Aachen: „Tanzrausch“: Dornröschen tanzt diesmal Rock’n’Roll

Aachen: „Tanzrausch“: Dornröschen tanzt diesmal Rock’n’Roll

Jeder kennt es oder glaubt es zumindest zu kennen: Das Märchen „Dornröschen“ der Gebrüder Grimm, bei dem sich die Königstochter an einer von der bösen Fee vergifteten Spindel sticht, woraufhin das gesamte Königreich mit ihr in einen hundertjährigen Schlaf fällt.

Bei der Schüleraufführung der Tanzwerkstatt Carla Brettschneider im Brüsselsaal des Eurogress hielten sich Brettschneider und die zweite Schulinhaberin Kathrin Freyberger bei ihrer tänzerischen Umsetzung aber nur im ersten Teil an die bekannte Vorlage.

Im zweiten Teil erwartete die Zuschauer eine Überraschung: Das Dornröschen wachte in der Jetzt-Zeit auf und mit dem Wechsel der Zeit ging auch ein abrupter Wechsel des Tanzstils einher. Klassischer Balletttanz wurde abgelöst von Klängen und Tänzen des letzten Jahrhunderts. Darunter Tango, Rock’n’Roll und ein Soloauftritt von Michael Ostenrath, der im Märchen den „jungen Prinzen“ verkörperte. Ostenrath ist bereits seit Kindesbeinen Schüler der Tanzwerkstatt und wird zum kommenden Semester an der Folkwang Universität der Künste in Essen eine Ausbildung zum Bühnentänzer beginnen.

„Wir sind sehr stolz, dass er vor seinem Umzug noch diese Hauptrolle bei unserer Aufführung getanzt hat“, so Brettschneider. Neu war auch die Einbindung von aufwendig und mit viel Liebe zum Detail produzierten Kurzfilmen (die zum großen Teil in Aachen gedreht wurden) in die Aufführung, welche das Geschehen auf der Bühne zu einem Genuss für alle Sinne machten. Der Paartanz von Michael Ostenrath und Eugenia Casanova zum Lied „Siebter Sinn“ von Herbert Grönemeyer sorgte zum Abschluss des Stücks für „Gänsehaut-Feeling“ im Zuschauerraum.

Wo die Zuschauer noch am Nachmittag in Dornröschens Märchenwelt entführt wurden, fand am Abend die Veranstaltung „Tanzrausch“ statt — ebenfalls mitorganisiert von der Tanzwerkstatt Carla Brettschneider, statt. „Wir haben unsere Schüleraufführung in diesem Jahr auf zwei Veranstaltungen aufgeteilt, weil unsere Tanzwerkstatt inzwischen weit über 300 Schüler zählt“, so Brettschneider. Außerdem wolle man jedem Schüler — unabhängig vom jeweiligen Tanzniveau — die Möglichkeit bieten, an einer der großen Aufführungen, die alle drei Jahre stattfinden, teilzunehmen. Und so zeigten sie gemeinsam mit der Dancecompany TNBoom sowie jungen Choreographen eine bunte, laute, und mitreißende Tanzcollage aus modernem Ballett, über House-Dance bis hin zu Hip Hop und Breakdance.

Dabei verstanden es die Tänzerinnen und Tänzer, nicht nur durch ihr hohes Tanzniveau, sondern auch durch ihre positive Ausstrahlung, exotischen Musikinstrumente und fantasievoll gestalteten Kostüme, die Zuschauer buchstäblich in einen „Tanzrausch“ zu versetzen. Die Federführung übernahm hierfür Marga Render, die überregional für viele Theater tätig war.

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