Tanzcompany „Compound“ aus Aachen zeigt Projekt „Borderland“

Grenzen überschreiten, Neues entdecken : Tanzcompany „Compound“ zeigt Projekt „Borderland“

„Borderland“ heißt das Projekt, das die neu gegründete Aachener Tanzcompany „Compound“ zurzeit entwickelt. Dabei geht es darum, Grenzen zu überschreiten, Neues zu entdecken und um ausgeklügelte 3D-Technik.

Maria Isabel Luege steht auf dem Kopf, Olga Blank streckt ebenfalls die Füße in die Luft. Sie warten auf den Beginn der Musik für ihre Performance, aber vor allem auf Simon Virgo. Er stellt mit Hilfe eines Computers die im Raum verteilten Sensoren so auf die Tänzerinnen ein, dass der weiße Lichtpunkt ihnen unablässig folgt und sie gemeinsam durch ihre Bewegungen ein 3D-Lichtgitter entstehen lassen.

„Borderland“ heißt das Projekt, das die neu gegründete Aachener Tanzcompany „Compound“ zurzeit entwickelt. Die zwei Tänzerinnen und drei Tänzer sowie ein spezielles Technikteam (Simon Virgo und Julian Koncoš) bewegen sich unter der Leitung von Choreografin Yvonne Eibig damit in vielerlei Hinsicht zwischen Grenzen.

Grenzen überschreiten, Neues entdecken, Verbindungen von bislang Unverbundenem herstellen – das reizte Eibig vom Verein „artbewegt“ (Netzwerk von freien Tanzschaffenden der Sparten urbaner und zeitgenössischer Tanz aus der Region Aachen) schon immer. Und fand in Olga Blank, freischaffende Tanzpädagogin, Choreografin und Puppenspielerin in Aachen, schnell eine hochmotivierte Mitstreiterin. Blank stellte den Kontakt zu Simon Virgo her.

Er ist Geologe und arbeitet am Institut für Computational Geoscience and Reservoir Engineering der RWTH Aachen. Dort nutzt er digitale Technologien, um zum Beispiel in einer geologischen Sandbox digitale dreidimensionale geologische Modelle mit der realen Topographie des Sandes zu verschneiden. „Es entsteht eine interaktive 3D-Karte, die auf reale Veränderungen in der Sandbox reagiert“, erklärt er. Virgo ist aber auch Tänzer und trainiert in seiner Freizeit bei Blank.

So entstand die Zusammenarbeit für „Borderland“. Und zugleich eine immense Herausforderung für Tänzer und Techniker. Zunächst galt es, die für einen kleinen Sandkasten ausgerichtete Sensorik auf Bühnenformat zu trainieren. Zugleich mussten sich die Tänzer auf die Technik einstellen, lernen von ihr gegebene Freiheiten, aber auch Einschränkungen dramaturgisch zu nutzen, aber auch hin und wieder auf sie zu verzichten.

„Unser großes Meta-Thema in diesem Projekt heißt Balance“, meint Eibig. „Es ist eine unablässige Recherche was geht und was nicht geht.“ Die eigentliche Premiere ist für Mai geplant. Nach 20 Probentagen wird „Compound“ aber im Space des Ludwig Forums eine erste kleine Mini-Aufführung mit den Ergebnissen zeigen (siehe Info-Box). „Anschließend wollen wir auf jeden Fall mit dem Publikum ins Gespräch kommen, um zu hören, ob diese neuartige Form der Verknüpfung von 3D-Projektionen mit Tanz ankommt“, erklärt Eibig. „Unser Ziel ist, die Technik nicht zum Selbstzweck zu machen. Sie soll der dramaturgischen Linie des Tanzes dienen, nicht mehr und nicht weniger.“

Interdisziplinäres Arbeiten erreicht hier also sehr ungewohnte Dimensionen, „und funktioniert vor allem, weil Simon beide Sprachen spricht“, meint Eibig. „Die der Tänzer und die der Technik.“ „Compound“ will aber auch innerhalb der künstlerischen Sparte Tanz Verbindungen schaffen, die bislang in Deutschland nur selten gesucht und noch seltener gefördert werden: Zwischen urbanen und zeitgenössischen Tänzerinnen und Tänzern.

„Wir haben bei der Zusammenstellung der Company bewusst beide Disziplinen gesucht“, berichtet Eibig. Neben Blank und Luege tanzen bei „Compound“ jetzt Hermann Bär, Bernd Michel Pierre Louis und Boemseok Jeong. Jeong ist der einzige, der bereits zuvor beide Disziplinen verfolgt hat. Urbane und zeitgenössische Tänzer haben sehr unterschiedliche Ausbildungswege, sprechen sehr unterschiedliche Sprachen und haben verschiedene Arbeitsrhythmen. „Aber es ist toll! Die Zeitgenössischen haben jetzt ganz andere Bewegungen drauf und die Urbanen spitzen plötzlich die Füße“, beobachtet Eibig mit Vergnügen die sich einstellenden Verknüpfungen.

„Die Neugierde auf etwas Neues verbindet uns – egal ob es um digitale oder tänzerische Technik geht“, meint Blank. Der Doktor der Naturwissenschaft, Virgo, bringt es schließlich auf den Punkt: „Es ist wie bei Verbundstoffen, die wir auch Compound nennen. Wenn wir zwei gänzlich unterschiedliche Materialien zusammenbringen, bekommt der neue Werkstoff eine neue, besondere Eigenschaft.“

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