Studenten der Katholischen Hochschule Aachen fordern günstiges Wohnen

Wohnraumknappheit in Aachen : Junge Menschen kämpfen für günstige Wohnungen

Dass Wohnraum in Aachen knapp ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Nun will eine Studierendengruppe der Katholischen Hochschule den Druck auf die Politik erhöhen. Nicht nur die Studis, sondern ganz viele Menschen brauchen dringend günstigen Wohnraum, sagen sie.

Wie schwierig es ist, in Aachen eine günstige Wohnung zu finden, davon kann Alina Debye ein Lied singen. Sie studiert im dritten Semester an der Katholischen Hochschule (Katho) NRW, Standort Aachen, und sucht für ihr Kind, ihren Partner und sich eine geeignete Bleibe in der Stadt. „Keine Chance“, sagt sie. Menschen mit Kindern und einem endlich großen Geldbeutel würden in die Randbezirke gedrängt.

Das Thema Wohnen beschäftigt Alina Debye aber nicht nur privat, sondern auch an der Hochschule. Gemeinsam mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen hat sie einen Arbeitskreis „Bezahlbares Wohnen“ gegründet. „Wir haben uns in einem Kurs mit dem Thema politische Teilhabe auseinandergesetzt“, erklärt Ben Emunds, ebenfalls Studierender an der Katho. Schnell sei man auf das Thema Wohnen gekommen. Für die angehenden Sozialarbeiter liegt das auf der Hand.

„Wohnen ist ein Grundrecht“, betont Studentin Louisa Schubert, „und gerade Menschen mit finanziellen oder sozialen Problemen haben es nicht leicht, eine passende Wohnung zu finden. Das trifft übrigens längst nicht nur auf Studierende zu, sondern auch auf viele andere Gruppen“, weiß sie und zählt von Altersarmut bedrohte Senioren oder beispielsweise Geflüchtete auf. Sie alle brauchen Wohnungen in einem Segment, das immer kleiner wird und in dem der Markt abgegrast ist.

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, dass das Wohnen in einer Stadt wie Aachen bald zu einem Privileg werden könnte, haben die Studierenden im Internet eine Petition gestartet, parallel dazu mit Listen Unterschriften gesammelt. „Wir hatten schnell 1000 Unterschriften zusammen“, sagt Jannik Weidemann, und die habe die Gruppe dann auch an den Oberbürgermeister weitergegeben.

Konkret wollten die Studierenden beispielsweise von Aachens Stadtoberhaupt wissen, wie es sein kann, dass man von Wohnraummangel spricht, dass aber Gebäude wie das alte Polizeipräsidium in der Soers und der alte Landesbetrieb Straßenbau an der Karl-Marx-Allee leer stünden. „Marcel Philipp sagte uns, dass das eben Landesimmobilien seien, über die die Stadt nicht so einfach verfügen könne.“ Er habe aber auch von den Bemühungen der Stadt berichtet, an der angespannten Lage etwas zu verändern – beispielsweise durch die neue Wohnraumschutzsatzung.

Nein, die Antwort des OB habe sie nicht überzeugt. „Denn wir glauben, dass man das Problem wirklich dringend angehen muss, vielleicht auch mit einer neuen gesetzlichen Grundlage“, sagt Christoph Rombach, ebenfalls in der Gruppe aktiv. Zu lange habe sich vonseiten der Verwaltung und der Politik nichts getan.

Dass man auch über neuen Wohnraum außerhalb des Stadtzentrums und einen entsprechenden Ausbau des ÖPNV – Stichwort Regiotram – nachdenke, finden die Studierenden zwar gut. „Aber das reicht nicht“, sind sie sich einig. Es könne nicht im Sinne einer Stadtgesellschaft sein, dass man hinnehme, dass das Wohnen im Zentrum zum Luxus werde. „Wir wollen keine Segregation der Gesellschaft, keine Ghettoisierung“, erklärt Alina Debye.

Und darum wollen die Katho-Studierenden dranbleiben: Sie werden sich weiter regelmäßig treffen und über ihr Anliegen austauschen, wollen ein Netzwerk zu den anderen Aachener Hochschulen aufbauen und vor allem den Druck auf die Politik erhöhen. „Wir werden zu den Ratssitzungen gehen, gerne auch im Katho-T-Shirt, wenn man uns dann besser wahrnimmt“, sagen sie.

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