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Aachen: Tanzen ist jetzt ein Schulfach an der Gesamtschule

Aachen : Tanzen ist jetzt ein Schulfach an der Gesamtschule

Eine Gruppe von Kindern mit lachenden Gesichtern tanzen wild miteinander, bis sie von einer jungen Frau die Worte „3...2...1...Stopp!“ vernehmen und augenblicklich in ihrer Bewegung einfrieren. Was sich anhört wie eine spielerische Einlage auf einer Geburtstagsparty, ist das Unterrichtsfach „Körpersprache-Tanz“, mit dem seit September dieses Jahres alle fünften Klassen der Maria-Montessori-Gesamtschule in Aachen ganzheitlich gefördert werden.

Denn seit Beginn dieses Schuljahres hat die städtische Schule ihr kulturelles Profil in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz NRW (LAG Tanz) und dem Bildungsbüro der Städteregion Aachen erweitert, so dass Tanz nun fest auf dem Stundenplan steht.

Tanzprofil-Schule: Schüler der 9. Klasse gaben eine Kostprobe. Schulleiterin Irmgard Braun (kleines Bild) ist von dem Konzept überzeugt. Foto: Andreas Steindl

„Wir betrachten unsere Schule aus mehreren Gründen als sehr geeignet für dieses Pilotprojekt“, zeigt sich Schulleiterin Irmgard Braun erfreut. „Einerseits können wir damit unser bereits vorhandenes vielseitiges kulturelles Programm erweitern, andererseits entspricht es dem Profil einer Montessori-Schule, da bei uns kulturelle Bildung und persönlicher Ausdruck durch Musik, Sprache und bildnerisches Arbeiten aber auch Integration und Inklusion von großer Bedeutung sind.“

Das lasse sich im Tanz optimal verbinden, da dadurch Brücken gebaut und Begegnungen ermöglicht werden, die über sprachliche und körperliche Grenzen hinausgehen.

Diese Auffassung vertritt auch Heinrich Brötz, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen: „Es ist eine Kulturform, die nonverbal stattfindet, und trotzdem gibt es wohl kaum eine, in der so viel kommuniziert wird. Denn über Tanz lässt sich nicht nur Vieles darstellen und ausdrücken, sondern aber auch Vieles verarbeiten.“

So unterrichten und begleiten die Tanzpädagogin Caterina Mascia von der LAG Tanz sowie die Lehrerin Janina Heitkämper alle sechs Klassen des Jahrgangs wöchentlich zwei Schulstunden — zusätzlich zum Sportunterricht. Zum Einsatz kommt dabei ein von der LAG Tanz entwickeltes Konzept, das in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Schule individuell zugeschnitten wurde. Dieses beinhaltet gesundheitliche wie soziale Aspekte, die Entwicklung von Körperbewusstsein, die Einführung tänzerischer Grundübungen und Tanzformen. Damit ist die Aachener Gesamtschule die erste Schule in NRW, die ein sich durch alle Stufen ziehendes Tanzprofil entwickelt.

Wie auch Ulla Geiges von der LAG Tanz betont, ist es der Schule besonders wichtig, die Tanzkultur nachhaltig auch in den anderen Jahrgängen zu thematisieren. Während also in der 5. und 6. Klasse der Tanz fest im Stundenplan verankert ist, werden für die weiterführenden Stufen vielseitige Arbeitsgruppen- und Pausenangebote zum Thema Tanz eingeführt.

„Bewiesenermaßen fördert Tanz nicht nur die Gesunderhaltung und das Körper- und Selbstbewusstsein, sondern auch die Kreativität und Konzentration“, fügt Braun hinzu. Außerdem gehe es auch um soziale Aspekte wie die Findung und den Zusammenhalt in der Gruppe: „Bereits jetzt macht sich dieser soziale Fortschritt auch außerhalb des Tanz-Unterrichts stark bemerkbar.“

Ein weiteres Ziel auf dem Weg zu einer Tanz-Profil-Schule ist, den Tanz mit anderen Fächern zu verbinden und für diese zu motivieren: „Es ist wichtig, Tanz nicht isoliert, sondern in Verbindung und Zusammenhang mit den anderen Fächern zu betrachten“, so Geiges.

In diesem Jahr wird mit dem Fach Deutsch kooperiert, indem die Kinder ihr eigenes Märchen in tänzerischer Form entwickeln. Sobald sich dieses Projekt erfolgreich etabliert habe, sei es das Ziel, diese Erfahrungen auch anderen interessierten Schulen zur Verfügung zu stellen, unterstreicht Gabriele Roentgen vom Bildungsbüro der Städteregion Aachen.