Aachen: SV Eilendorf: Zum 100-Jährigen gibt‘s einen Meistertitel

Aachen: SV Eilendorf: Zum 100-Jährigen gibt‘s einen Meistertitel

So manch einer war von einem kurzen Schauer der Rührung erfasst, als sich plötzlich zahlreiche Gäste von ihren Sitzen erhoben und die Vereinskameraden Peter Faber, Peter Bückens und Matthias Ortmanns mit warmherzigem Applaus für ihre jahrzehntelange Mitgliedschaft beim SV Eilendorf beglückwünschten.

„Mein Vater hat den Verein mitgegründet“, erklärte Peter Faber, der selbst die längste Vereinsmitgliedschaft inne hat — schließlich ist er dem Eilendorfer SV am 17. Juni 1936 beigetreten und damit seit 78 Jahren Mitglied.

„Du bist noch nicht so lange beim SV Eilendorf, oder? Wie lange genau?“, fragte der stellvertretende AZ-Chefredakteur Bernd Büttgens später den elfjährigen Henrik Stark. Trocken und mit einem verschmitzten Grinsen erwidert der nur: „Noch keine 78 Jahre“. Und kurzerhand übernahm Henrik, der in der D4-Mannschaft auf der Position des Verteidigers kickt, die Rolle des Interviewers und stellte den ehemaligen Profifußballern Günter Delzepich und Jupp Nehl Fragen, die ihm unter den Nägeln brannten, so dass auf der Bühne schnell ein lockeres Fachsimpeln über prägende Erlebnisse, die richtigen Schuhe und verpasste Torchancen entbrannte.

Grund für den Besuch der Fußball-Idole am Sonntag war ein besonderer Geburtstag: Der SV Eilendorf feierte sein 100-jähriges Bestehen. Nach einer Messe in St. Severin wurde in der Kleebachschule der „aufregende Tag“ zelebriert, wie der Vereinsvorsitzende André Lütz sich freute. „Es ist ein ganz außergewöhnlicher Verein“, erklärte Bernd Büttgens, der mit dem gebürtigen Eilendorfer und WDR-Fußballreporter Stephan Kaußen in amüsanter Weise den Festakt moderierte. Beiden ist der SV nicht fremd, spielte doch Kaußen mit dem aktuellen Vorsitzenden Lütz schon als junger Mann Fußball und schwärmte Büttgens noch immer ein wenig vom Bolzplatz Eilendorfs, wo er auch aufs Tor zielte.

In einer kurzen Bilderserie zog die Vereinsgeschichte vorüber: Erfolge, Niederlagen, Generationen von Eilendorfern beim Vereinsleben, Zeitungsartikel von Auf- und Abstiegen — all dies prägte die vergangenen hundert Jahre. In diesem feierlichen Rahmen wurde auch Günter Schumacher zum zweiten Ehrenpräsidenten ernannt.

„Unser großes Glück ist unsere breite Gemeinschaft“, freute sich Lütz: Und die ist mit 947 Mitgliedern — davon 482 Kinder und Jugendliche — tatsächlich sehr gut aufgestellt. Bekannt ist der SV Eilendorf heute vor allem für seine große Fußball-Abteilung. Vier Seniorenmannschaften gibt es derzeit. Die erste Mannschaft spielt in der Landesliga und hätte vor dem Festakt dem Aufstieg einen Schritt näher kommen können, wäre nicht die Niederlage in Richterich gewesen. Auch eine Damen- und eine Juniorinnenmannschaft spielen in dem großen Verein. Am beeindruckendsten allerdings sind die Junioren: 19 Mannschaften kicken in unterschiedlichen Altersgruppen und lassen den Verein an seine Kapazitätsgrenzen stoßen.

Hinter der Fußball-Abteilung tritt die Handball-Sparte manchmal in den Hintergrund: Drei Damen- und zwei Herrenmannschaften werfen Tore, erklärte Handball-Abteilungsleiter Hubert Drechsler, als die Neuigkeit „Wir sind Meister!“ in den Festakt platzte: Denn gerade war das entscheidende Spiel gewonnen worden, das der 1. Damenmannschaft den Titel bescherte. Und spätestens als der Saal in „Der Meister kommt“ einstimmte, wurde klar, welcher Zusammenhalt den Verein prägt.

Und wer glaubt, dass der SV Eilendorf nach einem Jahrhundert Staub angesetzt hat, hat weit gefehlt: Denn die Beispiele der jungen Leute, die sich um den Facebook-Auftritt des Vereins kümmern, eigene Vereins-Hymnen mit Hiphop-Beats schreiben, oder im Panini-Album Vereinsspielerbilder sammeln, belehren eines Besseren. Und so scheint der fußballerische Vergleich des Vereins mit der Champions League, den Bürgermeister Björn Jansen wagte, gar nicht so weit gefehlt, denn von überall tönen weitere Lobpreisungen für die sportlichen Ehrenamtler. Und das scheint nicht zuletzt an den Umgangsformen zu liegen: „Bei uns gelten die Säulen des Respekts“, erklärte Fußball-Trainer Achim Rodtheut: Das gelte gegenüber auch Gegenspielern und Schiedsrichtern.

Dass diese Säulen verinnerlicht sind, bestätigte der Schiedsrichterausschuss-Vorsitzende Peter Oprei: „Ich bin immer gern nach Eilendorf gekommen“, denn nach 90 Minuten voller Emotionen, habe man immer sachlich reden und sich beim nächsten Spiel mit einem Lächeln die Hand reichen können. Wozu das Motto passt, dem sich SV Eilendorf verschrieben hat: fair, offen und ehrlich.

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