Aachen: Tafel-Helfer sammeln wieder rund 2000 Gabenpakete für Bedürftige

Aachen: Tafel-Helfer sammeln wieder rund 2000 Gabenpakete für Bedürftige

Nein, magisches Gold und glitzerndes Geschmeide haben Kriemhild und Siegfried nicht im Gepäck. Eher schon Nudeln, Gulasch, jede Menge Konserven, ein bisschen Wein, Sekt — und natürlich Schokolade. Schließlich kommt das Ehepaar Barteld nicht vom Rhein — wie die holde Prinzessin und der edle Recke aus der Nibelungensage —, sondern von der Wurm.

Eine kleine Heldentat haben Kriemhild und Siegfried Barteld heute aber allemal vollbracht. Und ihren „Schatz“ längst gemeinsam gehoben: Kaum ist ihr Golf in der Komphausbadstraße angerollt, haben die Neuntklässlerinnen von St. Ursula die vollgepackte Weihnachtskiste schon auf den Lastenaufzug der Firma Lüth gehievt.

Klar: Diesmal ist eben ein gänzlich anderer „Tafeldienst“ angesagt als in den Klassenzimmern am Bergdriesch. Siehe da: Cara, Elena, Sophie, Marie und die anderen haben sichtlich Spaß an ihren tragenden Rollen im ersten Akt der alljährlichen Bescherung für Bedürftige, die am Dienstag wieder hunderte Tafel-Kunden Richtung Bushof lockt. Auch wenn sie wohl ganz froh sind, dass sie die Treppe Richtung Ballsaal dank Lifttechnik meist links liegen lassen können.

Denn auch für Stefan Jansen hat ein ziemlich außergewöhnlicher Arbeitstag längst Fahrt aufgenommen: Etliche hundert Male wird der Speditionsmitarbeiter zur Feier des Tages kunterbunt verpackte Pakete statt grauer Umzugskartons per Knopfdruck in die erste Etage des Alten Kurhauses bugsieren. Zuweilen kann das Christkind eben auch breitschultrig, geschätzte 1,80 Meter groß und mit Parka und Kapuze daherkommen — besser ist das, denn der Öcher Bindfadenregen denkt an diesem grauen Montag gar nicht daran, ein Päuschen einzulegen...

Tafel-Vorsitzende Jutta Schlockermann und ihre vielen Helfer sowieso nicht. Die prächtigen Lüster im Ballsaal glitzern längst mit den schönsten Festpräsenten um die Wette. Am Ende wird Ann-Kathrin Rebbe, ihres Zeichens studentische Hilfskraft, rund 2000 Weihnachtskisten auf ihrer Strichliste addiert haben — nicht mehr, aber auch nicht weniger als im vergangenen Jahr.

Jutta Schlockermann nimmt sich trotzdem ein bisschen Zeitzum Plausch mit Manfred Bär und Werner Spiertz. Die Personalratsvorsitzenden beim Amts- und beim Landgericht sind als Vorboten eines „juristischen Nachspiels“ denkbar erfreulicher Art unterwegs: Rund 80 Weihnachtskisten, erzählen sie, haben die Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Tagen für die Tafel gesammelt.

Auf dem Balkon reißen die Pennälerinnen sich die großen Pakete derweil förmlich aus der Hand. Gerade hat auch ein Transporter aus dem Fuhrpark der WOF-Fitnesscenter unter der Brüstung Station gemacht — einem von etlichen Sponsoren, die in den vergangenen Tagen bereits hunderte Spenden entgegengenommen haben.

Von den Kindern gelernt

Und Julia Buschbell hat alle Hände voll zu tun, das Blech vor dem Kurhaus zu bändigen. Aber keine Bange: Der schönste City-Stau der Vorweihnachtszeit ist flott wieder gebändigt. Nur an der Kofferraumhaube von Dorle Kampmanns grünem Kombi hat’s gerade ein wenig gehakt.

Die Berufsschullehrerin aus Vaals ist jedes Jahr mit von der Partie, wenn’s darum geht, den Tafel-Kunden ein schönes Fest zu bereiten — genau wie das Ehepaar Bartheld. „Das erste Mal hab’ ich von der Aktion gehört, als meine Kinder in der Grundschule Vaalserquartier für den Verein gesammelt haben“, erzählt sie. Die Sprösslinge sind längst groß. „Aber ich lerne jedes Jahr dazu, wenn es darum geht, eine möglichst schöne Geschenkekiste zusammenzustellen“, sagt sie lachend.

Was bewegt sie dazu, im stressigen Endspurt Richtung Heiligabend auch an Menschen zu denken, denen sie vielleicht nie über den Weg gelaufen ist? Dorle Kampmann hat die gleiche Antwort parat wie so viele, die heute mal wieder den Ballsaal angesteuert haben. Und zuckt ein bisschen verlegen mit den Schultern — genauso wie eben noch Siegfried und Kriemhild Barteld: „Es macht einfach Spaß, wenn man etwas abgeben kann“, sagt sie. „Denn leider geht es nicht allen so gut wie uns!“