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Aachen: Talente der Tanzschule führen Eigenproduktion auf

Aachen : Talente der Tanzschule führen Eigenproduktion auf

Auftakt — in dem Begriff steckt schon ein wenig Rhythmus und Bewegung. Ein passender Name für ein Projekt, bei dem junge Schüler der Tanzwerkstatt Carla Brettschneider ihre selbst erarbeiteten Choreographien vorstellen. Per Whats-App hatte Tanzlehrerin Kathrin Liedtke das Projekt ins Leben gerufen.

Zwölf Schülerinnen und ein Schüler fanden sich in dieser Gruppe zusammen, um in den folgenden sechs Monaten an ihren Ideen zu feilen. „Wir haben wohl doppelt so viel geprobt wie in normalen Zeiten“, erzählt Friederike Kulik. Die 19-Jährige studiert an der RWTH Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau.

Entließen die Tänzerinnen ganz in die Eigenverantwortung: Tanzlehrerin Kathrin Liedtke (links) und Carla Brettschneider, Leiterin der Werkstatt. Foto: Andreas Herrmann

Doch nicht nur an den Choreographien arbeiteten die Schüler, sie organisierten auch die komplette Aufführung an zwei — restlos ausverkauften — Abenden im Space des Ludwig Forums, suchten Sponsoren, arbeiteten Kostüme um, kümmerten sich um Licht- und Tontechnik. Den Reinerlös der beiden Aufführungen im Space möchten die Schüler dem Hilfswerk unserer Zeitung „Menschen helfen Menschen“ spenden.

„Das ist eine völlig neue Erfahrung, man nimmt eine Aufführung ganz anders wahr, weil man merkt, wie viel Arbeit dahinter steckt“, meint Friederike Kulik. 14 Choreographien sind im Projekt entstanden. Die Schüler experimentierten mit verschiedenen Tanzstilen, mixten eine klassische Ballettchoreographie mit den harten HipHop-Beats des US-Rappers Eminem, setzten Themen wie Liebe oder das Streben nach Perfektionismus in Tanz um, spielten tänzerisch nach, wie Anakin Skywalker in der Star-Wars-Saga der dunklen Seite der Macht verfällt oder wählten neue Zugänge in der Darstellung der vier Elemente.

Für Gänsehaut bei den Zuschauern sorgte eine Choreographie zu Heiner Müllers Gedicht „Engel der Verzweiflung“. Die Choreographen tanzten ihre eigenen Stücke nicht immer selbst, wirkten aber bei anderen als Tänzer mit und erlebten die Aufführungen in einer Doppelrolle. „Man ist schon stolz, wenn man das zum ersten Mal auf der großen Bühne sieht“, sagt Caroline Hermsdorff. Die 23-Jährige studiert International Business Management an der FH und hat gemeinsam mit Friederike Kulik eine Choreographie zum Titel „Do your thing“ der Gruppe Basement Jaxx zusammengestellt, die die Freude an der Bewegung ausdrücken soll. Auf der Bühne setzten die neunjährige Amilia Felicitas Rehm und die elfjährige Eleni Krieweth die flotte Nummer mit sichtlichem Spaß um und ernteten dafür einen dicken Applaus.

Den gab es am Ende für alle Beteiligten. „Wir sind sehr stolz auf das entstandene Programm“, lobten Carla Brettschneider und Kathrin Liedtke ihre Truppe. Die beiden standen mit Rat und Tat zur Seite, hielten sich ansonsten aber aus der Organisation heraus.

Selbstständig ein eigenes Programm zu erarbeiten ist auch Teil des Unterrichtskonzeptes der Tanzwerkstatt, die als zertifizierte Schule auf künstlerische Berufe vorbereiten darf. Auftakt — in dem Begriff schwingt auch mit, dass etwas, das begonnen hat, fortgesetzt wird. Auch Friederike und Caroline können sich durchaus vorstellen, wieder dabei zu sein, wenn ein weiteres Projekt geplant würde. Aber jetzt rücken Familie, Freunde und das Studium erst einmal wieder in den Vordergrund.