Über die Grenzen hinweg: Tafel und Kreuz erinnern an Opfer

Über die Grenzen hinweg : Tafel und Kreuz erinnern an Opfer

5083 Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges aus 16 Nationen sind auf dem Aachener Waldfriedhof begraben. Darunter 235 Russen, 15 Rumänen und elf Serben, die alle im Ersten Weltkrieg gefallen sind.

Ihnen wurde am Donnerstag, dem Jahrestag der deutschen Kriegserklärung an Russland von 1914, eine besondere Würdigung zuteil: In einer feierlichen Ehrung der Opfer, einer so genannte Panichida, wurden die alte Gedenktafel und ein neues Gedenkkreuz an neuer Stelle von Priester Archimandrit Iosif Pustoutov der russisch-orthodoxen Gemeinde zu Aachen eingesegnet. Hinter der Errichtung des neuen Gedenkortes steckt eine besondere Zusammenarbeit: Vor vier Jahren begann die Reservistenkameradschaft TSH7FSHT Aachen, die Grabsteine der Kriegsopfer herzurichten – unabhängig von Herkunft oder Religion.

„So ergab sich hier auf dem Friedhof der erste Kontakt zu den hier lebenden Mitgliedern der russisch-orthodoxen Gemeinde. Fortan pflegten wir die Gräber gemeinsam“, berichtete Jürgen Braun von der Reservistenkameradschaft. „Bald waren wir uns einig, dass wir einen würdigeren Gedenkort für die gefallenen Russen, Serben und Rumänen brauchen als die ziemlich verrottete Gedenktafel.“

Denn, das betont Wladimir Noskow, Vorsitzender des Vereins zur Aufrechterhaltung des russischen Kulturerbes, „der 1. August 1914 ist ein sehr besonderer Tag für uns. Seine Folgen können wir jetzt am neuen Gedenkkreuz angemessen bedenken.“

Dafür sind bereits bei der Einsegnung viele in der Aachener Region lebende Russen ganz unterschiedlichen Alters gekommen, darunter auch eine Gruppe russischer Pfadfinder. Viele legten Rosen auf der neu verlegten Gedenktafel ab. „Die Erinnerungskultur an die gefallenen Soldaten wird in den Heimatländern der Opfer sehr viel intensiver gepflegt“, sah Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt darin durchaus ein Vorbild. „Es gehört auch zu unserer Verantwortung, die Erinnerung an die Opfer – auch an unsere Gefallenen – nachfolgenden Generationen weiterzugeben.“

Die Verlegung der Gedenktafel und die Errichtung des neuen Gedenkkreuzes wurden ehrenamtlich finanziert.

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