Stürme und Borkenkäfer: Aufräumarbeiten im Aachener Wald dauern an

Schäden im Aachener Wald : Die Folgen der Katastrophen sind nicht zu übersehen

An den Ostertagen ruhen die Maschinen, weil auch die Waldarbeiter Ferien haben. Ihre Spuren aber sind nicht zu übersehen: umgepflügte Wege, tiefe Reifenfurchen, breite Waldschneisen, ungezählte niedergelegte Bäume. Kein schöner Anblick, und manch einer fragt sich: Wer hat hier sein zerstörerisches Werk vollbracht?

„Themen wie Wildruhe, Bodenerosion oder zerstörte Waldwege werden unwichtig, wenn Geld regiert“, schlussfolgert ein Leser, der die Schäden „durch den erbarmungslosen Einsatz von Holzerntemaschinen“ für weitaus gravierender hält als jene, die alle Läufer, Walker, Spaziergänger, Biker, Reiter oder Hundehalter zusammen anrichten können. Doch Geldgier ist es eher nicht, die Aachens Forstamtsleiter Gerd Krämer und seine Kollegen zu den Holzfällarbeiten getrieben hat.

Denn die Harvester, wie die Holzerntemaschinen auch genannt werden, kommen im Öcher Bösch vor allem aus zwei Gründen zum Einsatz: wenn in kurzer Zeit viele Bäume gefällt werden müssen und wenn es die Sicherheit der Waldarbeiter verlangt. Und Anlässe dafür gab es leider mehr als genug, wie Krämer darlegt. Vor allem die Borkenkäfer und die Stürme machen ihm und seinen Kollegen nach wie vor schwer zu schaffen.

Nicht erst seit dem vergangenen heißen und trockenen Sommer leiden die Bäume im Wald. Auch zuvor gab es schon mehrere ungewöhnlich lange Trockenperioden, die die Bäume geschwächt und die Ausbreitung der schädlichen Borkenkäfer befördert haben. Dann ist vor allem Geschwindigkeit gefragt, um die Käferpopulation einzudämmen. Befallene Bäume sollen so schnell wie möglich aus dem Wald herausgeholt werden. Ohne den Einsatz der Harvester sei das nicht zu schaffen, sagt Krämer. 20 Waldarbeiter wären nötig, um das Pensum einer Maschine zu schaffen.

Doch Harvester sind nicht nur schneller, sondern auch sicherer. Vor allem bei der Beseitigung der Sturmschäden ist dies ein wesentlicher Aspekt. Umgekippte Bäume sind dann oftmals verkeilt und stehen unter Spannung, erläutert Krämer. Die Unfallgefahr wird minimiert, wenn die Arbeiter durch eine Kabine geschützt sind.

Die Bodenschäden, die der Harvester anrichtet, seien normalerweise nicht so gravierend, weil die Maschinen üblicherweise nur alle fünf bis zehn Jahre für einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen in ein Waldstück hineinfahren. Dass immer noch so viele Wege im Aachener Wald zerfahren sind, erklärt Krämer mit der ungewöhnlichen Vielzahl von Katastrophen, die ihn inzwischen beschäftigen. So sei schlicht keine Zeit mehr für den Wegebau geblieben.

„Und die Prognosen lassen auch nicht viel Gutes hoffen“, blickt er schon jetzt sorgenvoll nach vorne. Wegen des milden Winters hätten rund 90 Prozent der Käfer überlebt, fürchten die Experten. „Wir müssen uns wohl auf ein weiteres Katastrophenjahr einstellen“, so Krämer.

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