Oberforstbach: Südkoreanisches Fernsehen dreht in Oberforstbacher Grundschule

Oberforstbach: Südkoreanisches Fernsehen dreht in Oberforstbacher Grundschule

Glück gehabt. Als Seng-Suk Park tiefer in die deutsche Schullandschaft eintauchte, stolperte sie über den Glücksunterricht an der Gemeinschaftsgrundschule Oberforstbach. Die Südkoreanerin berichtete in ihrer Heimat von der ungewöhnlichen Begegnung, das Interesse war groß.

So groß, dass das südkoreanische Staatsfernsehen zwei Kamerafrauen schickte, die den Oberforstbacher Kindern beim Suchen und Finden des Glücks über die Schultern schauen.

Seit drei Jahren bietet der Verein „Malaika - zur Förderung der Lern- und Lebensfreude” in der kleinen Grundschule im Aachener Süden (186 Kinder) den ungewöhnlichen Unterricht an.

Während in Baden-Württemberg Glücksunterricht an weiterführenden Schulen etabliert wurde, hatten Katja Reuter und ihre Malaika-Mitstreiterinnen zunächst etwas Pech. „Anfangs sind wir sehr viel Skepsis begegnet”, erinnert sich Reuter. Doch nach und nach wurden auch die Eltern gewonnen. Die Kinder waren auf Anhieb begeistert. Nicht nur bei Dominik (siehe „Eine Frage an”) zählen die Malaika- zu den Lieblingsstunden. Und rasch war klar: Glück ist vom Oberforstbacher Stundenplan nicht mehr wegzudenken.

Die südkoreanischen Kameras nehmen auf, wie die Kinder im Kreis sitzen, wie sie einander zuhören, sich ausreden lassen, wie sie gemeinsam tanzen, spielen, lachen und vor allem glücklich sind. In der vierten Klasse ziehen sie an einem Strang - und türmen so mittels einer Art Seilzug Klötzchen auf, an denen Schildchen kleben mit Begriffen, die den Schülern wichtig sind: Freundschaft, Musik, Freude. Auf diesen können sie aufbauen.

Seng-Suk Park ist begeistert. Seit 14 Jahren lebt sie in Deutschland. Sie hat zwei Bücher über das deutsche Schulsystem geschrieben, die auch in China veröffentlicht wurden. Sie hat bei der Recherche den Glücksunterricht kennengelernt, an einer Weiterbildung bei Ma-laika teilgenommen und arbeitet nun eben an dem Bericht für das südkoreanische Staatsfernsehen. Zweimal 45 Minuten soll der dauern, es gibt viel aus Oberforstbach zu berichten.

In Südkorea gibt es nichts Vergleichbares - allerdings ist der Glücksunterricht auch in Aachen immer noch einzigartig, obwohl bei der letzten Weiterbildung viele Lehrer sehr interessiert waren. In Asien aber sieht Schule noch ganz anders aus als in deutschen Klassenräumen. Frontalunterricht und Leistungsdruck sind die beiden Schlagwörter, mit denen Park die Situation treffend beschreibt. Und sie erzählt von den Problemen, die groß und größer werden: Mobbing und Gewalt unter den Schülern. Ein bisschen Glück kann da nicht schaden.

Während Park wusste, was sie mit dem Glücksunterricht erwartet - viel Bewegung, aber auch ruhige Momente, in denen die Kinder in sich gehen und ihre positiven Seiten entdecken - sind die beiden Kamerafrauen schlichtweg beeindruckt. „Das haben sie so noch nie gesehen”, sagt Autorin Park. „Es ist toll zu sehen, wie sich andere Länder öffnen und wir mit diesem Unterricht Interesse wecken”, findet Malaika-Vorsitzende Katja Reuter.

Der Erfolg ihres Unterrichts ist natürlich schwer messbar. Die Kinder lösen keine Aufgaben, sie erzielen keine Resultate, die richtig oder falsch sind. Es geht um mehr. „Die Kinder lernen, sich selbst auszudrücken. Gerade die Kleineren sind dem Glück noch sehr nah. Sie haben einen riesigen Schatz an Fantasie. Das wollen wir ganz natürlich stärken”, erklärt Reuter. „Wir sind oftmals zu sehr auf Leistung konzentriert, es ist wichtig, dass es so einen Ausgleich gibt. Die Kinder lernen, was ihnen gut tut und ihnen Freude bereitet.”

Doch Freude bereitet der Unterricht auch den Lehrern und Schulleiterin Maria Schiefer. Denn der Umgang der Kinder untereinander sei in der Regel überaus rücksichtsvoll und fürsorglich. Das Glückskonzept ist ein wichtiger Baustein der Oberforstbacher Schule - neben Umweltschutz und Partizipation. Dafür wurde die GGS mit dem Schulentwicklungspreis „Gute gesunde Schule” ausgezeichnet. Und auch dabei spielte das Glück eine entscheidende Rolle - als Unterrichtsfach.

Weiterbildung und Finanzierung in Sachen Glück

Eine Weiterbildung startet im November. Weitere Informationen dazu gibt es unter http://www.malaika-ev.de, unter info@malaika-ev.de oder telefonisch unter 02408/9819744.

Finanziert wird der Unterricht an der Pilotschule in Oberforstbach über Vereinsmitglieder, Sponsoren sowie Fördermittel des Landes NRW. Auch städtische Mittel wurden zuletzt beantragt.

Die Dialego Foundation for Children hat eine kleine Kollektion „Glückskarten” herausgegeben. Sie sind in der Mayerschen Buchhandlung, Buchkremerstraße, erhältlich, und die Einnahmen fließen zu 100 Prozent an das Glücksprojekt.

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