Aachen: Tag des offenen Denkmals: Auf einem besonderen Holzweg durch die Stadt

Aachen: Tag des offenen Denkmals: Auf einem besonderen Holzweg durch die Stadt

Betritt man das helle Foyer des alten Kraftwerks Borngasse hinter dem Alten Posthof, richtet sich der Blick zur Decke: Dort hängt über den ganzen Raum hinweg ein alter Kran. Bis zu 15 Tonnen kann er tragen. Ein wenig sieht er aus, wie eine alte Eisenbahnbrücke - Holzplanken bilden den Boden, ein Metallgerüst erinnert an ein Brückengeländer.

In der Mitte ist eine Kurbel angebracht, die früher zwei Mann bedienen mussten, um das schwere Gerät in Gang zu bringen. Darunter befindet sich ein Stahlseilzug mit einem dicken, schweren Haken.

Am Tag des offenen Denkmals standen in Aachen Gebäude Bürgern offen, die sonst nicht so einfach zu erkunden sind. „Eigentlich ging das Kraftwerk mal bis an die Borngasse heran. Der Teil wurde aber abgerissen”, berichtet Axel Dresbach, technischer Leiter des Eurogress. Er führt durch das Kraftwerk, an dessen bis heute erhaltener Ziegelfassade noch Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen sind.

1892/93 wurde das alte Umspannwerk gebaut. „Ziel war, die alte Pferdebahn in Aachen zu elektrisieren”, erzählt Dresbach. Später wurde von hier aus ganz Aachen mit Strom versorgt. Seit 2011 ist das Gebäude Proberaum für die Musiker des Sinfonieorchesters. „Vorher gab es keinen Raum für das Orchester. Eigentlich war das Eurogress vorgesehen, das dann Tagungszentrum wurde. Deshalb mussten die Musiker über dem Schwimmbecken der Elisabethhalle proben. Das war vor allem klimatisch schwierig”, erzählt Dresbach.

Er führt durch eine Tür in den Proberaum, oder wie er ihn nennt, „die kleine Schatzkiste”. Der Raum ist aber alles andere als klein, sondern eher imposant: Sechs mächtige Stahlträger halten die Decke; sie sind noch Teil der ehemaligen Schalthalle. Goldene Panelen, deckenhoch, bilden bewegliche Schallwände für die Orchesterproben - mehr oder weniger Hall ist hier einstellbar. In den Boden eingelassen sind Glasfenster. Hier blickt man in die ehemalige Unterwelt des Umspannwerks. „Hier kann man noch die alten Keramikisolatoren sehen, die die Stromverteilerachse gebildet haben”, erklärt Dresbach.

2,4 Millionen Euro wurden für den Umbau des Gebäudes verwendet, einige kreative Lösungen zur Schallisolierung wurden gefunden. So steckt in der Außenwand des Orchesterproberaums zum Beispiel Sand. Das eigne sich gut zur Schallisolierung, sagt Dresbach.

„Naturstoff Holz” lautet das diesjährige Motto des Tags des offenen Denkmals. Dem kommt man bei der AKV-Sammlung Crous näher auf die Spur. „Holz bedeutete für Aachen Fluch und Segen zugleich”, berichtet Peter Dinninghoff, der durch die Sammlung führt. Zu sehen sind Grafiken des Stadtbrandes 1656 und des Rathausbrandes 1883, sowie Ansichtskarten des Aachener Waldes. „Von den damals 4300 Häuschen in Aachen fielen etwa 3700 dem Stadtbrand zum Opfer. Die Aachener stellten schnell fest, dass das Feuer nicht in den Griff zu bekommen war und mussten vom Lousberg und den Burtscheider Höhen aus zusehen, wie ihre Stadt abbrannte”, erzählt Dinninghoff.

Wie durch ein Wunder kamen damals nur 17 Leute ums Leben. „Danach waren Löscheimer Pflicht. Außerdem mussten die Häuser mit Stein aufgebaut werden. Das gab der Stadt dann auch eine Repräsentativität, die ihr als Badeort zugute kam.” Auch auf die Münzgeschichte wirkte sich der Brand aus, wie Heinz Kundolf weiß. „Von den vielen verschiedenen Gold- und Silbermünzen blieb nach dem Brand nur noch Schrott. Man prägte einige einfach zweimal - das war dann sogenanntes Notgeld.”

Holz sei aber für Aachen aber nicht nur Fluch gewesen, sagt Dinninghoff - im Wald sind seit etwa 1900 viele Ausflugsziele entstanden, die bis heute gern besucht werden. „Die Waldschänke, das Gut Entenpfuhl, das Linzenshäuschen - das war schon für unsere Eltern und Urgroßeltern Urlaub und Fantasialand zugleich.” Die Sammlung Crous ist für Besucher jeden Dienstag zwischen 14 und 16 Uhr zu sehen. Außerdem können Termine unter der Telefonnummer 470311-21 vereinbart werden.

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