Tag der offenen Moschee in Aachen: „Es geht ums Miteinander“

Tag der offenen Moschee in Aachen : „Es geht ums Miteinander“

Vier Moschee-Gemeinden in Aachen haben sich am Donnerstag unter dem Motto „Menschen machen Heimat/en“ am bundesweiten Tag der offenen Moscheen beteiligt. Viele Menschen nahmen das Angebot wahr.

Wenn sich Gäste vom Niederrhein neben Dom und Rathaus auch den Besuch einer Moschee auf den Besichtigungsplan für Aachen setzen, ist das sicher ein Zeichen für ein gelungenes Miteinander in Vielfalt.

Die achtköpfige und drei Generationen umfassende Familie Siemes aus dem Nettetal wählte die Bilal-Moschee zu ihrem ersten Anlaufpunkt für ihren Aachen-Tag und machte sich damit zum Teil einer großen interessierten Öffentlichkeit am Tag der offenen Moschee. Vier Moschee-Gemeinden beteiligten sich in Aachen unter dem Motto „Menschen machen Heimat/en“. Dazu gehörten neben der Bilal-Moschee als die älteste Aachener Moschee auch die Mansoor-Moschee, die Yunus-Emre-Moschee sowie die Islamische Gemeinde Bosnien-Herzegowina.

Als „besondere Geste“ beurteilte Marianne Conradt, Bezirksbürgermeisterin Aachen-Mitte, die Wahl des Termins: „Den Tag der offenen Moschee auf den Tag der Deutschen Einheit zu legen, demonstriert die Verbundenheit der Muslime mit ihrer Heimat Deutschland“, sagte sie zur Eröffnung in der Bilal-Moschee. Bezogen auf das diesjährige Motto erklärte sie weiter: „Die Welt ist kleiner geworden. Unterschiedliche Kulturen begegnen sich in einer Stadt.“ Das Bunte sei schon seit Langem sozusagen kommunale Staatsraison in Aachen. „Es geht nicht darum ungute Parallelgesellschaften auszubilden, sondern ums Miteinander.“

Genau das ist Ziel des Tages der offenen Moschee seit seiner Erfindung 1997. Und das sei das tägliche Bestreben im Islamischen Zentrum Aachen (IZA) Bilal-Moschee, die seit den 1960er Jahren eine religiöse Heimat vor allem für muslimische Studierende aus aller Welt und die nachfolgenden Generationen in Aachen ist, erklärte Dr. Manour Mansour, Vorsitzender des IZA: „Bei uns spielt es keine Rolle, woher man stammt und wieso man kommt. Wir wollen eine Anlaufstelle für alle neuen und alten Aachener sein.“

Auch Hans-Christian Johnsen, evangelischer Pfarrer in Eilendorf und Vertreter seiner Kirche im Dialog der Religionen, betonte die Universalität des Heimatbegriffs: „Heimat ist nicht Raum, sondern Perspektive. Wir müssen fragen: Was ist uns gegeben und was ist uns aufgetragen?“ Vertreter des rechtspopulistischen Spektrums würden den Heimat-Begriff zu Unrecht für sich instrumentalisieren. „Denn die Menschen machen Heimat. Heimat ist der Ausblick auf eine offene Gesellschaft, in der jeder für sich eine Wohnung finden kann.“

Dass sich die Gemeindemitglieder der Bilal-Moschee ganz selbstverständlich als Teil der Stadtgesellschaft identifizieren, bekräftigte Jasmina Momen, im Vorstand des IZA für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, mit einem leidenschaftlichen „Wir fühlen uns als richtige Öcher“. Und dass alle anderen Öcher – oder auch Gäste aus dem Nettetal – eingeladen sind, jede Frage zu dem manchmal doch vielleicht noch unbekannten Glauben Islam zu stellen, wurde spätestens in den Führungen von Ayisha Hawari und Omar Allaoui sowie in den zahlreichen persönlichen Begegnungen des Tages deutlich.