Aachen: Talfahrt: Aseag laufen die Kunden davon

Aachen: Talfahrt: Aseag laufen die Kunden davon

Die Aseag tritt auf die Bremse; sie will ihre Talfahrt stoppen. Entgegen früherer Prognosen sanken nämlich die Fahrgastzahlen der roten Busflotte in Aachen von 2012 bis 2014 von gut 67 Millionen auf 64,5 Millionen. Das entspricht einem Verlust von 2,5 Millionen Passagieren.

In jener Zeit hatten Campusbahn-Befürworter laut argumentiert, die Aseag stoße aufgrund des stetig wachsenden Fahrgastaufkommens an ihre Kapazitätsgrenzen. In Wahrheit schrieb man bereits Minus-Zahlen, als die Campusbahn 2013 per Bürgerentscheid endgültig abgelehnt wurde. Allein für das Jahr 2014 heißt es dann im Geschäftsbericht: „Die beförderten Personen reduzierten sich dabei um 1,1 Millionen und kompensierten damit die Tarifanpassung auf insgesamt min 0,1 Millionen Euro.“

Mit anderen Worten: Mit der Fahrpreiserhöhung kehrten ungezählte Fahrgäste der Aseag den Rücken und verzichteten auf Millionen Fahrten. Denn die Fahrgaststatistik weist nicht die Zahl der Menschen aus, die im Laufe eines Jahres Busse besteigen, sondern die Zahl der Fahrten, die durch eine unbekannt große Kundenzahl zusammenkommen. Für 2015 — so rechnet Aseag-Pressesprecherin Anne Körfer vor — geht man von einer leichten Erholung aus. „Für das Jahr 2015 verzeichnet die Aseag 65 Millionen Fahrgäste“, erklärte sie gestern auf Anfrage der Aachener Zeitung. Weitergehende Informationen ließ sich die Aseag am gesamten gestrigen Montag nicht entlocken.

65 Millionen Fahrgäste wären immer noch rund zwei Millionen weniger als im Rekordjahr 2012 — Stagnation also. Das kann dem in Sachen Fahrgastaufkommen durchaus verwöhnten ÖPNV-Unternehmen nicht gefallen. Schließlich stieg die Akzeptanz zunächst kontinuierlich. Noch im Jahr 1985 transportierte die Aseag gerade mal 38 Millionen Fahrgäste. Seitdem ging es fast ausschließlich steil bergauf. Auch wenn man immer rote Zahlen schrieb und deswegen auf Zuschüsse anderer städtischer Töchter — wie Stawag und Aachener Parkhaus GmbH — angewiesen war. Schon 2009 betrug das Defizit des Aseag 12,6 Millionen Euro. Tendenz steigend. Und bereits damals lag man mit 65 Millionen Passagieren im Ranking der reinen Busverkehrsunternehmen unangefochten an erster Stelle — was eine Erfolgsmeldung war.

Das Image der Aseag ist allerdings bis heute durchwachsen. In der Verkehrsplanungsstudie „Vision Mobilität 2050“, die von der Stadt 2015 veröffentlicht worden war, bewerteten 53 Prozent der Befragten den Aachener Busverkehr als „schlecht / sehr schlecht“. Nur zehn Prozent urteilten mit „gut / sehr gut“. Damit rückt der von Politik und Stadtverwaltung propagierte Umstieg vom Auto in den Bus in weite Ferne. Rückläufig seit 2011 sind auch die Verkäufe von Schülerkarten und der „AC-Karte Erwachsene“.

Die Aseag verfügt in Aachen über 352 Fahrzeuge, davon sind 140 von Fremdunternehmen mit Fahrer angemietet (Stand Jahreswechsel 2014/15). Auf 69 Linien werden pro Jahr fast 17 Millionen Kilometer zurückgelegt.

Aus welchen Gründen es bis zum vergangenen Jahr zum Verlust von mehreren Millionen Fahrgästen kam, konnte Aseag-Sprecherin Anne Körfer auf AZ-Anfrage nicht sagen. Die Aseag kündigte eine Stellungnahme für den heutigen Dienstag an.

In der Zukunft stehen Aseag und die Stadt Aachen in Sachen „Vision Mobilität 2050“ vor großen Herausforderungen. „Eine konsequente Planung und Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist in den letzten Jahren nicht im ausreichenden Maße geschehen“, heißt es im Verkehrsentwicklungsplan. Seit dem Aus für die Campusbahn gelte es, gerade auf der stark frequentierten Ost-West-Achse (Uniklinik-Melaten-Hörn-Aachen-Zentrum-Rothe Erde-Brand) „eine zukunftsweisende Lösung zu finden, die nicht auf Schienen angewiesen ist“. Elektromobilität wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. Bis 2018 sollen für 8,4 Millionen Euro 15 Elektrobusse auf den Linien 33 und 73 zwischen Bahnhof Rothe Erde und Uniklinik rollen. Die Testphase hat bereits begonnen — erfolgreich, wie es heißt.

Damit will die rote Flotte mit Vollgas verlorene Kunden wieder zurückerobern und auf einen neuen Zenit des Fahrgastaufkommens zusteuern. Nur finanzielle Verluste bleiben auf jeden Fall.