Aachen: Ströbele: Der Friedenspreis schützt seine Preisträger

Aachen : Ströbele: Der Friedenspreis schützt seine Preisträger

Zum 31. Mal wurde am Samstag der Aachener Friedenspreis in der Aula Carolina verliehen. Der Preisverleihung ging eine Kundgebung am Elisenbrunnen und ein Demonstrationszug voraus, an der rund 280 Menschen, darunter Laudator Hans-Christian Ströbele, teilnahmen.

Am Antikriegstag, der an den Überfall deutscher Truppen auf Polen und den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 erinnert, sprachen sich Andrej Hunko, für die Linke Abgeordneter im Deutschen Bundestag, und Ralf Woelk aus dem Sprecherkreis des Aachener Friedenspreises, auf der Kundgebung gegen das Zwei-Prozent-Ziel der Nato aus. „Wir leben in einer Zeit der massivsten Aufrüstung seit Ende des Kalten Krieges“, unterstrich Hunko und rechnete vor, was das Zwei-Prozent-Ziel in Zahlen für die Bundesrepublik bedeutete. Von derzeit 38,5 Milliarden Euro würde bis 2024 der Etat für Rüstung, das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes eingerechnet, auf 80 Milliarden Euro anwachsen: „Wir brauchen Ab- nicht Aufrüstung.“

Zuvor gab es einen Demonstrationszug vom Elisenbrunnen zur Aula Carolina. Foto: Andreas Schmitter

Ralf Woelk betonte, er sehe ganz andere Herausforderungen in unserer Gesellschaft und in Europa. Es brauche Investitionen in Bildung und in Arbeit, um die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden. „Nicht die Flüchtlinge sind verantwortlich für Lohndumping und steigende Mieten und immer höhere Waffenexporte in Krisengebiete“, sagte Woelk und fragte: „Wo bleibt der Aufstand gegen die Waffenexporteure und Mietgeier?“.

Bürgermeisterin Hilde Scheidt hob in ihrem Grußwort bei der Preisverleihung hervor: „Aachen ist eine Stadt, in der sich sehr viele solidarisch dafür einsetzen, dass der soziale Frieden bestehen bleibt.“ Doch Demokratie sei kein Selbstläufer, schleichend übernähmen nicht nur politische Akteure die menschenverachtende und ausgrenzende Wortwahl der AfD.

Concern Universal Colombia für Engagement in Ibagué ausgezeichnet

Sehr gegensätzliche Gruppen zeichnete der Aachener Friedenspreis in diesem Jahr aus: Zum einen die Stiftung Concern Universal Colombia, ins Leben gerufen von Siobhan McGee und Jaime Bernal. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeiten sie in Ibagué, Hauptstadt der Provinz Tolima, wo sich die Gruppe für das friedliche Zusammenleben und für die Verbesserung der Lebensbedingungen aller einsetzt. Das Ende des Bürgerkrieges in Kolumbien habe zwar leisen Optimismus gebracht, doch nach wie vor ist der Staat in vielen Regionen nicht präsent, 2017 sind 100 Aktivisten für Menschenrechte getötet worden.

Laudator Hans-Christian Ströbele unterstrich, eine Auszeichnung wie der Aachener Friedenspreis richte die Aufmerksamkeit auf die Arbeit der Menschen, die sich für Frieden einsetzen, und schütze sie. Der Friedenspreis ermutige und stärke sie, er sei ein weiteres Korn zur Aussaat, sagten McGee und Bernal und dankten ausdrücklich ihren deutschen Freunden für die Unterstützung.

Um den zweiten Preisträger des Abends, das Künsterkolletiv Peng! hatte es im Vorfeld Diskussionen gegeben. Mit ihren Aktionen ruft das Kollektiv zum zivilen Ungehorsam und zum Gesetzesbruch auf. Die Frage, ob die Gruppe ein würdiger Preisträger sei, beantwortete Laudator Ströbele so: „Man muss genau hinsehen, wer derjenige ist, der die Gesetze bricht.“ Mit Bezug auf die Kampagne, in der Peng! den „Krieg gegen den Krieg“ erklärte und Bundeswehr und Rüstungsindustrie angriff, stellte Ströbele den Artikel 26 des Grundgesetztes heraus, in dem Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören, als verfassungswidrig definiert werden. Gerne würde der Artikel, den die Mütter und Väter des Grundgesetzes vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die sie im Zweiten Weltkrieg machten, heute stiefmütterlich behandelt.

Mahnung an OB Philipp

Auch in ihrer Dankesrede rief das Kollektiv dazu auf, unbequem zu sein: „Sich für Frieden stark machen ist etwas Konkretes“, sagte ein Mitglied, das als „Brigitte Eversbach, Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Schwenke“ die Aufmerksamkeit ausländischer Medien damit erregte, dass sich die CDU zu ihren christlichen Werten bekannte. Ein weiteres Mitglied erinnerte daran, das OB Marcel Philipp beim Empfang der Preisträger zugesagt habe, solidarisch mit Menschen in Seenot zu sein. „Hauen Sie denen auf die Finger, wenn sie es vergessen.“

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