Aachen: Tacheles Theater feiert mit „Neurosige Zeiten“ gelungene Premiere

Aachen: Tacheles Theater feiert mit „Neurosige Zeiten“ gelungene Premiere

„Versucht mal für ein paar Tage, ganz normale Menschen zu sein“: Agnes (Britta Nowak) ist verzweifelt. Seit einiger Zeit lebt die junge Frau in einer Wohngruppe der Psychiatrie, und ausgerechnet jetzt hat sich auch noch ihre Mutter Cécile Adolon (Elisabeth Booi), angekündigt.

„Neurosige Zeiten“ drohen — das Stück von Winnie Abel, die neuste Produktion des Tacheles Theaters, ist eine leichte Abendunterhaltung mit viel Witz. Seit 2001 bringt der Verein regelmäßig Theaterproduktionen auf die Bühne, darunter Stücke wie „Top Dogs“, „Frau Müller muss weg“ und „Arsen und Spitzenhäubchen.“ Nun geht es also in die Psychiatrie.

Manchmal mag man dabei den Eindruck haben, das 110 Minuten lange Stück sei um Sprichwörter wie „Bei uns haben wir noch alle Tassen im Schrank“ und leichte Wortwitze herumgebaut, aber es funktioniert. Das Publikum amüsiert sich bei der Premiere in der Klangbrücke jedenfalls köstlich.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Die sexsüchtige Agnes Adolon, Tochter einer reichen Hotelbesitzerfamilie, lebt nicht ganz freiwillig in der Wohngruppe. Sie hat ihrem Vorgesetzten in den Schritt gefasst: „War aber ein Griff ins Leere“, wie sie selbst betont. Zwar hofft sie auf baldige Entlassung, doch Klinikärztin Dr. Dr. Schanz (Anne Emans in einer Doppelrolle) möchte ihre Patientin nicht so bald entlassen.

Als sich die Mutter ankündigt, droht Ungemach, denn Agnes hat nie erzählt, dass sie nicht in einer schönen Villa am Stadtrand wohnt und nicht mehr bei Pharma-Plus in der Vorstandetage arbeitet. Um den schönen Schein zu waren, bittet sie ihre Mitbewohner — die bekannte Künstlerin Desirée (Uschi Riemschoss), den neurotischen Finanzbeamten Hans (Philipp Ebbecke), die Stalkerin Marianne (Gertraude Dörre) und die scheue Waltraud (Madeleine Bell) — der Mutter vorzutäuschen, bei der Wohngruppe handle es sich um Agnes‘ Wohnung. Gleichwohl bricht ein unbeschreibliches Chaos aus.

Und dass Beschäftigungstherapeutin Rahel (Neomi Havinga) und Frau Dr. Dr. Schanz immer wieder drohen, Agnes auffliegen zu lassen, sorgte für weitere Lachsalven. Was man dem Stück lassen muss: Den Höhepunkt des Abends liefert allerdings Ebbecke, der den Neurotiker auf eine liebenswerte und herzliche Art spielt. Sein Auftritt mit Akku-Besen sorgte mit für die größten Lacher — ohne dass dabei auch nur ein einziges Wort gesprochen wird.

„Neurosige Zeiten“ nimmt sich selbst nicht immer ernst und darf auch nicht zu ernst genommen werden. Dass das Stück all seine Figuren mit einem Augenzwinkern betrachtet, zeigt sich beispielsweise in diesem Dialog zwischen Herta und Marianne: „In die Psychiatrie? Ich? Ich bin doch nicht verrückt!“, meint die Verkäuferin, woraufhin Marianne lapidar antwortet: „Das sagen wir hier alle.“

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