ein Tanzpaar um die 80 bei uns im Verein, das noch Turniere tanzt. Mittlerweile ist auch nachgewiesen, dass Tanzen gesund ist und sogar Demenz vorbeugen kann. Von der Haar- bis zur Fußspitze wird ja alles bewegt. Und der Kopf ist immer als Koordinationszentrale mit dabei. Diese Kombination hält fit und jung!

Der Durchbruch gelang dem TSC Schwarz-Gelb Aachen in den 1990er-Jahren mit seiner erfolgreichen A-Formation.

Schieferdecker: Ja, das stimmt. Zu der Zeit hat sich das sagenumwobene A-Team im Bereich Lateinformation gebildet, das viele Titel eingefahren hat. Unter der Trainerin Petra Heiduk wurde die Formation vier Mal Weltmeister, zwei Mal Vizeweltmeister, zwei Mal Europameister, drei Mal Vizeeuropameister, vier Mal Deutscher Meister und drei Mal Deutscher Vizemeister. Keine Frage: Die Formation war damals das Aushängeschild des Vereins, was sich auch in den hohen Mitgliederzahlen bemerkbar machte. Parallel gab es aber auch immer gute Einzelkämpfer im Standard- und Lateinbereich in unserem Verein.

Seit 2016 wird nun im Aachener Norden getanzt.

Schieferdecker: Ja. 2013 hat der Vermieter unseres ehemaligen Clubheims in der Charlottenstraße unerwartet Eigenbedarf angemeldet, sodass wir dringend eine neue Bleibe suchen mussten. Durch die großartige Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen, den Vertretern aus Finanzkreisen und nicht zuletzt der eigenen Mitglieder, die uns mit viel Engagement und Finanzmitteln unterstützten, konnten wir auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück an der Professor-Wieler-Straße das neue Clubheim realisieren. Am 9. September 2015 war Spatenstich, und am 30. März 2016 sind wir in das neue Clubheim eingezogen. Aus der Not heraus wurde so der Traum wahr, in eigenen hochmodernen Räumen tanzen zu können.

Mertens: Am Anfang gab es schon den einen oder anderen Skeptiker, da der Aachener Norden ja ein bisschen den Ruf eines Problemviertels hat. Wir waren aber von Beginn an offen und sind nach wie vor sehr glücklich mit dem neuen Standort. Wir bieten Kindern und Jugendlichen aus sozial schwächeren Familien hier aus dem Viertel beispielsweise Sondervergünstigungen an, wenn sie in unseren Verein eintreten möchten. Außerdem sind wir aktiv im Arbeitskreis Nord, um zu zeigen, dass wir ein offener Verein sind, in dem jeder Interessierte willkommen ist.

Am 16. Mai 2018 folgt der nächste Meilenstein Ihres Vereins: das 50-jährige Bestehen.

Mertens: Ja, das macht uns schon ein bisschen stolz. Aus diesem Anlass haben wir bereits einen Galaball ausgerichtet und die Räume im Clubheim entsprechend geschmückt. Ansonsten werden wir das Jubiläum in unsere diesjährigen Veranstaltungen wie „Tanzen im Dreiländereck“ oder „Adventstanzen“ integrieren. Dazu ist jeder herzlich eingeladen, auch als Zuschauer. Auf unserer Homepage finden Interessierte immer alle aktuellen Termine.

Wie fing eigentlich damals alles an?

Mertens: Zunächst war der Verein bei seiner Gründung im Jahr 1968 Teil einer Tanzschule, mittlerweile sind wir ja ein reiner Tanzverein. Nach mehreren Umzügen wurden 1989 die neuen Räumlichkeiten in der Charlottenstraße im Frankenberger Viertel bezogen, wo die Mitglieder damals in Eigenregie das Clubheim hergerichtet haben.

Was bieten Sie heute an?

Mertens: Vom Breitensport bis zum Leistungssport bieten wir für jedes Mitglied das Richtige an: ob Gesellschaftskreis, Modern Jazz Dance oder Hiphop für Kinder und Jugendliche, verschiedene Gruppen im Standard- oder Lateinbereich, Wiedereinsteigerkurse oder Kurse für Studenten an der RWTH. Außerdem bieten wir seit mehr als 20 Jahren Rollstuhltanz an, mittlerweile ein zertifiziertes Rehasportangebot. Alle Gruppen werden von erfahrenen Trainern und Übungsleitern begleitet.

Sie haben aber auch sonst ein pulsierendes Vereinsleben.

Mertens: Ja, die Geselligkeit wird bei uns großgeschrieben. Hier menschelt es an jeder Ecke! Neben den Tanzgruppen und Turnieren finden daher in unserem Clubheim auch viele Feiern wie der Tanz in den Mai, Silvesterpartys oder Geburtstagsfeiern statt.

Schieferdecker: Genauso toll finde ich es, wie sich unsere Mitglieder sonst in das Vereinsleben einbringen. Die einen nehmen über das Jahr verteilt Handtücher und Tischdecken zum Waschen mit nach Hause. Andere haben eine Patenschaft für ein Blumenbeet übernommen, wieder andere säubern diverse Fensterflächen oder bringen den Grünschnitt weg. Bei Veranstaltungen wird mit aufgebaut, Kuchen gebacken, Kaffee gekocht und gespült. Ohne diese ehrenamtliche Mithilfe unserer Mitglieder würde der Betrieb in der Form nicht funktionieren.

Sie sind ja schon sehr lange beim TSC Schwarz-Gelb Aachen dabei. Da gibt es doch bestimmt den einen oder anderen unbeschreiblichen Moment . . .

Schieferdecker: Natürlich sehr viele, zum Beispiel der Aufstieg in Berlin im Jahr 1999 in die höchste Klasse oder das erste Mal Tanzen im Black Pool, das Wimbledon im Tanzsport. Schön finde ich es auch, als Vorstandsmitglied zu sehen, wie andere hier groß werden und wie aus Kindern junge Erwachsene und Sportler werden — egal ob Brille, Akne, Zahnspange oder schlechte Noten. Ich habe das selbst so erlebt: Wenn es in der Schule nicht so gut lief, lief es im Tanzen gut und umgekehrt.

Mertens: Damals in Wien im Jahr 1991 als das A-Team der Lateinformation noch über das Majoritätssystem Weltmeister geworden ist. Das war Dramatik pur und zum Schluss tobte die Halle vor Freude. So etwas vergisst man nicht.

Gibt es konkrete Zukunftspläne?

Mertens: Ja, wir bauen gerade wieder einen Formationsbereich auf. Es wäre schön, wenn dieser wieder dauerhaft ein Stück weit Vereinsteil werden könnte. Das A-Team hat gerade erst in der Oberliga angefangen und gewinnt zurzeit alle Turniere. Die Zeichen stehen also auf grün.

Diese Frage darf zum Schluss einfach nicht fehlen: Haben Sie einen Lieblingstanz?

Schieferdecker und Mertens: Slowfox.

Schieferdecker: Weil man dabei ein bisschen Zeit hat, in der Musik zu versinken...

Mertens: Weil er einfach so schön schwebt...

Schieferdecker: Beim Tango muss man einfach zu viel denken.

Mertens: Aber wir Männer führen doch!

Schieferdecker: Das stimmt. Aber wir Frauen sind immer Standby, falls ihr wieder mal etwas verbrezelt...

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